Stil-Postille#1

Angeblich hat jeder eine Botschaft auch ohne Nation, eine Mission ohne Suppe (heißt heute Grundsicherung und ist laut Freizeitlederhosenständer böse) – manche haben sogar diverse Visionen, ganz ohne Illuminierung. Also habe ich auch eine, angeblich, sogar einige, die sich speziell an die letztgenannte, traurige Gruppe richten. Richtig anziehen, richtig kosmetisieren, richtig rasieren, nix Mach3 – n, keinen Schlips zum Ralphileiberl – denn bei den Markenhuldeleien seid ihr doch auch so konsequent, oder?

Also, warum ist die Kultur, trotz reichlichem Portemonnaie, so schlecht frisiert? Warum sind so viele Marginalien der Kultiviertheit so konsequent unter Hemden im Dessin wie Fini-Tant´s Geschirrtücheln versteckt, warum versuchen Karrieristen in rechteckigen Patinalatschen die Karriereleiter zu erklimmen, warum sind die Hosen, die Ärmel, die (Bart-) Haare zu lang – selten zu kurz, warum, wenn Mustermix, zum Trotz Linienmix! Nur weil´s blöd ausschaut oder weil’s eh keiner besser weiß?

Helfe ich euch halt, warum auch nicht, gibt ohnehin genug Quatschköpfe und stockunddreipunktblinde Stylingberaterinnen, da fällt man nicht auf? Also, fangen wir an: Z. B. wie viele Knöpfe hat ein Jackenärmel eines Anzugs, wie viele der eines Sportsakkos? Warum haben alle so seltsame Krawatten – Modell „Finding Nemo“ – zum Zwei- bis Dreiteiler umgebunden, wenn sie grad eben eine Wahl verlieren?

Also, Lektion 1: Keine Clubkrawatte zum Anzug (gilt auch für gehende und kommende Kanzler, gilt auch in Tirol, Niederösterreich und und und), nie, basta. Nein, weder eine Amerikanische noch eine Englische noch eine kontinentale. Wie man diese unterscheidet und anwendet, kommt – versprochen – und noch viel mehr, denn Richtigkeit (form follows funktion, aha!) ist die Basis guten Geschmacks, Regeln sind die Basis der Kunst und nicht Individualität, die nichts zu sagen hat, geschweige denn verstehen kann. Euer Jean

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