Wenn Mario Soldo mit seiner mother agency die PR-Agenden für ein schon etwas betagteres Einkaufszentrum übernimmt, dann passiert dort natürlich was in Sachen Mode.
8CHT! heißt das Spektakel im Wiener Generalicenter, bei dem sich acht Wochen lang acht DesignerInnen und acht FotografInnen präsentieren und auch noch Soldos Modelscouts nach interessanten Typen Ausschau halten. Heute geht’s nach der letzten Eröffnungswoche mit Edith A’Gay bereits in die zweite Runde.
Gina Drewes gehört mit ihrer aktuellen Sommerkollektion Bird of Paradise die kommende Woche. Fotografisch begleitet wird sie von Bernhard Musil.
Die Studierenden setzten mit dem Team der Modeklasse vergangenen Donnerstag in der Schönbrunner Orangerie ein aufwändiges und amüsantes Spektakel in Szene wie man es von einer Kunstuniversität erwarten darf.
Da wurden die Wiener Top-Dragqueens eingekleidet oder Traum- und Albtraumkleider kreiert. Bergfexe, Grillmeister sowie RadlfahrerInnen bevölkerten den Laufsteg ebenso wie die verschiedensten Interpretationen des Ur-Kleidungsstücks Decke. Einiges davon war ja schon bei den beidenGalleriepräsentationen im März zu entdecken.
Souveräne Kollektionen kamen von den Diplomandinnen Tamara Julie Biricz, Andra Dumitrascu, Elizaveta Fateeva, Suzana Jankovic und Anna Kirsten Krambeck.
Bernhard Gruber aus dem vierten Jahrgang heimste mit Gipfelzipfler 1.0 nicht nur den Rondo-Vöslauer-Modepreis sondern auch Begeisterungsstürme des Publikums ein.
Der frische Wind bläst da ganz ordentlich, und das auch so richtig laut mit Blasmusik.
Die vierte Show von Thomas Kirchgrabner war gestern im knallvollen Semper Depot zu sehen. Der Oberösterreicher löste 2007 Thang de Hoo als Head Designer bei Liska ab.
Teuer ohne protzig zu wirken sieht seine Mode aus, die – wie es sich für ein Top-Pelzhaus gehört – vor allem aus Abend- und Cocktailthemen besteht. Hautenge Hosen mit bunten und glänzenden Applikationen erzeugen einen interessanten Bruch mit der vielen Eleganz.
Dass wir es an diesem Abend mit einem ganz anderen Kalliber – budgetmäßig – als am Vortag zu tun haben, liegt in der Natur der Sache. Und war deutlich erkennbar etwa an der Qualität der Models oder dem Schmuck im Publikum.
Ein alter Hadern begleitete musikalisch das junge Gewand, als letzen Freitag der Bachelorlehrgang Mode im Wiener Wittgensteinhaus seine erste eigene Show präsentierte.
Unter der neuen künstlerischen Leitung – seit Herbst letzten Jahres stehen dem Studiengang Wally Sallner und Johannes Schweiger aka fabrics interseason vor – untermalten nämlich Mike Oldfields unsägliche Tubular Bells – was war ich damals froh, als diese endlosen, psychedelischen Konzeptalbenauswüchse endlich von knackigen 2 Minuten Punknummern abgelöst wurden – ein hochprofessionell vorgetragenes Defilee, das in ungewohnter Weise das Gemeinsame in den Vordergrund rückte.
Anstatt hierarchisch mit den Arbeiten der “Kleinen” zu beginnen und als krönenden Abschluss die “Fertigen” zu zeigen, stellten Samuel Drira und Sybille Walter (encens Magazine, Paris) einzelne Teile der StudentInnen zu stimmigen Outfits zusammen, sodass man den letztendlich Eindruck erhielt, es handle sich um ein Kollektiv, das an einem gemeinsamen Label arbeitet.
In einer Zeit der Ich-AGs vielleicht nicht der schlechteste, womöglich sogar ein revolutionärer Ansatz. Jedenfalls aber ein sehr valider und absolut gelungener Versuch, das Studium, das erst seit dem Wintersemester 2006/07 als Kooperation der Modeschule Wien in Schloss Hetzendorf mit der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz durchgeführt wird, mit einem starken Statement zu positionieren.
Dass das Anlass zu Kritik gibt, war natürlich absehbar, siehe z.B. bei Blica oder Stylekingdom, ist aber eigentlich auch wieder Qualitätsmerkmal.
Hier noch für alle, die ohne die ausführlich betexteten Plakatfolder nach Hause gegangen sind, die Namen der beteiligten StudentInnen:
Im Haus Wittgenstein, Parkgasse 18, 1030 Wien ist übrigens noch bis Montag 14. Juni (10 bis 17 Uhr) die Ausstellung Azubis 10 mit Arbeitsskizzen der StudentInnen zu sehen.
Fälschlicherweise im 10festival-Programmfolder bei freiem Eintritt angekündigt, “Presseliste? Hamma kane,” (Security im O-Ton) fand am Dienstag in der Säulenhalle des Wiener MAK die eigens dafür konzipierte Präsentation von Natures Of Conflict statt.
Mit der Kollektion Tribal Life! schafften es Kathrin Lugbauer und Nora Berger heuer auf die Shortlist in Hyères. Gegensätze wie die hohe Kunst der Drapierung bei Madame Grès und die “Wildheit” afrikanischer Stammesgewänder bilden den Hintergrund für die Arbeit, einer Art “Initiationsritus” ihrer Designauffassung (Eigendefinition). Ich bin schon gespannt, was von den beiden noch kommen wird!
Anne schildert die Performance auf ihrem Blog Blica sehr treffend, finde ich, bitte dort weiterlesen.
Und ich habe ein bisschen mit Handy-Livestreaming herumexperimentiert…