Stil! Monica Vitti in Antonionis „Il deserto rosso“

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Kennt ihr das? Sich selber zusehen wie in einem Film? Distanz, Entfremdung, innere Zerissenheit, davon erzählt Michelangelo Antonioni in seinem ersten Farbfilm „l deserto rosso“ 1964. Nachkriegszeit, Moderne, Industrialisierung, und mitten drin eine geradezu perfekte, neurotisch Zerissene, die zwischen ihrer gesellschaftlichen Rolle und elementaren Zweifeln schwankt: die großartige Monica Vitti, die sich durch eine extrem reduzierte, mitunter bewusst nervige elektronische Musik-Kulisse von Vittorio Gelmetti bewegt.

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Als Givenchy die Hepburn anzog

Givenchy hatte den Film angezogen. Damals war das noch sehr damenhaft, das war kurz vor Courreges, den Hippies und dem Minirock und den Jeans. Das ist noch – wie soll ich sagen – eine sehr konventionelle Welt mit einem sehr anständigen Humor.

Karl Lagerfeld stellt in seiner Kurzeinführung Charade, den Abschlußfilm der Arte Fashionweek in einen modehistorischen Zusammenhang.

Die anständige Dame trug damals (1963) unterwegs noch stets Hut und Handschuhe, Tasche und Pumps hatten selbstverständlich die selbe Farbe zu haben. Und der männliche Part des Filmpaares Audrey Hepburn und Cary Grant konnte ohne weiteres 26 Jahre älter sein als sie.

Charade (1963):
Stanly Donen (Regie), mit Audrey Hepburn, Cary Grant, Walter Mattau, James Coburn u.a.
Kostüm für Audrey Hepburn: Hubert de Givenchy

Der letzte mit Stil?

Stilfragen zählen zu den schwierigsten überhaupt, oder? Viel leichter ist es zu entscheiden jemand oder etwas sei ganz einfach stillos als die Faktoren zu bestimmen, die guten Stil ausmachen.

Nun, unser alter Freund Jean hat sich dazu wieder einmal zu Wort gemeldet. Er meint in seinem Schreiben lapidar: „Der letzte mit Stil…“ und schickt folgendes Foto mit. Es zeigt Glamrocklegende und Lamourhatscher-Perfektionist Bryan Ferry in äußerst stilvoller Inszenierung.

Bryan Ferry, Foto: www.bryanferry.com

Wir schmachten.

Foto: www.bryanferry.com

Stil! Grace Kelly in „Über den Dächern von Nizza“

Es ist sicher nicht der spannendste von Alfred Hitchcocks Filmen. Doch auch nach ungezählten Wiederholungen strahlt Grace Kelly stets aufs Neue im Licht der Côte d’Azur und in den legendären Kostümen von Edith Head. Sogar beim Jausnen im Cabrio ist Kelly die Eleganz in Person.

Die US-amerikanische Kostümbildnerin Edith Head wurde mit ihren Arbeiten 35 mal für den Oscar nominiert und erhielt ihn 8 mal. Ihr wurde ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame gewidmet und sie ist ein leuchtender Fixstern in der Film- und Modegeschichte. Danke, Arte!

Das schwarz-weisse Strandoutfit mit breitkrempigem Sonnenhut und Holderneck, der sich später als Badeanzug entpuppen wird, ist mein klarer Favorit!

Disco Nostalgia

Da passen wiedermal einige Dinge zusammen: Noch ganz unter dem Eindruck des 70er-Jahre-Disco-Abends auf Arte stehend – Donna I-Feel-Love Summer im elegant weißen Tunikakleid, Gloria I-Will-Survive Gaynor vor den von links nach rechts und von unten nach oben blinkenden Lichterketten! – flatterte mir gleich noch dieses Meisterstück von Halston ins Postfach.

Decades gehört zu den erfolgreichsten amerikanischen Vintage-Stores, ist spezialisiert auf Hollywood-Kundschaft mit starkem Interesse an Einzelstücken und verbreitet seine Neuzugänge via Blog. Nebenbei gibt das auch was her für die historische Weiterbildung.

Halston wird als Brand derweilen von Hollywood-Mogul Harvey Weinstein fleissig relauncht. Auch dafür bedient man sich zeitgemäßer Vermarktungsstrategien und kooperiert etwa mit dem luxuriösen britischen Onlinestore Net-A-Porter. Binnen Stunden waren auch die meisten Teile der zweiten, neuen Kollektion schon wieder ausverkauft. Dabei hätten mir die feinen, grauen Rauhleder-Overknees so gut gefallen…

Das Ganze stelle man sich jetzt noch musikalisch unterlegt mit den Grooves von T-Connection aus 1977, übrigens meine erste Maxi, vor. Und wer sich in punkto Hustle und Disco-Tanzschritten dazu genauer informieren will, ist bei Disco Step by Step zum Beispiel hier gut aufgehoben.

Fotos: Decades, Net-A-Porter