Was war 2009? Maria „Stylekingdom“ Ratzinger zum vergangenen Modejahr

In ihrem Blog Stylekingdom befasst sie sich  schon seit bald drei Jahren mit Fashion, Gossip and Lifestyle. Letztes Jahr hat sie den Fashion-Bloggers-Day organisiert. Was Maria Ratzinger so über das vergangene Modejahr denkt, hat sie mir für unsere Jahresrückblicks-Serie erzählt.

Was waren für dich die zwei oder drei spannendsten Entwicklungen in Sachen Mode international? Und in Österreich?

Schön langsam scheinen es ja die big brands zu schnallen was da im Internet abläuft. Der Umschwung von Skepsis zur Hofierung globaler Bloggergrößen war possierlich anzusehen. Mal sehen, ob es so weiterläuft.

Als zweites war die sooft zitierte Aufhebung des In&Outs eine falsche Prognose, die vom Permanenteinsatz der Themen Spitze, Niete und Franse widerlegt wurde, denn wer kann die 2010 schon tragen ohne den Stempel „2009“ auf der Stirn zu haben?

Die Unkenrufe im Vorfeld der MQ Vienna Fashion Week, ob wir überhaupt so etwas brauchen, waren wieder mal typisch österreichisch. Für mich ist sie eine Bereicherung im heimischen Modekalender. Wohin sie sich in den nächsten Jahren entwickeln wird, werden wir sehen.

Worauf hättest du lieber verzichtet?

Die Jimmy Choo Kollektion für H&M und das damit einhergehende Getöse.

Dein persönliches Lieblingsstück 2009?

Ein schwarzer, überdimensionaler Herren-Wollmantel von Ebay, der in meiner Garderobe 2010 sicher weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird und dessen Schnitt mich an die gutmütigen Alien-Roboter aus dem Film „Das fünfte Element“ erinnert. Irgendwie ist er so hässlich, dass er wieder schön ist.

Was wird 2010 wichtig werden, dein Tipp?

Öko-Mode löst sich endgültig vom Birkenstock-Image und wird ein großes Thema im Massenmarkt. Wie weit sich da dann noch ökologisch produzieren lässt, wird sich weisen.

Ich feiere mit Stylekingdom 2010 das 3-jährige Jubiläum und werde an einer visionären Modeplattform mitarbeiten. Mehr möchte ich noch nicht verraten.

Viel Erfolg, das wird glaube ich ein wirklich spannendes Projekt!

Maria Ratzinger, Foto:  Michele Pauty

Modeblogs made in A. Die Interviews: Stylekingdom

Mia habe ich vergangenes Jahr bei unserem real live Treffen hiesiger FashionbloggerInnen kennengelernt. Sie versammelt auf ihrem Blog Stylekingdom internationale News, wie z.B. kürzlich ein Chanel Haute Couture Video in voller Länge, oder bloggt tapfer TV-Unsendungen wie Austria’s Next Topmodel live mit. Für meinen Artikel über österreichische Modeblogs habe ich mit Mia das folgende Emailinterview geführt:

Was für ein Outfit tragst du gerade?

Sehr unspektakulär: Eine Röhrenjeans, grauen 1 Euro Pulli und darunter noch einen schwarzen Rolli. Die Innenpelz-gefütterten Converse nicht zu vergessen.

Seit wann gibt es dein Blog und wie kam es dazu, dass du begonnen hast?

Ich war schon immer sehr am Schreiben interessiert und hatte das Problem für keine Publikation schreiben zu können, die mich interessiert hat. Meinen ersten Fashion Blog hatte ich vor zwei Jahren und wurde nach ca. 2 Wochen von Jay aus Bangkok gefragt, ob ich nicht meinen eigenen Blog auf seiner Domain stylekingdom.com haben wolle. Ich habe absolute Narrenfreiheit und kann schreiben was ich will. Gesagt getan. Seit damals blogge ich jeden Tag und liebe es.

Worüber bloggst du so?

Fashion, Lifestyle, Musik, Filme, Stars, Dinge, die mich begeistern oder aufregen.

Dein Spezialgebiet?

Fashion mit ironischem Unterton. Ganz klar.

Wieviel Zeit verbringst du mit Bloggen?

Zu viel. Ich versuche meine Recherche auf das Wochenende zu verlegen und mir einen Plan zu machen, weil ich sonst unter drei Stunden pro Tag nicht durchgekommen bin.

Und wieviel Zeit verbringst du damit, andere Blogs zu lesen?

In letzter Zeit weniger. Es ist doch so, dass sie wie die Schwammerln aus dem Boden wachsen. Es gibt einige gute, die mich interessieren, der Rest ist Kopie.

Welche zum Beispiel?

Garance Dore, Glamcanyon, Stylish Kids in Riot, Jak & Jil, The Coveted, Tschilp, Lesmads, Frauenzimmer, Kathrynsky, Cooloutfit uva.

Wo informierst du dich sonst über Mode?

thefashionspot.com, style.com, modabot, Vogue, Blogs und Plattformen.
Ich möchte an dieser Stelle auch gleich die Beilagen „Rondo“ und „Schaufenster“ von Der Standard und Die Presse loben.

Was hältst du von Österreichischer Mode?

Sehr vielsversprechend und dynamisch und ganz anders als die bekannte österreichische Mentalität der Miesmacherei.

Machst du selber in irgendeiner Form Mode, und wenn ja, erzähl doch bitte mehr!

Ich konsumiere nur.

Versuchst du beim Bloggen eher objektiv oder besonders subjektiv zu sein?

Blogger haben den Luxus offen subjektiv zu sein. Wenn man ausgewogene News lesen will, soll man bitte auf ein Nachrichtenportal gehen.

Wie wichtig sind dir Zugriffs-Statistiken? Verratest du, wie viele User dein Blog monatlich besuchen?

In den letzten 30 Tagen waren ca. 9700 User auf meinem Blog. Ich checke regelmäßig meine Besucherzahlen, die seit einiger Zeit konstant sind. Besonders freue ich mich über Kommentare, die mir weitaus wichtiger sind.

Verdienst du Geld mit deinem Blog?

Ja. Aber es ist viel zu wenig um davon mein Auto zu tanken oder Miete zu bezahlen ;)

Was machst du, wenn du nicht bloggst?

Studieren, arbeiten, lernen, schlafen.

Was können Blogs in der Welt der Mode bewirken?

Viel. Dass Leute aus dem Printbereich so allergisch auf „uns“ reagieren, hängt deutlich mit dem Druck zusammen den wir auf sie ausüben. Wie oben angesprochen, haben wir das Privileg subjektiv zu sein, zu kritisieren. Mode ist ein höchst subjektives Empfinden, und endlich scheint das Ende des Trends da zu sein. Es gibt kein Monopol mehr, das von oben Trends diktiert, denen alle nachlaufen. Die Leute holen sich das aus dem Netz was ihnen gefällt und demokratisieren die Mode. Wenn Menschen wie Anna Wintour damit ein Problem haben, kann ich das verstehen. Es freut ja keinen, wenn man ihm das Brot wegfrisst.

Dein Lieblingslabel? Warum?

Gibt es nicht bzw. wechselt ständig. Momentan bin ich auf die erste Paris-Kollektion von Phoebe Philo gespannt.

Und dein Lieblingslabel aus Österreich?

Mühlbauer.

Dein Motto?

Der Weg ist das Ziel.

Vielen Dank für das Interview!