Gelungenes Experiment: Das erste Wiener FashionCamp

Vergangenen Samstag war’s  endlich soweit. Nachdem wir beim letzten allgemeinen BarCamp im Mai mit Erfolg eine Session zum Thema Mode gewagt hatten, wollten wir das Format diesmal für eine ganze Mode-Tagung nutzen.

Obwohl für viele Modebegeisterte neu, erwies es sich einmal mehr als bestens funktionierende Möglichkeit Wissen und Meinungen miteinander auszutauschen. Und im Auditorium im Wiener MUMOK herrschte den ganzen Tag eine angeregt angenehme und offene Atmosphäre.

Inhaltlich fand ich alle Sessions spannend und vor allem abwechslungsreich. Walter Lunzer gab – gleich in der Früh – eine sprichwörtlich lebendige Abhandlung seiner Diplomarbeit zum Thema Dresscodes zum besten. Nebenan widmete sich Strick-Guru Veronika Persché experimentellen Textilien.

Befragt, wie das Online-Kommunizieren mit dem Betreiben eines Fashionabels zusammengeht, erzählten in meiner Diskussionsrunde Julia Cepp (mija t. rosa), Claudia Lukas (Claudia Rosa Lukas, Austrian Fashion Net), Christian Moser (superated, samstag) und Moriz Piffl (Gebrüder Stitch), wie sie Website, Facebook, Blogs und co einsetzen, während im zweiten Raum über Nachhaltigkeit im allgemeinen und die Wearfair im besonderen gesprochen wurde. Zwischendurch stellten einige der Anwesenden spontan ihre Blogs vor.

Der legendäre Mario Soldo offerierte amüsante wie kritische Einblicke in die Wiener Modeszene der 80er und 90er Jahre von U-Mode bis IMOTA und ließ dazu reichlich Anschauungsmaterial wie gedruckte Einladungen – very old school ;-) – durch die Runde gehen.

Viki Krammer diskutierte die Technorati Studie State Of The Blogosphere 2009 und deren Relevanz für Fashionblogger und Sandra Konrad erklärte SEO (Search Engine Optimisation).

Derweilen gelang es Mary Scherpe mit dem nur 15-minütigen Vortrag Die Milchmädchenblogger eine wichtige und notwendige Diskussion auszulösen, deren aufklärerische Dimension leider einigen Anwesenden entgangen sein dürfte. Mehr dazu zum Beispiel hier oder hier.

Den Abschluss bildeten dann eine Dreier-Session, in der garmz, useabrand und EDITD ihre Fashionprojekte mit jeweils durchaus revolutionärem Potential diskutierten sowie die Session Bloggen als Karrieresprung, von der ich leider gar nichts mitbekommen habe, weswegen mir wohl auch keine große Bloggerkarriere mehr vergönnt sein wird.

Mit insgesamt rund 80 Teilnehmern und Teilnehmerinnen wird das FashionCamp übrigens  möglicherweise als erstes BarCamp in die Geschichte eingehen, bei dem mehr Frauen als Männer dabei waren. Und das nächste kommt bestimmt.

  • Weitere Postings über das Fashioncamp hat Maria gesammelt.
  • Links zu den Aufzeichnungen des Livestreams (by Luca) aus Raum A sowie Slides zu einigen Sessions sind hier zu finden.
  • Karola Riegler hat fast alles fotografisch festgehalten.

Foto: Karola Riegler

The Vienna Fashion Observatory: Workshop mit Mary Scherpe

Workshop zum Thema Streetstyle mit Mary Scherpe @ The Vienna Fashion Observatory

„Es ist dein Foto. Nimm dir die Zeit, die du brauchst.“ Klingt simpel, ist es aber nicht. Denn um überhaupt erstmal so weit zu kommen, muß ja die größte Hürde überwunden werden: eine unbekannte Person auf der Straße anzusprechen, um ihr Einverständnis für ein Foto zu bekommen. Und dann beginnt die wirkliche Arbeit.

Die Berliner (Streetstyle)-Fotografin und Modebloggerin Mary Scherpe lud gestern ins Vienna Fashion Observatory zum Foto-Workshop. Und das lief so: Mit neun anderen Interessierten wie etwa Michaela/Cooloutfit schwärmte ich nach kurzer Vorstellungsrunde gleich mal im Areal aus. Der Auftrag lautete, innerhalb von 15 Minuten mit mindestens einem, aus individueller Sicht brauchbaren Bild zurückzukehren.

Und schon erteilte mir ein vermeintliches Modell die erste Lektion: Es hatte nämlich keine Lust. „Nicht persönlich nehmen, einen schönen Tag wünschen und weiterschauen,“ so in etwa hatte Mary vorher gemeint. Der zweite Versuch mit einem Studenten aus Bulgarien gelang zumindest bis zu diesem Punkt ganz gut.

Eine verdammt kurze Viertelstunde später wurden dann anhand der Fotos verschiedene Aspekte der Bildkomposition und der jeweiligen Situation besprochen und Mary teilte mit scharfem Auge und viel Einfühlungsvermögen ihren reichen Erfahrungsschatz mit uns. Die besten Hinweise waren für mich dabei die einfachsten, denn genau darauf vergisst man so leicht in der Aufregung.

Dass der Hintergrund nicht zu sehr ablenken sollte, war ja noch klar. Dass man jemanden auch bitten könnte, ein paar Meter weit mitzukommen, um eine ruhigere Umgebung zu erzielen, kann schon wieder zur Mutprobe werden. Dass grelles Sonnenlicht ziemlich unvorteilhafte Schatten auf Gesicht und Körper erzeugen kann, ist auch nicht wirklich neu, wenn ich so an diverse, eher unfreiwillge Urlaubsverewigungen denke. Dass man das Modell zur Vermeidung derselben auch in den Schatten stellen könnte, hey, ja, das geht!

So gab’s im zweiten Durchgang viel an Fortschritten und neuen Erkenntnissen zu besprechen. Drei – ja wir haben überzogen – lehrreiche und unterhaltsame Stunden, die meiner Fotowand für The Vienna Fashion Observatory sicher gut tun werden.

Danke! Mary Scherpe ist noch bis Donnerstag zu Gast in Wien.

Blogs von Mary Scherpe: