Visions of Reality mit Filmkostümen und Mode von Julia Cepp

SHIRLEY. ROMY. LOTTE. Julia Cepp/mija t. rosa

SHIRLEY. ROMY. LOTTE. Julia Cepp/mija t. rosa

Tableaux vivants – lebende Bilder erfreuen sich scheint’s einer neuen Beliebtheit. Nicht immer überzeugt das flüchtige Genre jedoch so eindrucksvoll wie letzte Woche als Julia Cepp ihre Filmkostüme für Shirley – Visions of Reality nebst Herbst-Outfits ihres Labels mija t. rosa zeigte.

SHIRLEY. ROMY. LOTTE. Julia Cepp/mija t. rosa SHIRLEY. ROMY. LOTTE. Julia Cepp/mija t. rosa

Eingebettet in vier Filmsets, die derzeit in der Ausstellung zum Film von Gustav Deutsch und Hanna Schimek im Wiener Künstlerhaus zu sehen sind, funktionierte das Ganze noch einmal wie ein zweiter Film, wenn die Modelle sich achtsam und bewusst in verschiedene Posen brachten, von Versatzstück zu Versatzstück bewegten, gelassen und sicher die exakt choreografierten Szenen formten und den Blick in die Ferne, in eine nächste Ebene öffneten. Großartig.

SHIRLEY. ROMY. LOTTE. Julia Cepp/mija t. rosa

Fotos: Tschilp.com

Kostüme + Outfits:  mija t. rosa 
Choreographie: Stephanie Cumming
Musik: Christian Fennez + David Sylvian
Make-up & Hair: Michaela Haag
Darstellerinnen: Stephanie Cumming, Sara Lanner, Judith Neichel, Luzia Oppermann, Lisa Pavitschitz, Corinna Riesz, Carmen Schrenk, Carla Schuler, Marie Tappero

Stil! Monica Vitti in Antonionis „Il deserto rosso“

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Kennt ihr das? Sich selber zusehen wie in einem Film? Distanz, Entfremdung, innere Zerissenheit, davon erzählt Michelangelo Antonioni in seinem ersten Farbfilm „l deserto rosso“ 1964. Nachkriegszeit, Moderne, Industrialisierung, und mitten drin eine geradezu perfekte, neurotisch Zerissene, die zwischen ihrer gesellschaftlichen Rolle und elementaren Zweifeln schwankt: die großartige Monica Vitti, die sich durch eine extrem reduzierte, mitunter bewusst nervige elektronische Musik-Kulisse von Vittorio Gelmetti bewegt.

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Als Givenchy die Hepburn anzog

Givenchy hatte den Film angezogen. Damals war das noch sehr damenhaft, das war kurz vor Courreges, den Hippies und dem Minirock und den Jeans. Das ist noch – wie soll ich sagen – eine sehr konventionelle Welt mit einem sehr anständigen Humor.

Karl Lagerfeld stellt in seiner Kurzeinführung Charade, den Abschlußfilm der Arte Fashionweek in einen modehistorischen Zusammenhang.

Die anständige Dame trug damals (1963) unterwegs noch stets Hut und Handschuhe, Tasche und Pumps hatten selbstverständlich die selbe Farbe zu haben. Und der männliche Part des Filmpaares Audrey Hepburn und Cary Grant konnte ohne weiteres 26 Jahre älter sein als sie.

Charade (1963):
Stanly Donen (Regie), mit Audrey Hepburn, Cary Grant, Walter Mattau, James Coburn u.a.
Kostüm für Audrey Hepburn: Hubert de Givenchy

Fred Adlmüller Ausstellung 2009

Wenn man nach einer österreichischen Modetradition von internationalem Rang sucht, dann denkt man erst einmal an Helmut Lang. Ein bisschen vergessen ist dagegen der Couturier Fred Adlmüller. Er begann seine Karriere noch in der Zeit des Nationalsozialismus und feierte bis in die 70er-Jahre als klassischer Modeschöpfer mit nobler Klientele, die Opernball, Salzburger Festspiele und Cannes besuchte, auch international Erfolge. Als in Wien immerhin noch Reste einer – vor dem 2. Weltkrieg führenden – Filmproduktion bestanden, stattete Adlmüller etliche seichte Filmklassiker wie Frauen sind keine Engel oder Im Prater blüh’n wieder die Bäume mit Kostümen aus.

Sein Geschäft im Wiener Palais Esterhazy in der Kärntner Straße 41 mit dem eleganten, seine Zeit nicht verleugnenden Schriftzug „W. F. Adlmüller“ existierte noch mehr als 10 Jahre nach seinem Tod. Der Rettungsversuch des Wäscheunternehmens Palmers, den Namen als Marke in Form von Edelunterwäsche und Parfum weiterzuführen, scheiterte allerdings. Danach bot man in der Kärtnerstraße noch eine Zeit lang exklusive Labels wie Dior an und verkaufte schließlich den wertvollen Laden. Ein ähnliches Schicksal wiederholte Palmers übrigens etwas später mit dem feinen, alteingesessenen Modehaus Braun am Graben, welches das Verjüngungsexperiment mit High-End Designerbrands wie Celine, Valentino, Dior, Narciso Rodriguez ebenfalls nicht schaffte und nun H&M beherbergt.

Adlmüller wurde 1909 in Nürnberg geboren und starb 1989 in Wien. Sein Name lebt im testamentarisch verfügten Stipendium weiter, das StudentInnen der Universität für angewandte Kunst, deren Modeklasse er in den 70ern leitete, unterstützt.  Über die diesjährigen Preisträgerinnen Astrid Deigner und Christina Steiner hat Daniel Kalt für Austrian Fashion Net berichtet.

Nächstes Jahr ist Fred Adlmüllers 100. Geburtstag und 20. Todestag – und wie man hört, plant die Universität für angewandte Kunst eine umfassende Ausstellung. Vielleicht findet sich ja auch noch ein Investor, um den Namen, vielleicht den Duft der 50er-Jahre wiederzubeleben.