Event/Shopping: Vintage Salon Vienna

Vintage Salon Vienna
Öffnungszeiten Vintage Markt: FR, 14.09. & SA, 15.09. von 11 – 20 Uhr
Abendprogramm: jeweils ab 20 bis ca. 01 Uhr
Eintritt: tagsüber gratis, ab 20 Uhr: 5 EUR (Künstlerbeitrag)
Traditionshaus Gschwandner, Geblergasse 38, 1170 Wien

Abendprogramm
Freitag, 14. September: DJs Tiga Lily, Cab Canavaral & more, ca. 21:00 Tanz Baby! live, Burlesque by Scarlett Martini & La Veuve Noire
Samstag, 15. September: DJs DJ Como, The Beam & more, 20 – 21 Lindy Hop Introduction Workshop mit Sandra & Christian von Some Like It Hot, ca. 21 Uhr The Su’sis live, Burlesque Performances by Scarlett Martini & Monica di Montebello

 

Neulich in Berlin: Das Neue Schwarz Shop-Opening

Tanya Bednar ist so einigen WienerInnen vor allem durch ihre Arbeit als DJ (Tibcurl) und Clubveranstalterin (Icke Micke) ein Begriff. Dabei betreibt sie schon seit 2009 erfolgreich einen Secondhand und Vintagefashion Laden in Berlin. Was einst online only begann, fand nun nach einer Innenhof-Zwischenlösung endlich ein angemessenes Straßenlokal. Das Neue Schwarz eröffnete Anfang Mai in der Berliner Mulackstraße, einer eigentlich unscheinbaren, aber nichtsdestotrotz coolen Modemeile in Mitte, nur wenige Schritte von einschlägigen Nischen-Labels wie Wood Wood oder APC  entfernt.

 

APC gibt’s auch bei Das Neue Schwarz, nur günstiger, eben aus zweiter Hand. Wie etwa auch immer wieder Teile von Helmut Lang, Ann Demeulemeester, Bless, Martin Margiela oder Yves Saint Laurent. Namen, deren Image eher von einer intellektuellen und künstlerischen Klientel geschätzt wird. Das Konzept funktioniert so gut, dass man mit dem Fotografieren und Aktualisieren des Onlineshops nicht mehr nachkam und so gibt es  das Geschäft derzeit nur in echt.

 

Ganz billig ist die gute Ware freilich auch nicht, aber der handverlesene „Inhalt“ unterscheidet Das neue Schwarz erfrischend von der gehobenen Second Hand Landschaft in Wien, die mehr auf Klassik, Klunker und Glamour setzt. Und: In Berlin kaufen auch Männer anspruchsvolle (Second Hand) Mode. Andere Städte – andere Sitten, oder wie? Wir werden sehen, vielleicht kommt ja eine Wiener Dependance.

Fotos: Tschilp.com, Das Neue Schwarz

Fundstücke „Neue Mode“

Vintage Kleider aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind nun wirklich schon echte Raritäten geworden. Umso wichtiger ist es da, ein bisschen Quellenstudium zu betreiben. Das Antiquariat Ingo Nebehay widmet gerade seine Auslage Modebildern aus den 20er bis 40er Jahren.

 

Wer die Studienobjekte nicht unbedingt besitzen muss, ist natürlich in den Bibliotheken gut aufgehoben, etwa der Österreichischen Nationalbibliothek mit ihrer umfassenden Zeitschriftensammlung, siehe zum Beispiel hier. Das steht jedenfalls wiedermal auf meiner Liste…

Isabella Klausnitzer über Vintage

Die österreichische Lifestyle-Kolumnistin Isabella Klausnitzer schreibt seit vielen Jahren über internationale Modetrends und Stilfragen. Hier sind ihre Antworten zum Thema Vintage. (Das Interview entstand im Rahmen des Artikels Faszination Vintage  für AUSTRIANFASHION.NET.)

Flohmärkte als Party mit DJs, Swap-Events, Upcycling Workshops, Vintage- und Secondhand Shops – das Interesse an „alter“ Mode erfreut sich großer Beliebtheit. Wie erklären Sie sich das?

Vintage ist cool, weil einzigartig und aus dem Grund eben etwas Besonderes. Ich habe was, was du nicht hast und was auch niemand nachkaufen kann. Vintage suggeriert, ich habe Stil, Geschmack, hohes Insiderwissen, kenne mich aus und verfüge über eine Prise modischen Charme. „Alles neu und immer im Trend“ outet einen hoffnungslosen follower of fashion. Stil lässt sich mit keiner Kreditkarte der Welt kaufen, Tam (jüdischer Ausdruck für Stil und Geschmack) ist keine Handelsware.

Wie würden Sie Vintage definieren? Gibt es einen Unterschied zu Secondhand?

Unter Vintage versteht man in der Mode Kleidungsstücke aus namhaften alten Designerkollektionen, die vor 1980 gefertigt wurden. Sehr gefragt sind Designerstücke aus den 40er-, 60er- und 70er-Jahren, sehr begehrt Kreationen von Designerikonen wie Schiaparelli, Grès, Jeanne Lanvin, Cristobal Balenciaga, Halston, aber zum Beispiel auch Originale von Helmut Lang. In diesem Fall dürfen sogar die 80er noch als Vintage durchgehen.

Echte Vintagekleidung wird im Gegensatz zu Secondhand im Laufe der Jahrzehnte immer wertvoller und erzielt beim Verkauf das Vielfache ihres Neupreises. Vintage ist auch großes Thema am Red Carpet, auch hier signalisiert das Tragen von jahrzehntealter Couturekleidung Stil und Klasse.

Nicht Vintage ist eine auf gebraucht gestylte Pseudoretromode, mittlerweile sind ja sogar Kaufhausketten und Textilriesen auf den Vintagezug aufgesprungen. Auch Secondhandware der letzten 20 Jahre wird jetzt gern mit dem Attribut „Vintage“ veredelt, um höhere Preise zu erzielen. Und unter Retromode versteht man Mode mit nostalgischer Rückbesinniung auf vergangene Epochen.

Welche Rolle kann Vintage Mode im Styling spielen? Wo lässt sie sich am besten einsetzen?

Wenn man betonen will, dass man etwas von Styling versteht, dieser gekonnte Mix aus Alt und Neu.

Tragen Sie persönlich Vintage?

Ich bin ein großer Sammler und mische immer wieder gerne Alt und Neu.

Vielen Dank!

Mehr von Isabella Klausnitzer gibt’s z.B. auf Isa Trends.

Vintage die Zweite: Ingrid Raab, Inhaberin des Vintage-Shops FLO zum Thema

Ingrid Raab ist Vintage Pionierin der ersten Stunde. An den Auslagen ihres Geschäfts FLO habe ich mir schon vor mehr als 20 Jahren immer wiedermal am Rande nächtlicher Streifzüge durchs Freihausviertel die Nase platt gedrückt.

Das folgende Interview entstand im Rahmen der Arbeit an meinen Artikel Faszination Vintage  für AUSTRIANFASHION.NET.

Flohmärkte als Party mit DJs, Kleidertausch-Events, kreative Umarbeitungs-Workshops, Vintage- und Secondhand Shops – das Interesse an „alter“ Mode erfreut sich großer Beliebtheit. Was tut sich in Ihrem Geschäft, Frau Raab?

Nachdem ich seit 33 Jahren Vintage-Mode verkaufe, kann ich in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg der Nachfrage feststellen. Wobei man festhalten muss, dass die Wienerin eine vorsichtige Vintage-Kundin ist.

Es passiert mir immer wieder, dass Leute – von meinen Auslagen angelockt – mein Geschäft betreten und glauben, ich hätte neue Mode. Der Begriff Vintage ist vielen fremd! Erst nachdem ich erklärt habe, was Vintage bedeutet, wird das Interesse so richtig geweckt. Dann muss ich aber auch noch den Unterschied zwischen Secondhand und Vintage nachsetzen.

Wonach suchen Ihre KundInnen? Und was finden sie bei Ihnen?

Sehr gefragt sind Cocktailkleider aus den 50er bis 70er Jahren, auch glamouröse Abendmode. Designermode aus den 70ern und 80ern kann man in guter Auswahl finden und meine Kundinnen sind daran sehr interessiert.

Wie Vintage generell immer im Trend ist, denn die heutigen Designer holen sich die Anregungen für ihre Entwürfe ja bei der Mode von 1920 bis 1980. Präsentieren dann bei den Modeschauen ihre neue Linie „inspiriert“ von z.B. 1950 oder 1940 oder, oder…

Wie würden Sie Vintage definieren? Worin besteht für Sie der Unterschied zwischen Vintage und Secondhand?

Der Begriff Vintage wurde aus der Weinsprache (erlesene Jahrgänge) in die Modesprache importiert und definiert somit erlesene Jahrgänge der Mode. Was bedeutet, dass nur hochqualitative Ware von 1920 bis 1980 den Begriff Vintage verdient.

Damit grenzt sich Vintage deutlich von Secondhand ab. Vergleichbar mit Altwaren und Antiquitäten. Vintage sind Antiquitäten! Secondhand sind Altwaren. Darauf legen alle Vintageshops großen Wert!

Wo finden Sie ihre Schätze und was sind Ihre Kriterien beim Einkauf?

Meine Ware kommt nur aus privater Hand. Ich bin sehr wählerisch und nehme nur hohe Qualität. Bei mir findet man Vintage-Mode von Kopf bis Fuß von 1880 bis 1980.

Wie stellen Sie Ihr Sortiment zusammen?

Ich  lege Wert darauf, Vintage-Stücke mit jetzigen Teilen zu kombinieren, um so einen eigenen, ganz persönlichen Stil zu erstellen. Kate Moss  ist Vorbild für diese kreative Art des Anziehens.

So mixe ich auch in meinen Auslagen verschiedene Stile, um zu demonstrieren, wie man es auch anders machen kann. Mein Sortiment erstreckt sich von Modeschmuck aus der Zeit bis zu Handtaschen, Schuhen und Hüten. Mäntel, Jacken, Kostüme und Kleider sowie Abendmode. All das nach Farben sortiert und in perfektem Zustand.

Wo sind ihre Stücke in etwa preislich angesiedelt und wie ergeben sich die Preise?

Die Preise ergeben sich – wie bei den Antiquitäten – durch das Alter des Stückes. Je älter desto teurer. Was natürlich alles relativ ist. Ein Charlestonkleid von 1920 komplett mit Straßsteinen, Pailletten oder Perlen bestickt, in gutem Zustand, kann man so um die 2.000 Euro erwerben. Liebhaber können nicht mehr ganz perfekte Stücke aus dieser Zeit schon um 300 bis 500 Euro bekommen. Oder ein Abendmantel aus Seide von 1900 kostet in etwa 600 Euro.

Petticoat-Kleider aus den 50er Jahren kosten von 120 bis 200 Euro. Wintermäntel aus den 60er und 70er Jahren bekommt man schon ab 140, lustige Minis aus den 70ern biete ich ab 70 Euro an. Ein Designer-Kostüm z.B. von YSL kostet ca 300 Euro.

Tragen Sie persönlich Vintage und warum?

Ich mixe gerne Vintage-Teile mit meiner vorhandenen Garderobe –  so wie ich es  meinen Kunden empfehle. Nachdem ich nicht unbedingt ein Kleider-Typ bin, mache ich das vorwiegend mit Jacken, Mänteln, Schals, Schmuck und Schuhen aus den verschiedensten Epochen. Sehr gut stehen mir die Vierzigerjahre.

Vielen Dank für das Interview!

FLO Vintage – Nostalgische Mode
Schleifmühlgasse 15a, 1040 Wien