Katarina Noevers Kleider im Wien Museum

An den Kleidern wie Preisschilder befestigte Anhänger geben nähere Auskunft über Design, Material, Alter, Gebrauch – museale Stücke mit Inventarnummern sind sie jetzt geworden.

Insgesamt 187 Objekte hat das Wien Museum von Katarina Noever angekauft. Die heute 66 Jährige arbeitete im Wien der 60er und 70er Jahre als Model. Aus dieser Zeit stammt auch die aus Kleidung, Accessoires, Dokumenten und Objekten bestehende „Sammlung Noever“.

Mit dem späteren Direktor des Wiener MAK, Peter Noever, eröffnete sie die legendäre Section N, „Warenhandel für Umweltgestaltung“ und betätigte sich nach dem Verkauf des Designgeschäftes Ende der 80er Jahre im Musik- und Kunstbereich.

Wer sich nun eine große, der Mode gewidmete Schau vorstellt, wird allerdings enttäuscht, denn die letzte Woche eröffnete Ausstellung Mehr als Mode – Die Sammlung Katarina Noever ist recht klein ausgefallen. Und allzu Aussergewöhnliches sollte man sich auch nicht erwarten.

Vielmehr ist es vor allem hochwertige Alltagsmode, die auf gefühlten 100 Quadratmetern  im zweiten Stock des Wien Museums zusammen mit zeithistorischen Fotos dokumentiert wird. Aber auch aus heutiger Sicht eher unspektakulär wirkende Stücke, wie die sehr frühen, reduzierten, an Arbeitskleidung erinnernden Miyake Ensembles oder die inzwischen zu Klassikern gewordenen Strickmodelle aus der Zeit des internationalen Durchbruchs der Missonis vermitteln eine Andeutung davon, was damals in Wien als modische Avantgarde galt.

Interessant werden auf jeden Fall die Spezialführungen: Katarina Noever wird sicher einiges zu ihren so lange gut gehegten und gepflegten Kleidern zu sagen haben. Und auch von Ingrid Reder kann man erhellende Einblicke erwarten, war sie doch neben Christine Goessl Mitbesitzerin der Boutique Etoile (1962-2000), bei der Noever Kundin war. In den 80er und 90er Jahren betreute sie ausserdem die Studierenden der Modeklasse.

Mehr als Mode – Die Sammlung Katarina Noever
2. Februar bis 20. Mai 2012
Wien Museum, 1040 Wien, Karlsplatz
Spezialführungen:
Jeweils Sonntag, 16 Uhr
26. Februar 2012: Katarina Noever
25. März 2012: Ingrid Reder
15. April 2012: Ingrid Reder
22. April 2012: Katarina Noever

Verpasstes & Empfohlenes: Designer Sales & Kampf um die Stadt

Was jetzt kommt, ist ein kurzer Bericht darüber, wo ich in den letzten Tagen NICHT war, gefolgt von einem etwas mehr in die Zukunft gerichteten Tipp.

Nachdem ich mit Erkältung das Bett hüten musste, konnte ich meinem samstäglichen Konsumzwang nur virtuell frönen. Dass der H&M Rykiel Shop ganz schön düster und gruselig aussieht, fiel mir im Fiebertaumel erst gar nicht auf, inzwischen muss ich allerdings Blica beipflichten.

Die schönen Designer Sales im Heiligenkreuzerhof und bei Anna Aichinger konnte ich mir auch nur aus der Ferne ansehen, z. B. hier oder hier sowie hier. Und auch die Launchparty des neuen und wie ich finde sehr gelungenen Online-Gay-Magazins Vangardist musste ohne mich stattfinden, hier gibt’s Bilder.

Lederhose aus dem Besitz von Marlene Dietrich Damenmode der 20er und 30er Jahre

Gestern wagte ich mich wieder kurz ausser Haus und ins Museum: Und damit folgt jetzt eine Empfehlung, für die bis Ende März noch genug Zeit sein sollte,  nämlich die Schau Kampf um die Stadt.

Das Wienmuseum zeigt unter diesem Titel eine aufwändig gemachte, sehr umfangreiche Ausstellung rund um Politik, Kunst und Allltag im Wiens der 30er-Jahre.

Elektrische Friseurausstattung für Dauerwellen Werbeplakate der Innungen

Auch Mode und Körperästhetik kommen in vielerlei Facetten nicht zu kurz, und zwar nicht nur in den explizit dazu zusammengestellten Räumen, sondern auch in den vielen Bild- und Filmdokumenten, die das urbane Alltags- und Kulturleben wiedergeben.

Herrenschuhe, Sommer 1930

Bilder: Lederhose aus dem Besitz von Marlene Dietrich, Damenmode aus den 20ern und 30ern, elektrische Apparaturen zur Herstellung der beliebten Dauerwellen, Innungsplakate (Schneiderei, Kürschnerei), Herrenschuhe für den Sommer 30er Jahre.

Kampf um die Stadt – Politik, Kunst und Alltag um 1930
19. November 2009 bis 28. März 2010
Künstlerhaus, 1010 Wien, Karlsplatz 5
Rahmenprogramm (PDF)

Wien Museum: Spezialführungen mit Wiener Mode-DesignerInnen

Sommeranzug 1890, Bild: Wien Museum Jackenkleid 1908, Bild: Wien Museum Radfahrkostüm 1900, Bild: Wien Museum

Bilder: Wien Museum (Ausstellungsfolder)

Die drei Wiener Mode-DesignerInnen Claudia Rosa Lukas, Klaus Mühlbauer (Mühlbauer Hüte) und Anita Aigner (Schella Kann) geleiten heute Sonntag in Spezialführungen durch die Ausstellung Grosser Auftritt – Mode der Ringstraßenzeit im Wien Museum.

Die Schau bietet die seltene Gelegenheit rund 300 Exponate aus der umfangreichen Modesammlung der Stadt Wien zu sehen. Und man ist geneigt sich wiedereinmal zu fragen, wieso wir hier noch immer keine Modeinstitution haben, die sich langfristig den reichhaltigen Archivbeständen widmet und sie öffentlicher und aktueller Ausseinandersetzung zugänglich macht.

Großer Auftritt – Mode der Ringstrassenzeit
10. Juni 2009 bis 22. November 2009
Wien Museum, 1040 Wien, Karlsplatz
Dienstag bis Sonntag und Feiertag, 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Spezialführungen mit Wiener Mode-DesignerInnen
am Sonntag, 27. September

  • Claudia Rosa Lukas: 15 Uhr
  • Klaus Mühlbauer: 16 Uhr
  • Anita Aigner: 17 Uhr