Erfolgreich Modebloggen?

FashionCamp Vienna 2012, 8.u.9.September

Die liebe Anna, eine der Organisatorinnen des nunmehr dritten Fashioncamps (8.& 9.9.) hat mich vor einiger Zeit zur Diskussionsrunde Erfolgreich Modebloggen – Welche Erfolgskriterien hat ein Modeblog? geladen. Ich wäre auch sehr gerne gekommen, vor allem angesichts der illustren Gäste (David & Jakob/Dandy Diary, Katja Schweitzberger/LesMads, Kira Stachowitsch/Indie Magmaterial girlThe Pet Fanclub, Monki Magazine) und der fachkundigen Moderation von Anne Feldkamp, aber der runde Geburtstag meiner besten Freundin hat diesmal Vorrang. Vielleicht kann ich ja einen kleinen Beitrag leisten, indem ich hier ein paar Fragestellungen zum Thema anbiete:

Erfolg bedeutet ja für jede etwas anderes und hängt sehr stark mit persönlichen Zielsetzungen und Erwartungshaltungen zusammen. Eine Binsenweisheit? Genau, aber wichtig, wenn man über das Thema sprechen will.

So kann Erfolg zum Beispiel heißen, es überhaupt zu tun. Ein Blog einzurichten, eventuell sogar selbst zu hosten, sich die erforderlichen Multimedia-Fertigkeiten anzueignen, das Ganze mit einer gewissen Regelmäßigkeit zu befüllen und in ein Netzwerk zu integrieren, Kontakte zu knüpfen, Spaß zu haben…

Ein Blog lässt sich aber auch als Profilierungsplattform nutzen, also dazu über veröffentlichten Content Glaubwürdigkeit und Anerkennung in einer bestimmten Szene aufzubauen. Oft können darüber längerfristig Aufträge und Projekte lukriert werden. Oder Einladungen zu Shows, Openings, Previews und dergleichen. Der Tweet „Huch, sitze gerade bei der XY-Show neben YZ in der Frontrow,“ klingt doch schwer nach Erfolg.

Marketingleute wie ich denken meist automatisch ans Messen: Visits oder besser User – wenn geht Unique User – per Zeiteinheit (etwa pro Monat), Google PageRank, Alexa Rank usw., also Indikatoren, die auf Reichweite schließen lassen. Solche quantitativen und scheinbar exakten Kennzahlen spielen natürlich eine Rolle, wenn es um Werbebuchungen und Advertorials geht, schließlich muss ich als Auftraggeberin ja beurteilen können, ob ein Werbeträger überhaupt in der Lage ist, soviele Impressions auszuliefern wie ich brauche um meine Zielgruppen zu treffen. Wer also an Monetarisierung mittels Werbung oder diverser Kooperationen denkt, sollte seine Zahlen kennen und Erfolg damit darstellen können.

Erhebt sich die Frage: Wer nutzt das betreffende Blog überhaupt? Und wie? Welche Art Inhalt kommt an? Und bei wem? Darüber wissen wir meist wenig. Klar, wer sich keine systematischen Erhebungen leisten kann, ist auf Rückschlüsse aus Gesprächen, Blogkommentaren, Likes, Fans, Followers und Tools wie etwa Klout angewiesen. Und so kommt es, dass große Unternehmen da oft den besseren Überblick haben. Etliche Listening und Monitoring Tools wurden da entwickelt, und Agenturen beschäftigen sich zunehmend damit Sentiment, Engagement etc. via Social Media zu eruieren und Key-Influencers aus der vielfältigen Blogosphere herauszufiltern. Relevanz ist hier das maßgebliche Kriterium.

Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass in der Diskussion nicht ausschließlich Kriterien zum monetären Erfolg thematisiert werden. Was ist aus der Idee mit vergleichsweise einfachen Mitteln eine eigene Meinung zu publizieren, die durchaus ein konträres Bild zur weit verbreiteten Hofberichterstattung entwerfen könnte, geworden? Und wie schätzen die AkteurInnen der Mode-Blogosphäre heute das entsprechende Erfolgspotential ein? Dazu gibt’s ja dann hoffentlich viele Anregungen in der Abschluss-Session am Sonntag Bloggerszene: Was fehlt, ist Mut!

PS: Ich hoffe immer noch auf einen Livestream!

FashionCamp Vienna
8. und 9. September 2012
The Hub Vienna
Lindengasse 56, Top 17-18 (Hofeingang), 1070 Wien

Fashionable Queens: Interview mit Initiatorin Monika Seidl

Das wissenschaftliche Symposium Fashionable Queens. Body, Power, Gender ist bereits in vollem Gange. Und seit gestern gibt’s auch ein Interview, das ich mit Intiatorin Monika Seidl für AUSTRIANFASHION.NET geführt habe online.

Monika Seidl bietet als Professorin am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Wien schon seit einiger Zeit Lehrveranstaltungen mit Bezug zu Mode und Dresscodes an und erzählt über das Symposium sowie die Bedeutung von Mode in der Gesellschaft.

Fashionable Queens. Body – Power – Gender
Internationales Symposium
Campus der Universität Wien, Hof 8, Institut für Anglistik (Unterrichtsraum)
Spitalgasse 2-4, 1090 Wien
Freitag, 3. Dezember 2010, 9:30 bis 18:30 Uhr
Samstag, 4. Dezember 2010, 10 – 18 Uhr

Internationales Symposium: Fashionable Queens

Darauf freue ich mich schon: Monika Seidl (Institut für Anglistik) und Eva Flicker (Institut für Soziologie) laden Anfang Dezember zum Symposium Fashionable Queens.

In der interdisziplinären Tagung wird es um das Königliche in der Mode aus kulturwissenschaftlicher und soziologischer Sicht gehen – nicht unbedingt historisch betrachtet, sondern um Formen von Herrschaftsinszenierung, Jet-Set Queens, First Ladies oder auch „Star“-Modeblogger.

Wir haben Kultur- und Sozialwissenschaftlerinnen hauptsächlich aus Grossbritannien (St Martins College, Victoria and Albert Museum, London College of Fashion) und auch aus dem deutschsprachigen Raum eingeladen (Konferenzsprache ist Englisch), aber der Österreichbezug kommt nicht zu kurz: Die Modeschöpferin Susanne Bisofsky wird unsere Tagung mit Installationen begleiten, Irene Weinfurter wird Slowfood servieren und Stephan Hilpold vom Standard wird einen Vortrag halten.

Monika Seidl

Das klingt nach feinem Futter für Kopf, Bauch und Herz.

Fashionable Queens. Body – Power – Gender
Internationales Symposium
Campus der Universität Wien, Hof 8, Institut für Anglistik (Unterrichtsraum)
Spitalgasse 2-4, 1090 Wien
Freitag, 3. Dezember 2010, 9:30 bis 18:30 Uhr
Samstag, 4. Dezember 2010, 10 – 18 Uhr

Barcamp Wien: 29. & 30. Mai 2010

Dieses Wochenende findet wieder ein großes Barcamp in Wien statt. Nach meinen ersten Barcamp Erfahrungen 2007 und 08 und Erfolgs-Storys von verschiedenen themenspezifischen Mini-Barcamps dachte ich immer wieder darüber nach, wie extrem spannend und produktiv so ein qualitativ hochwertiges Treffen auch für Modeleute sein könnte. Die Zeit war aber nicht reif.

Ich bin immer noch überzeugt davon, dass aus engagierten Kollaborationen zwischen Akteuren aus der  Mode- und Onlinewelt mehr entstehen kann als aus irgendwelchen halbherzigen, geförderten Marketingworkshops. So freut mich besonders, dass es auch erstmals Anmeldungen aus der Fashionblogosphere gibt.

„Wie das Internet die Modewelt auf den Kopf stellt“ könnte eine richtig spannende Session werden – vielleicht sogar mit ein paar spontan entwickelten Breakout-Sessions, denn die Location (Microsoft, Am Europlatz 3, A-1120 Wien) wäre dafür ja bestens geeignet. Ich bin jedenfalls dabei.

Übrigens wird es als Giveaway und nette Erinnerung wieder die feinen, schwarzen Bambus-Shirts mit schön dezentem, zweifarbigen Logodruck geben.

Ein Modesymposion. Rückblickend betrachtet.

Fragen, die vielleicht 2009 beantwortet werden können...

Die Nachbarschaft übt draußen Böllerschießen, in meinem Feed-Reader tummeln sich seit Tagen alle möglichen und unmöglichen Best-of-Listen, und der Jahresrückblick von Austrian Fashion Net erinnert mich gerade an ein Modesymposion, das im November in Wien stattfand.

Ich war da, fand aber keine Zeit, und eigentlich auch keine Worte, um darüber etwas zu berichten. Unter dem Titel „FASHION – And How To Sell It“ hatten die veranstaltenden Förderinstitutionen departure und Unit F eine vielversprechende, ambitionierte Zielsetzung angekündigt:

Um funktionierende Konzepte zur Verbesserung der Handels- und Vertriebssituation in Österreich entwickeln zu können, sollen anhand internationaler Best Practice Beispiele (…) die unterschiedlichen Vertriebs- und Verkaufswege von zeitgenössischem Modedesign analysiert und in Folge Erkenntnisse im Bezug auf ein entsprechendes Modell für den österreichischen Markt gewonnen werden.

Geboten wurde eine mittel interessante Zusammenstellung von Vortragenden aus der Retail- und Agenturpraxis (Sales, Presse, Styling, Messe- und Showproduktion oder auch alles in einem) die vor allem ihre eigenen Unternehmenserfolge ins Licht stellten.

Die Perspektive des Einkaufs fehlte völlig. Hier wären z.B. VertreterInnen eines der großen Department Stores mit Avantgarde-Sortiment wie etwa Barneys New York oder Selfridges London, renommierter Konzeptstores wie Colette, Maria Luisa, Browns – vom asiatischen und arabischen Markt ganz zu schweigen – sehr aufschlussreich gewesen.

Daten über Marktpotentiale, Einblicke in innovative Geschäftsmodelle, Methoden zur Erfolgsmessung oder Umsatzzahlen wurden nicht besprochen.

Und hätten da nicht Moderatorin Doris Rothauer und der Schmuckdesigner Florian Ladstätter dankenswerter und hartnäckiger Weise immer wieder nachgefragt, wäre wohl überhaupt keine einzige Zahl genannt worden.

Jetzt wissen wir immerhin, dass Pressegrundbetreuung abhängig vom abgedeckten Markt schnell mal mehrere 1000 Euro im Monat kostet und globale Unternehmen wie LVMH oder die Gucci-Group eindeutig im Vorteil sind. Nona.

Worin nun die Vorteile, also das  Funktionieren der gezeigten Modelle im Hinblick auf eine fruchtbringende Weiterentwicklung des österreichischen Modeschaffens  zu sehen wären, blieb leider zu vage.

Promotion Proposal London/Vienna Promotion Proposal London/Vienna Promotion Proposal London/Vienna

Einzig der Brite Paul Hetherington setzte sich in seinem Vortrag direkt mit der österreichischen Modeszene auseinander. Anstatt über das Online-Mode-Netzwerk Showstudio, das er seit der Gründung als Creative Director maßgeblich mitgestaltet, zu sprechen, schenkte er den rund 200 anwesenden ModedesignerInnen, -interessierten und Förderinstitutionen gleich ein ganz konkretes Promotion-Konzept:

Das als 3-Jahresprojekt vorgeschlagene Zusammenspiel gespiegelter Showrooms mit Event-Schiene in London (Zielgruppe: Medien) und Wien (Zielgruppe: Endkunden) wirkte schlüssig und könnte enormes Potential entwickeln. Eine schöne Aufgabe für den Jahresbeginn 2009 wäre, das Konzept an kompetenter Stelle einmal in mehreren Varianten durchzurechnen – und nicht im Sande verlaufen zu lassen.

Etwas Hintergrundinformation über Showstudio hätte freilich auch nicht geschadet. Denn über die teilweise erschütternde Unbedarftheit im Bereich Internet bis hin zum fast völligen Fehlen strategischer Onlinekonzepte musste ich mich angesichts eines doch recht nach Avantgarde duftenden, extra eingeflogenen Podiums in Zeiten von Net-A-Porter, Etsy oder Catwalkgenius – um nur 3 Beispiele herauszupicken – schon sehr wundern.

Unter Medienarbeit verstanden sowohl Rike Döpp (Sales-Agentur V, Berlin) als auch Thibault Pradet (Cristofoli Press, Paris) selbstverständlich Print, gemessen wird immer noch an der Anzahl von Clippings.

Den Vogel schoß aber Vidya Narine (Le New Black, Paris) ab, die auf die Frage, was an Research für ihren Online-Order-Showroom betrieben wurde, antwortete: „I had an illumination.“ Mehr fiel ihr dazu nicht ein. Und so in etwa sah die gezeigte Shopoberfläche auch aus.


Am 12.11. fand im Wiener MAK ein Mode-Symposion mit dem Titel „FASHION – And How To Sell It“ statt. Zu Gast waren:

Lennart Jondral, berlinerklamotten, Berlin (D)
Kalle Tollmar, +46, Stockholm (S)
Rike Doepp, Sales-Agentur V, Berlin (D)
Thibault Pradet, Cristofoli Press, Paris (F)
Paul Hetherington, SHOWstudio, London (GB)
Vidya Narine, LE NEW BLACK, Paris (F) Moderation: Doris Rothauer (A)
Veranstaltet von departure, unit-f, in Kooperation mit Austrian Fashion Net.