American Apparel kommt nach Wien

American Apparel, kurz AA, habe ich vor rund fünf Jahren in New York entdeckt: Einmal als weitverbreitetes Basismaterial für die feinen T-Shirt-Artists der Lower East Side und dann durch einen AA Store irgendwo dort in der Gegend, wo alle Basics pur zu haben waren. Nach Farben und Styles sortiert gab es da unglaublich viele Varianten von T-Shirts, Sweatern, Wäsche, Babystramplern und Hundekleidung. Irgendwie erinnerte mich das an die Anfänge von Benetton.  Heute könnte ich nicht mehr sagen, wo das damals genau war, denn alleine in Manhattan gibt’s inzwischen 12 Filialen und noch 3 “opening soon”.

Das mittlerweile börsenotierte Unternehmen mit Sitz in Los Angeles leitet der umstrittene und als politisch unkorrekt geltende Gründer Dov Charney, der sich selber gerne als Rebell vermarktet. Bewußt provokative Werbesujets (z.B. mit Pornodarstellerin Lauren Phoenix aber auch Laienmodells von der Straße) arbeiten mit einem unprätentiösen, manchmal an Terry Richardson erinnernden Stil und leben von erotischen Anspielungen. Die Bilder polarisieren – und schon wieder muss ich an Benetton denken, an die Strategie (weniger den Stil) der vieldiskutierten und teilweise zensurierten Kampagnen von Oliviero Toscani.

American Apparel Inserate, Bild links via copyranter, rechtes Bild via gawker

Zusammen mit der Kampagne Legalize LA, die sich für die Rechte von ImmigrantInnen einsetzen will, oder den zumindest für US-amerikanische Begriffe besonders sozialen Arbeitsverhältnissen unter dem Motto “sweatshop free” -  hat sich AA eine massentaugliche Street-Credibility sondergleichen geschaffen. Darüberhinaus werden so gut wie alle Onlinekanäle von Second Life bis Facebook gekonnt zur Kommunikation eingesetzt, Firmenblog sowieso.

Und dort wird jetzt auch nach Personal für Wien gesucht, denn der erste AA Shop kommt in die Stadt. David vom Sneakerparadies Zapateria hat’s gestern als erster entdeckt.

Coming soon: American Apparel, Mariahilferstraße 22-24, 1070 Wien, Foto: David, Zapateria

Wie sweatshop free das umfassende Sortiment an Freizeitbekleidung aus dem Hause AA wirklich ist, scheint nicht so ganz transparent zu sein:

Laut Geschäftsunterlagen bezieht der Konzern rund 70 Prozent der fertigen Stoffe von Drittanbietern, ebenso werden zwei Drittel der Ware von anderen Firmen gefärbt. Zwei entscheidende Prozesse der Herstellung – das Weben der Baumwolle und das Färben der gewebten Stoffe – sind also überwiegend ausgelagert.

Zitat aus: brandeins 2/2008 (PDF)

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9 Responses to American Apparel kommt nach Wien

  1. christian sagt:

    na das sind ja jetzt mal gute nachrichten! obwohl ich mich erst im juni wieder mit AA sachen eindeckte, bei dem $$-kurs noch dazu ein schnäppchen.

  2. melanie sagt:

    hat mich eh gewundert, dass das so lange gedauert hat :) hoffe, die preise sind ok und die auswahl gross.

  3. Michaela sagt:

    @ christian: hm, so guenstig wirds hier wohl nicht…

  4. David sagt:

    Toller Beitrag, vor allem da ich den Brand Eins Beitrag noch nicht kannte.
    Ich persönlich freue mich auf AA, auch wenn ich deine Bedenke natürlich absolut teile.
    Andererseits verkaufe ich ja auch schon Sneaker Made in Asien

  5. DNL sagt:

    vice österreich war ja übrigens bis vor kurzem die einzige vice-mutation ohne AA-werbung auf der umschlagseite. seit juni 08 ist das anders. nachtigall, ick hör dir trapsen!

  6. scara sagt:

    wow, das sind ja sehr erfreuliche nachrichten. das bestellen beim online-shop ist so dermaßen nervenaufreibend und dauert ewig… einfach mal schnell in die mariahilfer ist da natürlich viel einfacher!

  7. oylum sagt:

    also billig wird das ganze ganz sicher nicht werden. schon die preise beim online-shop sind ganz schön pricy …

  8. Anna sagt:

    american apparel öffnet ja angeblich diesen samstag. ich bin schon gespannt :)

  9. Pingback: Wendy & Jim & Hell | Tschilp

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