Gestern bei Elke Krystufek

Samstag, wie immer freier Eintritt im MAK, und ich hab nachmittags nichts vor. Nach der Redaktionssitzung im Café Engländer beschloß ich quasi im Vorübergehen, die aktuelle Ausstellung  zu besuchen. Gut gekleidet und hübsch anzusehen zu sein, ist ja doch zu wenig. Um sich einen Mann zu angeln zu können, sollte frau auch Kulturelles aufwarten können…

Gezeigt wird Krystufeks Kunst (LIQUID LOGIC) im Spannungsfeld zu Exponaten der historischen Sammlung des MAK, von der Künstlerin gemeinsam mit den MAK-Kustoden ausgesucht. Sie entstammen aus der Zeit des Jugendstils und der Wiener Werkstätte, aber auch japanische Federzeichnungen, Kamasutraähnliche Leporellos und indische Gottheiten mit unzähligen Armen sowie alten Schmuck gab es zu bestaunen. Dazu haucht sie dem Mythos um den holländischen Künstler Bas Jan Ader, in den 70ern verschwunden, neues Leben ein (Er feiert Auferstehung als Heldin und Künstlerin auf der Osterinsel.). Und die berühmte Frankfurter Küche wird durch einen Nachbau der eigene Koch(- und Mal)stätte ersetzt.

Mein zehnjähriges Kind musste mich mangels Alternativen durch die Exhibition begleiten und zeigte sich so gar nicht begeistert ob der zahlreichen Penisse und Vaginas. (Kann natürlich am Alter liegen, dass er die historischen  Möbel, Schnitzereien, Scherenschnitte und Stoffe viel schöner und cooler! fand.) „Das ist doch echte Handarbeit!“ lautete sein Resumee. Ich dagegen muss gestehen, den Einfall, alte Kunst in den Kontext zeitgenössischer zu stellen, halte ich für genial. Und die gemalten, geschnitzten Geschlechtsteile wie auch die Fotoporträits von Elke, die sie teilweise nackt zeigten, gefielen mir. (Ich spüre hier die verwandte Seele in Sachen Exhibitionismus.). Machen sie doch den Rezipienten zum Voyeur!

Die von Krystufek entworfenen Modeteile finden dagegen so gar nicht mein Wohlwollen. Ausgestellt waren eine Mütze aus gewalktem Wollstoff, ein wenig lang ähnlich einer Bischofsmütze geraten, in den Farben weiss, orange und rot. Dazupassend eine Jacke in derselben Farb- und Stoffauswahl. Beides für mich gut verzichtbar, sicher schau ich ultra fett darin aus! Trotzdem, die verschämten Blicke der gut, lässig bis konservativ gekleideten männlichen Vierziger und Mittfünfziger möchte ich nicht missen. Danke Elke!

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