Blickfang Messe Wien 2008

Die Blickfang 08 öffnete gestern im MAK ihre Tore. Die Designmesse für Möbel, Schmuck und Mode hat sich inhaltlich stark weiterentwickelt. Was anfangs da und dort an einen besseren Weihnachtsbazar erinnerte, gerät jetzt dank gelungener Vernetzung und wichtiger Kooperationen zu einer aufmerksamkeitsstarken Publikumsmesse, bei der das Schauen und Konsumieren Spaß macht.

Im Modeteil ist Avantgarde nach wie vor nicht das, was man sich erwarten kann, aber die Labels zeichnen sich durchgängig durch einen hohen qalitativen Anspruch aus.

Blickfang Opening-Show: PIRATIN, Wien

Blickfang Opening-Show: Erika Eibl, Salzburg (Fashion), Mona Moore, Wien (Jewellery)

Blickfang Opening-Show: Luisa Clare, Sydney

Blickfang Opening-Show: Bittenstetter, Hamburg

Blickfang Opening-Show: Liniert, Pia Mia, beide Wien

Blickfang Opening-Show: Daniel Kroh, Berlin

Ein Dreamteam rund um Hannah’s Plan setzt die Fashionshows in Szene (heute Samstag nochmals um 18.30 und 20.30 zu sehen!). Ken Krüger (Styling und Choreographie) weiß einfach, was gutes Posing ist, und die Haare habe ich schon lange nicht mehr so schlüssig gesehen wie hier (von propaganda).

Meine persönlichen Mode-Highlights: Piratin aus Wien, weil’s so schön bunt ist und Daniel Kroh aus Berlin, weil er mit Rezykliertem und Versatzstücken der Herrenmode meisterlich umgeht. Weiters zu sehen: Erika Eibl, Mona Moore, Liniert, Pia Mia, Claudia Güdel, Gina Drewes, Nix, goyagoya, Bittenstetter, Luisa Clare.

Meine neuen Home-Utensilien: Detail aus dem Geschirrtuch von b:witch’d und Serviertablett von MATRIX

Nach der Eröffnungs-Show habe ich dann die meiste Zeit wieder einmal bei Fabia von MATRIX aus der Schweiz verbracht. Sie erfindet Muster, Farben und Techniken für ihre Foulards, Schals, Kuschelhauben und Serviertabletts mit eingepressten Stoffen immer wieder neu.

Ihr zuzusehen, wenn sie persönlich ihre Stücke vorführt, ist ein besonderes Vergnügen, das schon viele Fans gefunden hat. Am selben Stand gibt es auch die unterhaltsamen, praktischen Anleitungen im linearen Infografik-Stil, die Agathe Kern unter dem Label b:witch’d auf Küchentücher druckt.

Blickfang 08
17. – 19. Oktober 2008
MAK, Weiskirchnerstrasse 3, 1010 Wien
Öffnungszeiten: FR 12 – 22 Uhr, SA 12 – 22 Uhr, SO 11 – 20 Uhr

Nachlese: Club Prominier Modenschau im WerkzeugH

Was Miuccia Prada kann, das können wir schon lang. Unter dem Motto stand wohl die erste Kollektion des brandneuen Labels „blaspheme“. Mit viel Spitze, Transparenz und heftig vom Original (Prada Fall/Winter 2008, vgl. z.B. hier) inspirierter Linienführung betreibt man hier frech „Gotteslästerung“. Wie soll das bloß weitergehen? (Da wird wohl in Ermangelung einer Website ein Interview fällig…)

Am Anfang der gut gemachten und kurzweiligen Fashionshow des Club Prominier hatte letzten Freitag im WerkzeugH Martina Salner aka Ready-made ihre klaren, fast klassischen Ensembles gezeigt. Die bloß auf den ersten Blick simpel anmutende Farbzusammenstellung Rot und Blau wird auch im kommenden Sommer noch wichtig werden. Rating: Kaufen! (Z.B. auf der Blickfang Wien)

Von Pia Mia waren spannungsreiche Materialkombinationen von glänzende Satins mit matten Materialien zu sehen, sehr weich und fließend. Die Schnitte erinnerten mich manchmal leider ein bißchen an die madamigen Teile der Zaras und Mangos unserer globalisierten Welt. Aber das spricht ja ganz und gar nicht gegen den Geschäftserfolg.

Den Abschluß bildeten Edith A’Gays perfekt produzierte Kreationen mit vielen Hängerchen in allen möglichen Längen, auf denen die voluminösen Schmucktücke von AND_i bestens zur Geltung kamen.


Insgesamt eine runde Veranstaltung mit charmanter Moderation (Paul Lohberger, Club Prominier), interessanter Damenmode made in A (einzig bei Pia Mia war ein Mann am Catwalk zu sehen) und guter Inszenierung (Michael Meinhart, Audioroom). Nur das Licht fand ich – vor allem fürs schlichte Schnappschießen – nicht ganz optimal.

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8 Fragen an Maronski

Das Modeviertel im 7. Wiener Bezirk bekommt Zuwachs. An sprichwörtlich erster Stelle, nämlich in der Lindengasse Nummer 1 eröffnet MARONSKI am 13. September Atelier und Shop. Martina Meixner produziert unter dem Namen MARONSKI seit 2006 urbane Mode für starke Frauen.

MARONSKI, Herbst/Winter 08/09, Foto: MARONSKI

Im Juli stellte sie ihr Label auf der internationalen Fachmesse Bread and Butter in Barcelona vor. Für unsere Interview-Serie hat Martina Meixner unsere 8 Fragen beantwortet:

Wer ist MARONSKI?

Hinter MARONSKI stehe ich, Martina Meixner.

Woher kommt MARONSKI?

Ich persönlich komme aus Mödling. MARONSKI von wesentlich weiter her: Der Name wurde von einer karibischen Volksgruppe, den „maroons“ abgeleitet, deren Anführerin im 18. Jahrhundert gegen die englische Kolonialmacht siegreich war und heute als jamaikanische Nationalheldin gefeiert wird.

Dementsprechend entwickelt MARONSKI Kleidung für starke Frauen, die sich ihren eigenen Weg erkämpfen.

Wo will MARONSKI hin?

Mein Lebensmittelpunkt soll Wien bleiben, hier habe ich meine Netzwerke aufgebaut. MARONSKI will aber über die Grenzen hinaus, nach der Teilnahme an der Bread & Butter im Juli dieses Jahres sind die ersten Schritte für internationale Auftritte gesetzt.

Was unterscheidet MARONSKI von anderen Labels?

Ich hole mir die Inspiration für meine Entwürfe am Liebsten an belebten urbanen Orten, ich beobachte Menschen gerne und achte darauf was es bei mir auslöst…
Meine Modelle sind also immer von einer sehr persönlichen Stimmung geprägt.

Wie finanziert sich das Label, wie kann man sich internationale Präsentationen wie etwa Bread and Butter leisten?

Ich finanziere das label zum Großteil durch Verkauf, Teilnahme an Modemessen wie den Modepalast, Blickfang, Modezone in Linz etc.

Für die erfolgreiche Teilnahme an der Bread & Butter spielten zwei wichtige Faktoren mit: zum Einen die Förderungen durch WKO, BMUKK und Wien Tourismus.

Zum Anderen haben wir (das sind 8 Designer) uns zusammen getan und den Vienna Showroom gegründet. Das ist eine offene Plattform für Designer mit dem Ziel bei internationalen Messen gemeinsam aufzutreten und so mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Wie sehen Sie die österreichische Modeförderung?

Schwieriges Thema… Ich denke, wenn man international arbeiten will, ist die Modeförderung für Wiener Designer – vor allem im Vergleich mit anderen europäischen Städten – ganz gut. Ansonsten ist die „Förderszene“ schwer zu durchschauen.

Was fällt Ihnen  zu „Mode in Wien“ ein?

Sehr facettenreich und lebendig. Dank Modepalast können sich Modeinteressierte auch jedes Jahr ein gutes Bild von der Szene machen!

Was sollte sonst noch unbedingt über MARONSKI gesagt werden?

MARONSKI eröffnet am 13. September in der Lindengasse 1, 1070 einen Shop mit integriertem Atelier. Verkauf jeden Fr 14.00 – 20.00 Uhr und Sa 10.00 – 17.00 Uhr!

Danke für das Interview!

Die Blickfang Messe war wieder da

Luxusbrands wie Christian Lacroix, Marc Jacobs, Gucci und co stellen ihre eben erst gezeigten Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2008 inzwischen selbst ins Netz. Sie haben erkannt, dass sich Brands nur im Dialog entwickeln lassen, dass sie so oder so mit Fälschungen leben müssen und dass sie von Kopisten wie Zara, Mango, H&M sogar noch profitieren können.

Blickfang Messe Wien 2007: Bar im 1. Stock des MAK

Nicht so einige der aufstrebenden Designerinnen, die bei der heute zu Ende gegangenen Blickfang Messe im MAK sich selbst und ihre Waren präsentierten. So ist Sandra Gilles, die sich äusserst argwöhnisch nach dem Hintergrund meiner mittels Minidigitalkamera gemachten Fotos erkundigte, allen Ernstes überzeugt davon, dass sie damit etwaigem Ideenklau entgegenwirken könne. Sandra Gilles produziert edle Wäsche und feine Bekleidung in Kleinserien. Und zwar eigenhändig in ihrer wunderschönen petite boutique. Klar, das ist harte Arbeit, aber – nichts für ungut – bei so viel Angst wäre im Zeitalter von Fotohandys wohl eher zu überlegen, öffentliche Publikumsmessen zu meiden.

Sandra Gilles Himmelbett-Stand mit edler Wäsche Sandra Gilles Stand

Hier noch eine kleine Auswahl interessanter Stände der wieder sehr kommerziell kunsthandwerklich orientierten Modeabteilung auf der Blickfang:

Todschick: Pflaster mit funkelnden Swarovski-Steinchen von Fabian Seifert Sehr cool: Hauben mit Brille oder Kopfhörer aus Strick von Nina Führer

Fabian Seibert alias Suelzkotlett zeigte das extrem schicke Communicator Swarovski Bling Plaster und Nina Führer ihre coolen Sonnenbrillen- und DJ-Strickmützen.

Alle tragen Wabisabi. Selbernähsets von Chamue Paula von Chamue

Stefanie Wippel alias Wabisabi näht gekonnt einfache, uni-farbende Kleider, Blusen, Shirts und Hosen, und Kathrin Draeger alias Chamue fordert mit ihren entzückenden Nähsets gleich zum Selbermachen auf. Röcke, Kinderkleidchen, Stofftiere zum Selberbauen wie die Hunde „Herr und Frau Müller“ und mein Liebling Paula, ein freundliches Nilpferd mit musikalischem Innenleben fügen sich zum stimmigen Bild.

Hosen mit Pixelmuster von Natalie Ofenbock Hetzendorf Ecke: Natalie Ofenbock

Im Eck der Modeschule Hetzendorf erinnerte Natalie Ofenbock mit Pixelstrick – das scheint heuer ein weit verbreitetes Thema zu sein – an die C64 Spiele der 80er-Jahre.

Stand mit Schatzkammer von Matrix Fabia Zindel (in Schwarz) umgeben von ihren Schätzen

Und am preisgekrönten Stand von Matrix öffnete Fabia Zindel wieder die tausend Laden ihres Schatzkastens voller eigenwilliger Muster in Form von absolut hochwertigen Foulards, Schals, Hauben und Pulswärmern, die demnächst auch im MAK-Designshop erhältlich sein werden.

Blickfang: Kommerz & Fadesse

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Innovatives zu sehen, sollte man sich nicht erwarten, wenn die Blickfang durch Wien tingelt. Von Filz und Holz geprägt, wirken viele handwerkliche oder in Kleinserie hergestellte Produkte recht ordentlich gemacht. Und das war’s dann auch.

Möbel oder Mode: so ziemlich alle Stücke sind trag-, brauch-, mach- und leistbar – auch einigermaßen originell, aber eben immer im Rahmen, brav und mehrheitstauglich. Etliche der Austellerinnen und Austeller sind im Blickfang-Zirkus bereits im 3. Jahr ohne sichtbare Weiterentwicklung vertreten. Das wird dann einfach fad.

Man geht kommerziell auf Nummer Sicher. Das Konzept scheint auf allen Seiten zu funktionieren: zielgruppengerechte Sponsoren lassen sich ebenso wie zahlungswilliges Publikum von der kreativen Unverbindlichkeit anziehen. Im Vorjahr sollen es 10.000 Besucherinnen und Besucher gewesen sein. Innovatives Design ist halt nicht unbedingt der Geschmack der Masse.

Immerhin Nett: Getframed Bilderrahmen aus Papier zum Verschicken und Selberbasteln.
Gewohnt perfekt: Matrix High End Foulards und mehr
Antwerpener Stil: Awareness & Consciousness Fashion, Schmuck und Lederaccessiors
Literarisch: Pictopia hochwertige Comics