Ruins of modernity: „shadows“, Herbst/Winter 13/14

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Die neue Herbst/Winter Kollektion des österreichischen Labels ruins of modernity heißt shadows und wurde zuerst bei den letzten Vienna Awards for Fashion & Lifestyle am Laufsteg präsentiert – Designerin Maria Steiner war eine der drei Finalistinnen für den Best Newcomer Award. Das Austrian Cultural Forums lud sie wenig später nach New York, um als Guestdesigner bei der Slovak Fashion Night zu zeigen.

ruins of modernity: "shadows", Autumn/Winter 2013/14, Foto: Verena Mandragora

Die Fotos – wie immer von Verena Mandragora – zeigen eine selbstbewusste, konzentrierte Frau in Kleidung, die auf das Wesentliche reduziert ist ohne zu langweilen. Die auf den ersten Blick oft streng anmutende Linienführung erhält mittels Falten Körper und wird mit weich fallenden Stoffen in Beziehung gesetzt.

ruins of modernity: "shadows", Autumn/Winter 2013/14, Foto: Verena Mandragora

Genau dieses Zusammenspiel aus Strenge und Sanftheit, gute Verarbeitung und sorgfältige Materialwahl machen für mich die Arbeit von Maria Steiner, die stets ebenso konzentriert wie ihr Model wirkt, aus.

ruins of modernity: "shadows", Autumn/Winter 2013/14, Foto: Verena Mandragora

Fotos: Verena Mandragora

 

 

Fesch fesch: Christoph Waltz für Prada

Prada_Menswear_FW13_Campaign_Christoph-Waltz

Der Prada Konzern stattet schon seit längerem erstklassige Schauspieler für ihre öffentlichen Auftritte aus und engagierte sie sogar für den Laufsteg. Schwer beeindruckt hat mich persönlich die Herbst/Winter Show 2012 mit Adrien Brody, Gary Oldman oder Willem Dafoe, um nur einige zu nennen.

Eine Ausprägung von so einer umfassenden Branding-Strategie, wie sie auch schon Armani international den Durchbruch beschert hat, besteht in Print-Anzeigen, die ebenfalls mit prominenten Role-Models aus der Filmwelt besetzt werden. Siehe z.B. hier.

Es sind natürlich ganz gezielt ausgesuchte Stars, die das Prada Image emotional aufladen und mit Geschichten versehen sollen. Keine bloß feschen Mannsbilder sondern authentische Typen, die Charakter, Individualität, Witz und Intelligenz ausstrahlen:

(…) Each actor plays a distinct role, creating a trio of characters who bring their individual points of view and style to the collection. (…)

Und so verwundert es kaum, dass nun die österreichisch-deutsche Hollywood Ikone Christoph Waltz (neben Ben Wishaw und Ezra Miller) in der mit einem modernistisch cleanen 60ies Touch ausgestatteten, neuen Herbst/Winter Kampagne 2013 auftritt. Steht ihm auch ausgezeichnet. 

Bild: Prada Menswear Fall/Winter 2013 Campaign
Foto: David Sims
Interior Design: OMA für Knoll
Zitat: Presseaussendung

Yamamoto und Murkudis beim Gallery Weekend in Berlin

„Cutting Age“ Show Berlin 2013, Yohji Yamamoto, Photo:  Ornella Orlandini „Cutting Age“ Show Berlin 2013, Yohji Yamamoto, Photo:  Ornella Orlandini

Fashion-related action during Gallery Weekend Berlin – wie WWD das so treffend nennt, das bedeutet, dass niemand geringerer als Yohji Yamamoto die deutsche Hauptstadt gleich für mehrere Tage beehrt.

Installation mit historischen Yamamoto Modellen von Masao Nihei bei Andreas Murkudis, Berlin 2013, Foto: Tschilp

Installation mit historischen Yamamoto Modellen von Masao Nihei bei Andreas Murkudis, Berlin 2013, Foto: Tschilp Installation mit historischen Yamamoto Modellen von Masao Nihei bei Andreas Murkudis, Berlin 2013, Foto: Tschilp

Da wird hier ein fantastischer, neuer Art-Space mit einer Best-Of Yamamoto Show eingeweiht, dort ein aufwändiges Yamamoto Videoporträt vorgestellt, im exklusiven Club eine entspannte Gesprächsrunde über Architektur für geladenes Publikum gegeben und schließlich im Konzeptstore eine Installation mit Yamamoto Mode verschiedener Schaffensperioden gefeiert. Als fördernde Kraft tritt eine große deutsche Automobil-Marke und Konkurrentin des Fashionweek-Sponsors auf.

Skywalk, Closed Capsule Collection by Kostas Murkudis, 2013, Photo: Tschilp

Skywalk, Closed Capsule Collection by Kostas Murkudis, 2013, Photo: Tschilp

Quasi ums Eck gewährt Kostas Murkudis, seit kurzem Creative Director beim deutschen Jeans-Label Closed Einblicke in seine Menswear Arbeit: Unter dem Titel „Skywalk“ zeigt Carsten Nicolai eine Videoarbeit zum Thema Wolken während nebenan die Murkudis/Closed Capsule Collection mit einem Aviator-Wende-Trench als Glanzstück aufwartet.

Berlin meint das wirklich ernst mit der Modestadt.

Show-Photos: Ornella Orlandini, restliche Photos: Tschilp.com

Austrian Fashion Remix

Bis 28. Februar läuft noch die Ausstellung Another Austria in London. Dabei wurde auch eine interaktive App gelauncht, mit der Besucherinnen anhand eines vom Turntable inspirierten User-Interface österreichische Mode remixen können. Hier ist die Video-Dokumentation dazu:



Another Austria Fashion Remix
Artist: Kris Hofmann, Creative Producer: Beccy McCray, Windows 8 Developer: Pedro Alonso, Technical Director: Tony Volpe, Executive Producer: Luke Ritchie, Composer: Callrider, Track: After Sun, produced by: Nexus Interactive Arts

Mode von:

 Another Austria Website

Austrian Fashion Council

Während sich die deutschen Modemagazine großer Verlagshäuser gerade im Promotionreigen um die Fashionweek Berlin drehen, schwärmt ausgerechnet Achtung – „gedruckt in Berlin“ – in der aktuellen Ausgabe (23/2012) für Wien. Seine Herrenschneidertradition, die im 19. Jahrhundert von Knize begründet, über Niedersüß senior und junior ihren Weg zu Helmut Lang fand. Oder den Avantgardisten Carol Christian Poell, dessen Männermode man übrigens am besten wiederum in Berlin studieren kann. Da hängen die exeptionellen Teile nämlich meterweise bei Darklands, einem auch sonst recht sehenswerten Ort.

Berlin und Wien gelten als verwandte Seelen, dennoch staunte ich nicht schlecht, als ich im selben Heft auf Seite 10 unter dem Titel „Berlin Fashion Council“ einen Text fand, bei dem mir so Vieles bekannt vorkam. Es geht dabei um die Lage Berlins als Modestadt. Tausche den Namen Berlin mit Wien und du hast recht treffende Aussagen über die hiesige Situation. Da heißt es etwa:

Die Verantwortlichen […] verkennen dabei die Möglichkeiten, die eine gemeinsame, professionelle Organisation der […] Interessen der Designer und Messen in Berlin [Wien] bieten würde.

Und am Beispiel des 1983 gegründeten, äusserst erfolgreichen British Fashion Council:

Die [London] Fashion Week musste sich [vorher] nach den Terminen von Mailand und Paris richten (gut, selbst das hat man in Berlin bisher gekonnt ignoriert)

Es darf gelacht werden, im Ignorieren sind wir da mindestens genauso gut, doch es gibt der Parallelen noch mehr:

Die Messen wurden von Unternehmen organisiert, die sich gegenseitig Konkurrenz machten und ihre eigenen Interessen statt eine gemeinsame Entwicklung des Standortes verfolgten.

Zugegeben, wir wären heilfroh, wenn wir auch nur eine einzige, annähernd so professionelle Fachmesse wie eine Bread and Butter oder Premium hätten, derentwegen sich für den Einkauf Verantwortliche und Presse ins Flugzeug setzen. Aber im Kleinen stimmt’s überein. Es gab Zeiten, wo im selben Jahr am selben Ort eine Shopzone [Unit F im Rahmen der damaligen Austrian Fashion Week, später Festival for Fashion and Photography] und der Modepalast als Gegenbewegung stattfanden. Und auch die noch relativ junge MQ Vienna Fashion Week meint nicht ohne einen Modedesign-Markt auskommen zu können, der sich von Inhalt und Inszenierung her recht wenig von Modepalast oder auch Blickfang unterscheidet.

Umgekehrt staunen Berliner Labels oft über die österreichische Modeförderung. Stimmt, es gibt Geld sowohl im Bereich der Kunst- und Kultursubvention als auch verschiedene Wirtschaftsförderungsprogramme. Und trotzdem wird österreichische Mode in der Öffentlichkeit selten als ernst zu nehmendes Kulturgut präsentiert denn als unterhaltendes und schmückendes Spektakel.

In Berlin [Wien] bleibt Mode […] weiter ein hübsches Aushängeschild des Stadtmarketings.

Well said. Aber bald gibt es ja eine Chance etwas anders zu machen: Unit F hat sich zu Weihnachten entschlossen ab 2014 die Durchführung der Modeförderung von Stadt und BMUKK zurückzulegen. Damit werden knapp 300.000 Euro Jahresbudget frei für einen neuen Ansatz. Nicht allzuviel, aber warum nicht versuchen, daraus mehr zu machen und zum Beispiel einen

starken Interessensverband nach amerikanischem oder britischem Vorbild [zu gründen,] in dem, zugegebenermaßen kühn gedacht, wie beim CFDA [Council of Fashion Designers of America] mit Diane von Fürstenberg

ein Helmut Lang als Präsident sitzt? Es müsste schon jemand von diesem Kaliber sein, um einer zentralen Organisation im In- und Ausland  entsprechend Gewicht zu verleihen und die wichtigsten EntscheidungsträgerInnen zu koordinieren. Erklärtes Ziel sollte dabei endlich sein nachhaltig wirksame Strukturen aufzubauen, die Modelabels auch Wachstums-Perspektiven eröffnen, die über EPU-Dimensionen hinausgehen.

Die Einladung zur Konzepteinreichung ist laut Presseaussendung ab 4. Februar 2013 auf den Homepages von BMUKK  und Stadt Wien abrufbar.

Bild: Wien Tourismus Inserat, in: 8 magazine (Hrsg: Unit F, 2008), Testimonials: Helga Schania und Herman Fankhauser (Wendy & Jim), Fotocredit nicht angegeben

Zitate aus: „Berlin Fashion Council“, in: Achtung. Zeitschrift für Mode, Nr. 23, Berlin 2012