Archiv des Tags ‘Schönheit’

Gloria tschilpt

Schöne Menschen - gutangezogene Frauen

4. Juli 2007 12:03, by Gloria

Letzten Samstag war ich endlich wieder Mal mit Michaela in der Stadt unterwegs. Wir fuhren grad mit der U 3 Richtung Neubaugasse, weil ein Besuch bei Shu angesagt war. Michaela braucht schwarze Schlapfen!

Da stachen mir zwei schöne, außergewöhnliche Frauen ins Auge. Die beiden sassen vor uns und ich hab sie gleich verschämt und auch ein wenig feige von hinten geknipst. Als sie das bemerkten, fasste ich mir ein Herz und lichtete sie auch von vorne ab. Erst nachdem sie ausgestiegen waren, wurde uns bewußt: Heut findet die Loveparade statt!

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Gloria tschilpt

Schön alt sein

7. Mai 2007 14:03, by Gloria

Meine Mutter steckt in einer Krise. Und ich stehe neben meinen Schuhen. Weil es grad so aktuell ist und meine Mutter mich so plagt, sollt ihr wissen: Zur Zeit muss ich immer wieder mit ihr Arztbesuche wahrnehmen. Früher war’s so: Sie genierte sich für mich bzw. meine Kleidung. Heute ist es öfters auch umgekehrt.

Letzten Donnerstag kam sie eine geschlagene Stunde zu spät zum Privat-Arzttermin. Ich brave Tochter schichtete drei Besprechungen um, damit meine Begleitung überhaupt erst realisiert werden konnte. Als sie dann endlich aufttauchte, bereute ich zum 1000 Mal meine Digitalkamera nicht dabei zu haben. Dazu müßt ihr wissen: Mutter ist so groß wie ich (um die 172 cm) und wiegt halb so viel. (Naja, sie hat 45 kg und ich 60 kg. Grund genug, um mich immer wieder als Walküre zu titulieren …).

Zur braunen löchrigen Uralttrainigshose - ich glaube, diese stammt noch aus meiner Studentenzeit - und schwarzen Charlie Chaplin-Sämischlederschuhen mit extrem runden Kappen trug sie einen engen schwarzen Blazer. Auch der stammt von mir. Ich hab ihn, als ich auf Jobsuche war und in einer Depression steckte, mal zum halben Preis bei Schöps erworben. Und genauso sieht dieses Sakko auch aus: traurig, billig, schiach. Um dem Arzt nicht in die Augen schauen zu müssen behielt sie auch in den Praxisräumen die ultradunkle Sonnenbrille auf. (Und erinnerte mich dabei an die alternde Gottheit Greta Garbo!)

Nicht, dass ihr denkt, ich bemühte mich nicht auch um das optische Wohl meiner Mutter: Neben den obligaten Faltencremes am Muttertag schenke ich ihr zu Weihnachten altersgemäße neue Damenkleidung und zwischendurch auch gern meine ausgemusterten Gewandungen. Nur, das alles will sie nicht! Viel lieber geht sie am Flohmarkt auf Schnäppchenjagd und fröhnt dem dort billigst erstandenen Gypsy-Stil. Manchmal bin ich versucht zu glauben, daß sich gerade in unseren extremen und extrem divergierenden Kleidungsstilen unsere (Geistes-)Verwandtschaft zeigt…

Gloria tschilpt

Dress Codes - Teil 3

16. April 2007 13:17, by Gloria

Manchmal darf frau noch froh sein, profil-AbonenntIn zu sein. So konnte ich vorvergangene Woche aus einem Vorabdruck von Helmut (A.) Gansterers neuem Knigge-Wälzer erfahren, es sei verboten, in Jeans ins Büro zu kommen und es gäbe eine einzige Ausnahme, ich zitiere: “Nur weibliche Führungskräfte, die den Konservativismus eklig finden, durchbrechen manchmal mit gewagten Kombinationen das Bild.” Lieber Helmut, da hast mir aus der Seele gesprochen! Nun muß ich meinem Chef noch beibringen, dass ich die kommende Führungskraft Büro bin.

Ich hasse jegliche Form von Konservativismen. Für mich hat das Angepasstsein auch immer was mit “Nicht-Denken-Wollen” zu tun. So wie wohl Asymmetrie für einen kritischen Geist und Uniform für Erstarrung steht. Irgendwas in mir wehrt sich dagegen, lieb auszusehen. (Fürchte, mit meinen herben türkischen Gesichtszügen und der langen Nase gelänge das sowieso nicht.) Dazu kommt, ich hasse es, wenn man mich ignoriert. Laut Mutter wollte ich schon als Teenager im öffentlichen Raum lieber beschimpft als nicht gesehen werden.

gloria im shella kann rock von hintenshella kann-rock in bewegung

Ich erinnere mich, daß ich im zarten Alter von 14 wagte, lange, gelblichweiß-verschlissene und mit Rüschen besetzte Oma-Unterhosen vom Flohmarkt zum netten Faltenminiröckchen und zu Ballerinas zu kombinieren. Da sah sich ein Herr mittleren Alters durch meinen bloßen Anblick veranlasst, mir seinen Aktenkoffer hinterrücks auf den Schädel zu donnern. (Naja, ein kleines Geplänkel bzw. Streitgespräch mit meiner Freundin und mir in der Strassenbahn war da schon vorausgegangen.) Heute stehe ich selbst im mittleren Alter… Trotzdem will ich mich noch immer nicht so kleiden, wie sich das so manche wünschen oder vorstellen. Das ist meine Nische, hier kann ich mir Freiheit bewahren, ein bisschen lautlos demonstrieren. (Meinen Kunden will ich damit u. a. meine “Nichtkäuflichkeit” demonstrieren!) Und was meint Ihr dazu?

Gloria tschilpt

Ad Schönheit - Teil Zwo

3. April 2007 08:28, by Gloria

Liebe Leser und Innen, wie ihr schon im ersten Teil bemerken konntet: Klischeevorstellungen werden nicht bedient! So war unsere Schönheit als ausgebildete Sozialarbeiterin einige Jahre in einem Frauenhaus tätig. Da hat sie gelernt, daß mit dem “Barbie- und Prinzessinen-Scheiß” nicht viel zu holen ist. Die “Blauäugikeit, die Welt retten zu können” ging ihr relativ bald verloren und eine dicke Haut hat sie sich nicht aneignen können. Heute hilft sie - solange die Tochter im Kindergarten ist - im Geschäft der Mutter mit. Als Hobby ist Bücherlesen so oft wie möglich und Ausgehen einmal die Woche angesagt. Und dann geht es mit Freundinnen immer in das ewig gleiche Stammlokal. Erkenntnis Nummer 3: Schönheit muß nicht mit Oberflächlichkeit gepaart auftreten.

Seconda mit Besitzerin

Und wie schaut es mit dem anderen Geschlecht aus? Von Untreue, Leichtlebigkeit und sogenannten “Lebensabschnittspartnern” hält sie nicht viel. Die Ehe mit dem Kindsvater ist “irgendwie” noch vorhanden, trotz der Trennung vor über 4 Jahren und trotz Konkurrenz einer Anderen an dessen Seite. Sie kann sich in Beziehungen verlieren und ist dann sehr gebend… Auch als Mutter: die Tochter wurde gestillt bis zum stolzen Alter von Zweieinhalb Jahren. Da humple ich hinterher mit meinen läppischen eineinhalb Jahren Voll-Stillzeit. (Gezwungenermaßen, weil der Herr Sohn jegliche Nahrung außer der Muttermilch rigoros abgelehnt hat und ich ihn ja unbedingt vor dem Hungertode retten mußte! Katharina hat da ähnliche Erfahrungen.) Erkenntnis Nummer 4: Wo ist hier die Eitelkeit? Kein Gedanke an Hängebrüste oder sonstige nachteilige Veränderungen als Folge der Mutterschaft!

Als Kind ist sie sich nicht hübsch vorgekommen, dicklich mit reichlich Babyspeck und kleinen Schweinsaugen. Später dann sehr maskulin mit kaum Busen und überhaupt viel zu dünn und zu groß. Eine richtige Spätentwicklerin quasi! Erst mit reifen 16 wagte sich das erste männliche Wesen an sie heran. Sogar diese frühe Beziehung hielt fünf Jahre. Katharina achtet nicht darauf, ob sie jemanden gefällt! Wie ihr die Männer nachschauen, das zu bemerken, überlässt sie der Mutter oder Freundinnen. Aufmerksamkeit ist ihr sowieso zuwider, sie will keineswegs im Mittelpunkt stehen. Heute ist Katharina zufrieden mit ihrem Äußerem (Ach ja, die obligaten 4 Kilo könnten auch gern wieder verschwinden… Aber so geht es doch jeder Frau über Dreißig!). Stöckelschuhe sind bei stolzen 1.80 Meter kein Thema, auch wegen der Unbequemlichkeit nicht. Und überhaupt: Kleidung muss praktisch sein! Erkenntnis Nummer 5: Schönheit muss also gar nicht leiden!!!

Ein Originalzitat Katharinas will ich euch mit auf dem Weg geben: “Schön sein ist so langweilig!” Das hab ich mir hinter die Ohren geschrieben, falls sich mal wieder die große Unzufriedenheit einstellt!

Gloria tschilpt

Hat Schönheit ihren Preis? Teil Eins

29. März 2007 13:27, by Gloria

Ich bin ein wenig ratlos, weiß gar nicht wie ich anfangen soll… Alle meine Fragen haben sich beim Interview erübrigt. Sämtliche Klischees konnten der Realität nicht standhalten. Plötzlich ging es auch um mich und mein Leben. Ein gutes Gespräch unter Freundinnen vielleicht …

So fängt es an: P. will nicht einmal ihren Vornamen preisgeben. Also nehmen wir Katharina, ihren werten Taufnamen. Sie ist die Tochter der Besitzerin der Second-Hand Boutique Seconda im Sünnhof im Dritten Wiener Gemeindebezirk. Die sollte treuen Tschilp-Leserinnen und wie immer auch Lesern inzwischen (dank mir) ein Begriff sein. Ein bis zwei Mal wöchentlich treibt es mich dorthin. Katharina arbeitet hier und wir kamen ins Gespräch. 33 Jahre alt, stolze 1.80 Meter groß, mit dunkelblondem schulterlangen Haar kann sie 64 Kilogramm auf die Waage bringen. Sie ist Alleinerzieherin wie ich, auch sonst finden sich immer wieder Parallelen in unseren Lebensläufen.

Doch: Katharina ist schön. Und das ohne wenn und aber. Da findet man und auch frau keine häßlichen Züge wie dummes, schwatzhaftes Benehmen oder eitle Selbstverliebtheit, die das Gesamtbild stören könnten. Auch deswegen müßt ihr, liebe Leser und Innen, auf ein Foto verzichten. Tut mir sehr leid, ich habe darum gekämpft. Für euch natürlich und weil ich meine Erkenntnisse auch bildhaft demonstrieren wollte. Aber die Angst blöd dazustehen, war zu groß.

Selbstherapie “Casting”: Katharina hat eine herbe, starke und sinnliche Schönheit. Deshalb werdet ihr sie in der Modellagentur Andrea Weidler unter den “strong faces” suchen müssen. Dorthin hat sie sich getraut, als sie Dreißig wurde und etwas für ihr Selbstbewußtsein tun wollte. Erkenntnis Nummer 1: Wir müssen davon ausgehen, dass Schönheit nicht mit Selbstbewußtsein gleich zu setzen ist.

Für Kleider und Kosmetika gibt unsere Beauty kaum Geld aus. Das Gewand wird natürlich Second-Hand erstanden. Und als Kosmetika genügen die Balea-Gesichtscreme vom DM und die Wimperntusche von Yves Saint Laurent. (Letztere empfindet sie schuldbewußt als eigentlich viel zu teuer, als Luxus.) Schuhe und Taschen interessieren sie kaum, kann und will sie sich nicht leisten. Wichtiger ist es, Geld für Bücher zu haben und für Wohnungsaccessoires. Gefragt habe ich sie das nicht, aber ich gehe davon aus, dass Katharina nicht übermäßig lange vor dem Spiegel steht. Ergo - Schönheit nimmt nicht unbedingt viel Styling-Zeit in Anspruch! Das ist meine Erkenntnis Nummer 2. Fortsetzung folgt!