New Wave reloaded im gegenalltag

Super Super, aktuelles Cover

Unter dem Motto SUPER SUPER New Wave reloaded öffnete am Freitag die aktuelle Ausstellung im gegenalltag. Inspirieren ließ sich Jasmin Ladenhaufen dafür vom britischen unisex Fashion Magazin Super Super.

Die im Neon- und Collagenstil gestaltete Zeitschrift bewegt seit drei Jahren die neue Londoner 80s-New-Wave-Punk-Szene nicht nur in der Printversion sondern darüber hinaus mittels Myspace, eigenen Partys und Fashionshows. Der Schickheitsgrad des Heftes läßt sich auch an der Tatsache ablesen, daß es im Pariser Konzeptstore Colette geführt wird. (Super Super ist während der Ausstellung auch bei gegenalltag erhältlich!)

Johnny deluxe & Jason Atomic Bas Kosters

Und im Super Super Stil stellte Ladenhaufen eine bunte, manchmal gezielt trashige Auswahl mit Mode von Zorana Janjic (SR), muntstock (D), red mutha (UK), Bas Kosters (NL) und OOPS! Fashion (UK) zusammen.

Jason Atomic und Johnny deluxe Johnny deluxe am Werk

Zur Vernissage gaben die Londoner Künstler Jason Atomic und Johnny deluxe, die u.a. Textilien mit ihren alltäglichen Erlebnissen beschreiben, eine Art Comic-Mal-Performance unter Einbeziehung des Publikums.

Selection Nr. 14
SUPER SUPER
New Wave reloaded
Noch bis 3. 5. 2009

gegenalltag
MuseumsQuartier Wien
Electric Avenue/quartier21
Museumsplatz 1, 1070 Wien
Mi-So 14-19 Uhr

Vintage Schlange

Vintage interessiert mich überhaupt nicht. Das habe ich zumindest neulich gegenüber Claudia voller Inbrunst behauptet. Tja, so ganz stimmt das um ehrlich zu sein gar nicht.  Ich geb’s zu.

Vintage Schlangenleder-Schuhe, gefunden bei Humana, Wien Vintage Schlangenleder-Schuhe, gefunden bei Humana, Wien

Eines der verräterischen Indizien: meine Second Hand Highheels – die Absatzhöhe beträgt gemessene 9  und gefühlte 12 cm – aus Schlangenleder, gefunden bei Humana im dritten Bezirk. Ich tippe späte 70er-Jahre.

Die hatte ich nicht im Gepäck in Berlin, hätten aber gut gepasst, denn

It’s become a kind of uniform in Berlin: if it’s used, it’s cool.

Zitat aus: Berlin Retro-Wear, Exberliner, Ausgabe January 2009

American Apparel Reality Check

Was gut gemachte Fotos ausmachen, kennt man ja aus dem Ikea-Katalog. Daß die Erinnerung so manches glorifiziert, besonders, wenn sie sich auf meine Lieblingsstadt New York bezieht, ist auch keine neue Erkenntnis. Als ich vor 3 Jahren aus Jux und Tollerei eine winzige Kollektion von Shirts mit Fotodrucken produzieren ließ, mußte das Basismaterial von American Apparel kommen, denn ich wollte Qualität.

Was ich jetzt aber beim Reality-Check im ersten Wiener American Apparel Laden gesehen und angegriffen habe – das Probieren habe ich mir nach Gerlindes Hinweis auf den Jezebel’schen Selbstversuch erspart – war schlicht und ergreifend enttäuschend: Schleissige Nähte, viel Kunstfaser und schlabbriger Jersey bei Modellen, wo er nicht sein soll – wer je ein richtig gutes Schlabbershirt gehabt hat, etwa von C & C California oder American Vintage oder ganz einfach ein 100 Mal gewaschenes Leiberl vom Flohmarkt, weiß wovon ich rede.

Die Preise liegen gemessen an Verarbeitung und Qualität zu hoch – alles, was mehr als ein 0815-Shirt darstellt, kostet gleich mal 30 Euro aufwärts. Im Design überwiegen langweilige Basics, die anderswo günstiger und hochwertiger zu haben sind, sowie Retro, wobei man sich hier auf die mit Abstand schlimmsten Modelle der 80er-Jahre fokussiert hat.

Ein großes Plus muss man AA aber lassen: die umfassende Farbpalette von schlammbraun bis blitzblau, einer besonderen Lieblingsfarbe der 80er, wirkt. Das konnte Benetton nebst provokativen Werbefotos – ich merke grade, dass ich mich wiederhole – in den 80ern (!) auch schon mal recht gut. Übrigens sperrt in der Mariahilferstraße visavis grad eine neue Benetton-Filiale auf.

Disco Nostalgia

Da passen wiedermal einige Dinge zusammen: Noch ganz unter dem Eindruck des 70er-Jahre-Disco-Abends auf Arte stehend – Donna I-Feel-Love Summer im elegant weißen Tunikakleid, Gloria I-Will-Survive Gaynor vor den von links nach rechts und von unten nach oben blinkenden Lichterketten! – flatterte mir gleich noch dieses Meisterstück von Halston ins Postfach.

Decades gehört zu den erfolgreichsten amerikanischen Vintage-Stores, ist spezialisiert auf Hollywood-Kundschaft mit starkem Interesse an Einzelstücken und verbreitet seine Neuzugänge via Blog. Nebenbei gibt das auch was her für die historische Weiterbildung.

Halston wird als Brand derweilen von Hollywood-Mogul Harvey Weinstein fleissig relauncht. Auch dafür bedient man sich zeitgemäßer Vermarktungsstrategien und kooperiert etwa mit dem luxuriösen britischen Onlinestore Net-A-Porter. Binnen Stunden waren auch die meisten Teile der zweiten, neuen Kollektion schon wieder ausverkauft. Dabei hätten mir die feinen, grauen Rauhleder-Overknees so gut gefallen…

Das Ganze stelle man sich jetzt noch musikalisch unterlegt mit den Grooves von T-Connection aus 1977, übrigens meine erste Maxi, vor. Und wer sich in punkto Hustle und Disco-Tanzschritten dazu genauer informieren will, ist bei Disco Step by Step zum Beispiel hier gut aufgehoben.

Fotos: Decades, Net-A-Porter