Fish and Chips, Twice Please?! Britisches Modedesign im Museumsquartier

Fish and Chips, Twice Please?! ist eine innovative und spektakuläre Ausstellung, die Großbritannien als ein Land präsentiert, in dem internationale und kreative Köpfe die Zukunft der Mode gestalten?,

meint Emma Bell. Die britische Modedesignerin – keine ganz Unbekannte in Wien – hat gemeinsam mit der ebenfalls in London lebenden, slowenischen Künstlerin Polona Dolzan die kommende Mode-Ausstellung im Freiraum des Quartier 21 kuratiert.

Nach 50 ± anni di moda italiana wird damit wieder eine Ausstellung um eine Nation herum gebaut, diesmal Großbritannien, und man darf gespannt sein, wie der Vergleich ausfallen wird.

Ein umfangreiches, recht dynamisch klingendes Veranstaltungsprogramm sowie ein Blog begleiten die Ausstellung. Wirkt alles schon jetzt viel weniger verstaubt als die mäßige römische Grandezza.

Fish and Chips, Twice Please?!
11. Juni – 12. September 2010
Täglich 10-19 Uhr, Eintritt frei
freiraum quartier21 INTERNATIONAL

Eröffnung: 10. Juni 2010, 18 Uhr

Mit Performance der finnischen Künstlerin Riitta Ikonen in einem Outfit, das britische und österreichische Folklore thematisiert. Host: Titus Groan, Sound: Tingel Tangel und Christian Candid/Klein Records

Lecture mit Dashing Tweeds: 11. Juni 2010, 17 Uhr
Guy Hills und Kirsty McDougal geben Einblick in Webtechniken und Textilherstellung.

Zitat: Pressetext, Foto: Dashing Tweeds

Ausstellung: 50 ± anni di moda italiana

Raffaella Curiel: Haute Couture Tageskleid aus Leinen, 1984

Vergangenen Mittwoch öffnete im Wiener Museumsquartier die Retrospektive 50 ± anni di moda italiana, eine Ausstellung, die laut Ankündigung […] die WegbereiterInnen der italienischen Mode zur Alta Moda […] würdigen möchte.

Der Begriff, den ich von Alta Moda hatte, sah etwas anders aus. Für mich bedeutete das zu allererst italienische als Gegenentwurf zu französischer Haute Couture, elegante Modeschauen auf der Spanischen Treppe in Rom – gibt’s die noch? – und historisch betrachtet ein neues, kraftvolles Selbstbewusstsein, um neben Paris ein ebenbürtiges italienisches Modezentrum zu etablieren.

Pret a porter von Versace und Moschino Pucci Klassiker, 1967

Eine Strategie, die ja vor allem mit der Entwicklung zur industriellen Konfektionsproduktion perfekt aufging. Nach wie vor gilt „Made in Italy“ als Qualitätsmerkmal, und wer sich im New Yorker Century 21 durch die Abteilung mit den reduzierten European Designers wühlt, wird fast ausschließlich Teile italienischer Produktion finden.

In der Wanderausstellung wird diese historische Energie für mein Gefühl leider nicht so wirklich sichtbar, was wahrscheinlich an der Sammlung Galgano an sich liegt und weniger an der kuratorischen Arbeit.

Angelika Höckner und Gerald Moser, die bereits die Schau Sharp Chic konzipiert haben, meinen denn auch im Interview mit Austrian Fashion Net, dass ein paar Highlights der italienischen „Design-Alt-Stars“ fehlen. Und das merkt man, auch ohne Spezialistin in italienischer Modegeschichte zu sein.

So hätte ich mir doch etwas mehr als eine ziemlich beliebige Ansammlung von 30 Modellen aus fünf Jahrzehnten erwartet. Valentino ist zum Beispiel nur mit einem recht harmlosen, wenn auch rotem Kleid vertreten. Generell hätte ich mir mehr Couture-Arbeiten als Alta Moda Pronta (italienisch für Prêt a porter) gewünscht.

Das legendäre Haus Capucci, dessen Relaunch-Ambitionen – etwa 2003/04 mit Bernhard Willhelm – offenbar immer wieder in ihren Ansätzen stecken bleiben, fehlt leider auch.

Karisia Paponi, Installation

Michela CarraroMaria GirelliAntonio Piccirilli

Dem etwas tristen Reiz des Vergangenen stellen Höckner und Moser dankenswerter und erfrischender Weise fünf zeitgenössische, junge Talente gegenüber, die zum Teil auch als Artists in Residence in Wien zu Gast sein werden.

Michaela Carraro, Valeria Farina, Maria Girelli, Karisia Paponi und Antonio Piccirilli zeigen mit ihren verschiedenen Positionen, dass es weiter geht.

50 ± anni di moda italiana
freiraum quartier21 INTERNATIONAL
Museumsquartier, Museumsplatz 1/5, 1070 Wien
10.12.2009 bis 20.01.2010, täglich 10 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt
Katalog: 5 Euro

Fotos: Tschilp.com

Auftakt: MQ Vienna Fashionweek

Emma Bell

Eine richtig lange Warteschlange muss sein. Das gehört nun mal genauso zu einer Fashionweek wie mindestens ein Zelt. 250 bis 300 Personen passen da schätzungsweise hinein, in das Fashionzelt beim Wiener Museumsquartier.

Und heute fanden als Auftakt die Modequartier 21 Shows dort statt. Gleich 11 Labels spulten zur Eröffnung der MQ Vienna Fashionweek eine satte Show vor überaus zahlreichem und dankbarem Publikum ab.

PitourPitourPitour

Maria Oberfrank, neben Elvyra Geyer und Zigi Mueller Organisatorin der MQ Vienna Fashionweek machte mit ihrem Label Pitour den Anfang. (Das ist übrigens ganz normal in Österreich, auch Ausstellungs-Kuratoren inkludieren so gut wie immer ihre eigenen Werke.) Die britische Designerin Emma Bell kippte am Schluss erfreulicher Weise jede Menge Farbe und Humor über das Ganze.

ArtistaArtista

km/akm/akm/a

MasiMasi

dypol deductionsdypol deductionsdypol deductions

MarkertkraftMarkertkraftMarkertkraft

Dazwischen zu sehen: alte Bekannte wie das sichtlich gereifte Label Artista, gut Verkäufliches in Strick von Masi, coole Recyclingmode von km/a, Performatives von dypol deductions und ein bisschen enttäuschend die Blickfang-Stammgäste Markertkraft, deren Mäntel aus edlem Loden ich in den vergangenen Kollektionen gelungener fand.

Cindy SteffensCindy SteffensElke Freytag

Feminin Verspieltes in Farbe und Form gab’s bei Cindy Steffens, die mit vielen kleinteiligen Details und ihren exzellenten Kopfbedeckungen glänzte und natürlich bei Elke Freytag, deren Cocktailkleider zwar nichts Neues aber jedenfalls ziemlich gut sind.

R! by Dominique RaffaR! by Dominique RaffaR! by Dominique Raffa

Caleidoscope Eyes by Leonie SmeltCaleidoscope Eyes by Leonie Smelt

Avantgardistischer ging es bei R! by Dominique Raffa zu. Ihre Kollektion fand ich perfekt in sich geschlossen, Design und Materialien gehen ein bisschen Richtung Space Age und als Tüpfelchen auf dem I gabs auch sehr schöne LED-Lichteffekte. Leonie Smelt spielt in ihrer Kollektion Caleidoscope Eyes auch ein bisschen mit Glühwürmchen, die Kleider versuchen sich an Facettenschliff und Prisma.

Emma BellEmma BellEmma Bell

Insgesamt ein erfolgreicher Auftakt. Mal sehen, was aus der Fashionweek wird! Von den Einzel-Shows, deren insgesamt 30 bis Sonntag auf uns zukommen, erwarte ich mir aber schon etwas mehr Dramaturgie und Individualität im Showdesign.

Fotos: Tschilp.com, Videos zu den Fashionquartier 21 Shows demnächst!

w?atf Pop-up Store im Museumsquartier

Baustelle bei gegenalltag

Das wird bald anders aussehen. Und zwar ab Freitag, den 4. September 2009, denn da eröffnet Sonja den w?atf Pop-up Store im Wiener Museumsquartier.

w?atf bezieht für vier Monate den Showroom von gegenalltag. Bis Ende Dezember gibt es  ein um internationale Brands und exklusive Einzelstücke erweitertes Mode-Sortiment.

Kunstaktionen, Visuals, Designer Präsentationen und der bewährte DJ Support von Take A Break werden auch in der neuen Location weiter fortgeführt. Mit oder ohne Waschmaschine.

w?atf Pop-Up Store Opening. 3.9. 18 Uhr

Opening: w?atf Pop-up Store @ gegenalltag
Freitag, 4. September, 18 Uhr
MQ/q21/Electric Avenue, Museumsplatz 1, 1070 Wien

The Vienna Fashion Observatory

The Vienna Fashion Observatory, Screenshot

Der Stadtplan beginnt sich langsam aber sicher mit verorteten Bildern zu füllen. Denn eine illustre Schar aufmerksamer BeobachterInnen ist für das Vienna Fashion Observatory quer durch Wien unterwegs um die Modestile der Menschen zu dokumentieren, die ihnen auffallen.

Sabine Dreher und Christian Muhr haben das Projekt The Vienna Fashion Observatory konzipiert und bespielen dazu ab 18. Juli mit einer Ausstellung den Freiraum im Wiener Museumsquartier.

Both the exhibition and the blog will reflect how people and the city, fashion and architecture, atmospheric and static aspects, individual and general features, similarities and deviations produce constellations that are characteristic for Vienna.

Unterscheiden sich die Streetstyles in den 23 Wiener Gemeindebezirken? Welche Auswahl treffen die verschiedenen Dokumentierenden mit ihren Kameras? Könnte es Korrelationen zwischen dem Modestil und der Anzahl von H&M Shops oder der Arbeitslosenrate im jeweiligen Bezirk geben?

Unter den TeilnehmerInnen, die hier Aufschluss geben werden, finden sich viele Bekannte wie etwa Anne blica. Feldkamp, Carmen Carmencita Rüter, Eszter Stylorectic F. & Andreas Köttritsch, Cloed Priscilla Milch Baumgartner, Magdalena Vice Vukovic, Mary Quite Contrary Scherpe oder Yvan Face Hunter Rodic. Ich bin schon gespannt.

The Vienna Fashion Observatory
18.07. – 20.09.2009, Eröffnung am 17.07. 19 Uhr
Täglich 14 – 19 Uhr
Freiraum/quartier21, Museumsquartier, A 1070 Wien