Bei der Documenta in Kassel habe ich eben ein ziemlich feines Wochenende prall vollgestopft mit Eindrücken, die erstmal verarbeitet werden wollen, verbracht. Kunst und Mode waren nicht das Thema, aber wieso sieht man eigentlich im Umfeld von Gegenwartskunst immer besonders viele gut und/oder unkonventionell gekleidete Menschen?
Im Fridericianum laufe ich mehr zufällig als geplant in Trisha Browns Performance Floor of the forest (1970), in der sich TänzerInnen durch eine Installation aus netzartig aufgespannten Kleidungsstücken bewegen:
Apropros Prada: Die zehenfreien Stutzen, quasi eine Weiterentwicklung der Leggings sind für mich zweifelsfrei das Must-Have der Saison! DIY-Tipps finden sich dazu bei der geschätzten Susie Style Bubble.
Montag. Erster Tag der Arbeitswoche. Am Mittagstisch reden die Kolleginnen über ihre Fitnessaktivitäten. 1 Monat nichts tun, und man muesse bei allem wieder ganz von vorne anfangen, sagen sie. Mein schlechtes Gewissen klopft an. Ich hab allerdings genug zu tun, das lauter ist, und der Abend ist lau. Das Kontrastprogramm zum schnöden Arbeitswochenbeginntag schaut so aus: Einen guten Grund haben, um in die Innenstadt zu müssen - hier bietet sich der leere Kühlschrank an - kombiniert mit Gehen.
Harmonisch vereinen läßt sich beides am Graben (guter Käse und einige andere Kleinigkeiten von Meinl, Obstabteilung meiden!) und am Kohlmarkt. Der Rundgang mit dem wie immer zu schwer gewordenen Meinl-Sackerl in der einen und der fast gleichgewichtigen Bürotasche in der anderen Hand ist eh schon ein richtiges Fitnesstraining finde ich. Und das ist mir so nebenbei noch aufgefallen:
Die “Lust auf Lack” ist sogar dem Kurier nicht verborgen geblieben, und bei Armani gibt’s eine recht brave Variante in der Auslage. Erinnert ein bisschen an die kleinen, schwarzen Dolce & Gabbana Kostümchen der letzten Kollektion. Chanel nebenan klotzt, und zwar mit der Auslagendeko. Riesige schwarze, lackglänzende Kamelien, die Lieblingsblumen von Coco Chanel, spielen erfolgreich Eyecatcher für Gewand, das leider sehr weit weg von den Signature-Teilen der aktuellen Kollektion ist.
Visavis beeindruckt Akris wie stets durch reduzierte und gleichzeitig absolut luxuriöse Eleganz ebenfalls in Schwarz. Hier kommt erstmals auf dem Weg Pelz ins Spiel. Der haarige Rock kostet etwas über € 3000.
Ein moderater Preis verglichen mit der groben Opossum-Jacke um € 5890 im 70er-Jahre-Stil bei Gucci. Achja, ich pflege übrigens ständig die Straßenseite zu wechseln, das ist u.a. einer der Gründe, weshalb mein Geliebter da nicht mit will, aber ich schweife ab. Ich frage mich, ob die Opossum-Jagd nun wieder gestattet ist. Aber abgesehen davon, ist das ja wenigstens optisch ein cooles Teil im Vergleich zur Damenauslage, wo ein Oma-Nerz-Schal kombiniert mit Oma-Raubtierprint-Pelz zu sehen sind. Das, wovon Gucci lebt, steht ohnehin daneben: Taschen und Schuhe.
Die Schmuckmarke Bulgari auf der anderen Seite der Fußgängerzone investiert offensichtlich ebenfalls ins Accessoires-Business. Die Taschen machen sich als Nachtauslage nicht schlecht, aber Bulgari-Taschen? Ich weiss nicht, das klingt irgendwie nicht richtig. Die interessantesten Lack-Accessoires sind eindeutig die mit Farbverlauf. Und sie kommen am besten von Prada, wenn auch bei Chegini nicht unbedingt die spannensten Modelle zu finden sind.
Das Resümee? Die Läden am Kohlmarkt trauten sich noch nie über innovative Mode. So gesehen ist also alles wie gewohnt. Das Publikum, das zum Edelshopping in diese Gegend kommt, will’s vielleicht auch einfach so. Oder doch nicht?
Models haben’s nicht leicht. Das wissen wir ja spätestens seit Germanys next Topmodel. Und Steven Meisel, wahrlich begnadeter Modefotograf, zeigt uns das in der italienischen Vogue (dort darf er publizieren, was für die amerikanische Vogue zu heftig ist) .
Meisel überzeichnet ziemlich ironisch eine Paparazzi-Realität, bei der vermeintlich fix und fertige Models in edlen, aktuellen Outfits quasi “zweckentfremdet” posieren. Yes, die images der glossy papers haben nichts mit der Realität zu tun. Oder?
Während ich grade überlege, ob wohl alle Luxusmarken (siehe Fotos: Prada Store Wien, Cavalli via Showawa) beim selben Erzeuger ihre Schuhe produzieren lassen und was dabei zuerst da ist: das neue Material oder der neue Entwurf – da flattert ein richtiger Brief in meinen RSS-Reader.
Mark Pullin, besser bekannt unter dem Namen Mr. Pearl, beantwortete Diane Pernet einige Fragen. Und zwar in einem 4-seitigen handgeschriebenen Brief! Mr. Pearl kreiert nicht nur Korsetts – unter anderen für Kundinnen wie Victoria Beckham, Kylie Minogue, Jerry Hall oder Dita von Teese – sondern trägt seit über 10 Jahren selbst Tag und Nacht ein Mieder: „Corsetry is a fulltime occupation if waist reduction is he focus.” Seine Wespentaille umfasst 45,7 cm (18 Inch). Das ist wahre Passion.
Vorige Woche war es soweit! Ich habe mein Versprechen gebrochen. Aber ich musste das tun. Für meinen Job! Und für mich auch! Endlich was Adäquates, Elegantes, Unauffälliges sollte es werden. Statt dessen habe ich dann doch lieber zu meinen Hausscheidern Girbaud gegriffen und ein nettes dunkel-weinrotes Trägerkleidchen erstanden. Und einen braunen Hüftrock mit Schlitz bei den Knien und einen blassgrünen Prada-Rock und ein Paar ungetragene Sandalen, Typ Birkenstock gemischt mit Römerfesselschnürsandale (Fotos folgen nach). Das sollte doch auch für den Job okay sein!
So hab ich mich zwei Stunden lang durch die edlen, getragenen Designer-Teile der Boutique GIGI, Zedlitzgasse 11, 1010 Wien, durch gearbeitet. Und war von meinen Funden begeistert! (Okay, Fotos folgen nach!)
Für Freunde von Modenschauen veranstaltet GIGI am 4. Juli (Mittwoch) 2007 um 16.30 Uhr eine solche mit immer noch aktueller Couture am City-Beach, soll heissen am Donaukanal gegenüber dem Schwedenplatz.
Das Geschäft könnt ihr Montag bis Donnerstag von 10.00 - 18.00 Uhr, am Freitag von 10.00 - 19.30 Uhr und jeden ersten Samstag im Monat aufsuchen. (Ich glaube, ich werd auch nochmal hinschauen. Nicht, dass ich da was übersehen habe …)