Show Angewandte 09


Schluss Defilee Show 09 Modeklasse

Geschätzte 1400 Fans feierten  am Mittwoch in der Halle E der Wiener Stadthalle die jährliche Abschluss-Show der Modeklasse an der Universität für angewandte Kunst. Es war die letzte unter der Leitung von Veronique Branquinho, und damit fand auch gleich eine Art Amtsübergabe statt.

Unter den internationalen Jurygästen befand sich nämlich schon ihr Nachfolger – mein deutscher Liebling mit Antwerpener Vergangenheit – Bernhard Willhelm, der am gleichen Tag auch seinen Vertrag unterzeichnet hat.

Show Angewandte 09: Historisches Kostüm

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Nach bewährtem Konzept starteten die ersten Jahrgänge mit „Meisterstücken“ zum Thema Experimenteller Rock, Ärmelstudie, Experimentelles Kleid sowie historischen Fingerübungen und ersten individuellen Silhouetten.

Ich merke mir aus dieser Runde mal Aya Nonogaki und Wol Hee Lee, beide mit unverkennbarem Showtalent  – Kopftasche und Riesenschirm – zur weiteren Beobachtung vor. Aya Nonogaki erhielt denn auch den Preis des Schweizer Textilverbandes.

Taroh Ohmae: "Unlimited" Bernhard Gruber: "VHS"

Suzana Jankovic: "spa vivaria" Lisa Maria Kreiter: "my body is a weapon"

Leonie Leuenberger: "made in rain" Christina Steiner: "RORA"

Weiwei Xu: "Bodysong" George Bezhanishvili: "Jheronymus"


Weiwei Xu: „BODYSONG“


George Bezhanishvili: „Jheronymus“

Und weil wir schon dabei sind: An Taro Ohmae (2. Jahrgang) ging gestern der Swarovski Crystallized Preis, die Adlmüller Stipendiatin 2007 und heurige Diplomandin Weiwei Xu erhielt den Rondo Vöslauer Modepreis, Bernhard Gruber (3. Jahrgang) wurde mit dem aktuellen Adlmüller Stipendium ausgezeichnet, und Shootingstar George Bezhanishvili erhielt den erstmals vom Peng! Magazin vergebenen Editorial Award.

Franziska Fürpass: "mo(nu)ment" Franziska Fürpass: "mo(nu)ment"

Von den vierten und den Diplom-Jahrgängen fand ich Bezhanishvili, der sich mit seiner Kollektion Jheronymus auf ein Tryptichon des frühen niederländischen Meisters Hieronymus Bosch bezieht mit seinen satten, bunt gemusterten und recht nobel wirkenden Materialien wiedermal bemerkenswert.

Aus Franziska Fürpass‚ sehr klarer, sachlich-eleganter Kollektion mo(nu)ment hätte ich bitte gerne das violette Seidenkleid, das ich leider nicht schaffte zu fotografieren.


Christina Steiner: „RORA“


Ba Toan Nguyen: „1020“

Veronique Branquinho ist es gelungen keine Adepten auszubilden, sondern indivduelle Persönlichkeiten, die ihre Sprache entwickeln. Ich bin schon sehr gespannt, was sich mit Bernhard Willhelm verändern wird.

EDIT 12.6.: Foto des violetten Kleides (mit grauem Mantel) nebst vielen anderen professionellen Bildern soeben hier gefunden.

Wieviele Modemagazine sind genug?

Die österreichischen Modemagazine peng!, Indie, Vernis

Neben Schuhen kann man nie genug Modehefte haben, finde ich. Und da tut sich ja auf dem österreichischen Markt seit einiger Zeit viel. Die letzten Ausgaben von peng!, Indie, Vernis, flair und 1st liegen gerade bei mir zu Hause, und ich stelle mir die Frage: Wie (lange) werden sie es schaffen, zu überleben? Wenn ich mir den Anteil an Inseraten pro Heft so ansehe, schaut die Lage wie folgt aus:

Am besten steht aktuell flair da. Die Juli/August Doppelnummer mit diesmal gelungenem Mix aus Internationalem und Österreich-Bezug  bringt es auf 15% Inseratanteil. Das quartalsweise publizierte Indie, das ebenfalls international, jedoch mehr in Richtung modischer und musikalischer Avantgarde unterwegs ist, hat 13% Inserate. Es folgt das ebenfalls vierteljährliche, inhaltlich wie visuell recht ambitionierte – Siemensstern als Cover! – Magazin peng! mit 12,7%.

Überraschenderweise kommt erst danach mit 12,5% der Mode- und Gesellschaftstitel der News-Gruppe 1st. Das edel wirkende Großformat mit gleich vier erstklassigen, zielgruppenrelevanten Covermodells aus dem Wiener Gesellschaftsleben glänzt mit Placements im redaktionellen Umfeld ganz besonders (ebenfalls Sommerdoppelausgabe), steht damit aber keineswegs alleine da.

Gleich dahinter schafft es die Sommernummer des zwei Mal pro Jahr herausgegebenen Kunst-/Musik-/Modehefts Vernis immerhin noch 12 Prozent. Diesmal übrigens mit einer ausgesprochen hübsch gecasteten Tecktonik Geschichte.

Zum Vergleich: Die deutsche Vogue, Ausgabe August kommt auf 33,3% Inserate, ihre amerikanische Schwester oft auf über 60%. Aber das ist auch die Hohe Schule der gelungenen „Abstimmung“ zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung. Gezählt habe ich in allen Ausgaben ausschließlich ganzseitige Inserate im Verhältnis zur Gesamtseitenanzahl inklusive Umschlag, keine kleineren Annoncen wie auch keine redaktionellen Platzierungen.

Die genannten österreichischen Beispiele liegen also verdammt nahe beisammen, und an heimischer und erst recht grenzüberschreitender Konkurrenz herrscht kein Mangel. Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht.

Immerhin gibt’s jede Menge zum Schauen und Blättern in bislang ungewohnter Vielfalt und hoffentlich Jobs für viele AuthorInnen, StylistInnen, Modells, FotografInnen, die auch ein fruchtbares Umfeld für innovatives österreichisches Modedesign schaffen.

Edit (5.8.08): Das Magazin peng! erscheint nicht halbjährlich, sondern vierteljährlich, wurde auch oben korrigiert. Danke an Roman für den Hinweis!