Als Givenchy die Hepburn anzog

Givenchy hatte den Film angezogen. Damals war das noch sehr damenhaft, das war kurz vor Courreges, den Hippies und dem Minirock und den Jeans. Das ist noch – wie soll ich sagen – eine sehr konventionelle Welt mit einem sehr anständigen Humor.

Karl Lagerfeld stellt in seiner Kurzeinführung Charade, den Abschlußfilm der Arte Fashionweek in einen modehistorischen Zusammenhang.

Die anständige Dame trug damals (1963) unterwegs noch stets Hut und Handschuhe, Tasche und Pumps hatten selbstverständlich die selbe Farbe zu haben. Und der männliche Part des Filmpaares Audrey Hepburn und Cary Grant konnte ohne weiteres 26 Jahre älter sein als sie.

Charade (1963):
Stanly Donen (Regie), mit Audrey Hepburn, Cary Grant, Walter Mattau, James Coburn u.a.
Kostüm für Audrey Hepburn: Hubert de Givenchy

London: 30 Years of Japanese Fashion

Nach ein paar Tagen in London bin ich wieder einmal schwer begeistert vom Ausstellungsangebot dieser Stadt.  Die Relevanz der Themen und Exponate, brillante Inszenierungen und eine ganz selbstverständliche Wissenschaftlichkeit zusammen mit einfallsreichen Begleit-Events machen einfach Freude und Vergnügen.

Mein persönliches Highlight aus gerade mal vier (!) parallelen Modeausstellungen war Future Beauty: 30 Years of Japanese Fashion.

Die Schau widmet sich erstmals in Europa der japanischen Mode-Avantgarde seit den frühen Achzigern, als Visionäre wie Rei Kawakubo, Issey Miyake oder Yohji Yamamoto die Pariser Modewelt sprichwörtlich aufmischten.

Asymmetrien, Dekonstruktion, ein radikal anderer Zugang zu Schnitt und Körper, der weibliche Formen oft eher verfremdet als betont, waren damals und sind noch immer ungewöhnlich und faszinierend.

Mittels perfekt präsentierter Originalmodelle, Showvideos, Interviews, Fotos, Magazinen entwickelt die Ausstellung sowohl thematische als auch biografische Stränge über die letzten 30 Jahre bis in die Gegenwart. Absolute Empfehlung für alle, die vor dem 6. Februar in London sind!

Ausserdem ist ein exzellenter Katalog (Merrell Publishers) erschienen. Die Beiträge kommen u.a. vom Kurator und Direktor des Kyoto Costume Institute Akiko Fukai oder auch der wunderbaren Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken, die vor nicht allzu langer Zeit beim Symposium Fashionable Queens in Wien zu Gast war.

Der eigens produzierte Soundtrack von Janek Schaefer mit dem Titel Unfolding, der die Inszenierung in der Barbican Art  Gallery akustisch abrundet, steht übrigens hier zum Download bereit.

Future Beauty: 30 Years of Japanese Fashion
Barbican Art Gallery, London
Noch bis 6. Februar 2011

Liebe österreichische Museen und AusstellungsmacherInnen! Kann man diese Schau bitte nach Wien holen?

Fashionable Queens: Interview mit Initiatorin Monika Seidl

Das wissenschaftliche Symposium Fashionable Queens. Body, Power, Gender ist bereits in vollem Gange. Und seit gestern gibt’s auch ein Interview, das ich mit Intiatorin Monika Seidl für AUSTRIANFASHION.NET geführt habe online.

Monika Seidl bietet als Professorin am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Wien schon seit einiger Zeit Lehrveranstaltungen mit Bezug zu Mode und Dresscodes an und erzählt über das Symposium sowie die Bedeutung von Mode in der Gesellschaft.

Fashionable Queens. Body – Power – Gender
Internationales Symposium
Campus der Universität Wien, Hof 8, Institut für Anglistik (Unterrichtsraum)
Spitalgasse 2-4, 1090 Wien
Freitag, 3. Dezember 2010, 9:30 bis 18:30 Uhr
Samstag, 4. Dezember 2010, 10 – 18 Uhr

Internationales Symposium: Fashionable Queens

Darauf freue ich mich schon: Monika Seidl (Institut für Anglistik) und Eva Flicker (Institut für Soziologie) laden Anfang Dezember zum Symposium Fashionable Queens.

In der interdisziplinären Tagung wird es um das Königliche in der Mode aus kulturwissenschaftlicher und soziologischer Sicht gehen – nicht unbedingt historisch betrachtet, sondern um Formen von Herrschaftsinszenierung, Jet-Set Queens, First Ladies oder auch „Star“-Modeblogger.

Wir haben Kultur- und Sozialwissenschaftlerinnen hauptsächlich aus Grossbritannien (St Martins College, Victoria and Albert Museum, London College of Fashion) und auch aus dem deutschsprachigen Raum eingeladen (Konferenzsprache ist Englisch), aber der Österreichbezug kommt nicht zu kurz: Die Modeschöpferin Susanne Bisofsky wird unsere Tagung mit Installationen begleiten, Irene Weinfurter wird Slowfood servieren und Stephan Hilpold vom Standard wird einen Vortrag halten.

Monika Seidl

Das klingt nach feinem Futter für Kopf, Bauch und Herz.

Fashionable Queens. Body – Power – Gender
Internationales Symposium
Campus der Universität Wien, Hof 8, Institut für Anglistik (Unterrichtsraum)
Spitalgasse 2-4, 1090 Wien
Freitag, 3. Dezember 2010, 9:30 bis 18:30 Uhr
Samstag, 4. Dezember 2010, 10 – 18 Uhr

Pierre Cardin einst und jetzt

Paris ist wirklich ein wunderbarer Ort für allerlei modehistorische Streifzüge. Spuren sind scheinbar überall zu finden. Und wenn die Vermieterin dann auch noch ein paar feine Modebücher in ihrer Bibliothek stehen hat…

Die Adresse ist noch die selbe. Die Boutique Pierre Cardin befindet sich nach wie vor in der Rue Faubourg Saint-Honoré Nummer 59. Im Schaufenster haben die leicht ramponiert wirkenden und verstaubten Puppen im Pariser August 2010 etwas an, das mich zunächst an Arbeitskleidung denken ließ. Und tragen Sonnenbrillen, die ich das letzte Mal auf einer Techno-Party im Wiener Gasometer gesehen habe – vor dem Umbau wohlgemerkt.

Der weit über 80-jährige Pierre Cardin ist begnadeter Unternehmer, Erfinder des Lizensierens und eine der reichsten Personen Frankreichs, der Rest ist Modegeschichte.