Modegeschichte: Martin Margiela

Jean Paul Gaultier bezeichnet ihn in der Dokumentation Fashion! als den besten Assistenten, den er je hatte: Martin Margiela, dessen clevere PR-Strategie es später wurde, nicht in Erscheinung zu treten.

Die hervorragende und ganz aktuelle, dreiteilige Dokumentation von Olivier Nicklaus ist auf DVD erschienen und wird am 2. Dezember auf Arte wiederholt!

Foto aus: La Mode 89/90, Dominique Brabec, Martine Silber, La Manufacture, Paris 1989.

Maison Martin Margiela: Das Oeuvre ist komplett

Seit Margiela auch offiziell nicht mehr Margiela ist, haben die Diskussionen um den Anteil des Gründers an den ohnehin schon länger vom Diesel-Konzern produzierten Kollektionen ein Ende, die Modewelt stellt sich langsam aber sicher auf die Tatsache ein, dass das Werk beendet ist. Und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Quasi die Vollendung – und wenn’s gut geht meist auch Cash-Cow jedes Modeunternehmens – wurde Mitte Jänner in Paris präsentiert und letzte Woche exklusiv bei Colette pre-gelauncht: Das Parfum.

Den, wie man in der Fachsprache sagt, grünen Duft – die Idee dazu stammte wohl noch vom Meister persönlich – kreierte Nase Daniela Andrier, die auch für Pradas L’Eau Ambrée verantwortlich zeichnet. Als Name wählte man origineller Weise „(untitled)“.

Welche Linien Diesel langfristig weiterführen wird, ist noch nicht ganz klar. Der Vergangenheit gehört aber jedenfalls die authentische Artisanal Collection an, einer Art Haute Couture Version von Martin Margiela. Auch in dieser Hinsicht ist also das Oeuvre ist komplett. Vorbereitungen für eine erste große Versteigerung von 1000 (!) Sammlerstücken laufen schon.

Und auch so manche Boutique wird sich demnächst vom Label Margiela verabschieden und ihr Sortiment auf etwas anderes umstellen. Vielleicht auf einen anderen Belgier…

  • Ausführliche Parfum-Review sowie Infos zur Duftkomposition bei The Scented Salamander
  • Empfehlenswerter Artikel u.a. zum Thema Margiela-Versteigerung in der NY Times

Maison Martin Margiela: White Objects

Maison Martin Margiela, Kollektion 13, Videostill

Unter der  Nummer 13 versammelt das Haus Margiela seit 1999 Objekte und Publikationen. Sie spiegeln die, durch die Nicht-Farbe Weiß geprägte Identität der Margiela Shops und Verkaufsflächen wider und eignen sich für den gepflegten Heimgebrauch.

Maison Martin Margiela, Kollektion 13 bei Song, Wien

Im Wiener Avantgardeladen Song gibt es einen autorisierten, ziemlich weißen Margiela Raum. Und gerade richtig für den Weihnachtseinkauf die White Objects aus der Kollektion 13.

Was fehlt jetzt eigentlich noch in der Margiela Produktpalette? Richtig! Ein Parfum. Genau das steht natürlich schon längst auf der Liste von Eigentümer Renzo Rosso (Diesel Konzern). Kosmetikgigant L’Oreal – bereits auch für die Dieselparfums verantwortlich zeichnend – sollte da schon seit einem Weilchen dran sein.

Es heißt, die Entwicklung eines erfolgreichen Duftes dauert mindestens ein Jahr. Der Deal mit L’Oreal wurde Mitte 2008 bekannt gegeben. Wie riecht eigentlich Weiß?

Margiela ohne Margiela

Maison Martin Margiela Ritzung, Bild: Agenda Inc.

Lucian James, Branding Consultant und Gründer der Agentur Agenda Inc. hat für The Business of Fashion eine ausgezeichnete Analyse über die Entwicklung des Hauses Margiela seit der Übernahme durch die Diesel Gruppe, den Ausstieg des „unsichtbaren“ Designers Martin Margiela im heurigen Frühjahr und die damit verbundenen Probleme in der Positionierung des Luxus-Brands verfasst. Absolut lesenwert!

Bild Agenda Inc. via BOF