Neues blüht aus den Ruinen: Marc Jacobs SS2014 und Chanel HC FW2013/14, Video-Review

Ich muss noch immer an die Marc Jacobs Show letzte Woche denken. Eine irgendwie düstere und doch kostbare Welt, in der die Models – allesamt mit den gleichen cool zerfledderten, aschblonden Bob-Perücken ausgestattet – ihre Runden drehten, offenbarte sich da im Video-Stream.


Zielstrebig und allen Widrigkeiten trotzend ist der Blick, mit dem die Mädchen sicheren Schrittes – flache Schuhe, endlich! – den Ort des Geschehens, das historische 69th Regiment Armory in Midtown Manhattan durchmessen. Auf dem Boden: jede Menge Orient-Teppiche, schräg darübergelegt sandig-staubig glitzernde Stege. Als Kulisse fungieren Versatzstücke früheren Strandlebens an einer Endzeit-Küste. Akustisch wird das Geschehen von einer kurzen Schrecksequenz aus dem Weißen Hai eingeläutet und dann folgt Icct Hedral von Aphex Twin/Philip Glass, eine gleichermaßen unheimliche wie schöne Komposition.

Was da vor sich geht, ist ein faszinierendes Zusammenspiel von Gegensätzen, das seine Kraft aus der Inszenierung des Vergangenen, Ruinösen bezieht: Eine Kollektion für den Sommer, die aus fast aussschließlich aus dunklen Farbtönen und ganz viel Schwarz besteht, ein Mash-Up aus Sportswear-Schnitten und viktorianischen Zitaten, gleichzeitig heutig wie historisierend. (Das kann ja was werden, wenn die Fast Fashion Produzenten darüber herfallen.)

Aber nicht nur bei Marc Jacobs setzt man auf eine verfallene Szenerie, um die Perfektion der Silhouetten durch die Kontrastierung mit einer unvollständigen, versehrten Umgebung zu überhöhen. Auch Karl Lagerfeld arbeitete bereits bei der Chanel Haute Couture Show knapp drei Monate vorher mit Ruinen-Elementen, aus denen neues Leben/eine neue Kollektion erwacht. Models mit Charakter, wie etwa Jacobs‘ Muse (!) Jamie Bochert, steigen hier in einem scheinbar zerstörten Theater von der Bühne in den Zuschauerraum hinab und führen eine super lässig elegante Haute Couture, die ganz Chanel ist, vor.


Klassiker wie die handgewebte Woll-Bouclé-Jacke sind in so vielen Varianten zu sehen, dass man das Gefühl bekommt, als ziehe da mindestens ein halbes Jahrhundert Lagerfeldscher Kunst komprimiert in einer einzigen Kollektion vorbei. Chanel Remixed und dabei immer ganz im Hier und Jetzt.  

Aus den Bruchstücken der Vergangenheit sprießt also das Neue, doch während Jacobs mit einem eher dunklen, schummrigen Prunk liebäugelt, ist Lagerfelds Welt hell erleuchtet. Das gleißende Tageslicht fällt gnadenlos auf die grauen Trümmer der Krise, die da malerisch im Pariser Grand Palais herumliegen. Am Bühnenhorizont zeigt sich gar eine neue, modernistische Stadt. Der Vorhang schließt sich. Ganz großes Theater in beiden Fällen.

Karl: Face to Face

Zum weltweiten Launch der Karl Kollektion am 25. Jänner hat Net-A-Porter ein nettes Video produzieren lassen: Der großartige Karl Lagerfeld interviewt Karl Lagerfeld. Überhaupt sind viele nette Ideen in die – auch schon auf der Konferenz Le Web angeteaserte – Karl Kampagne eingeflossen: etwa das Gerücht, die Kollektion sei verschwunden wie auch vermeintlich geheimnisvolle Cubes, die in verschiedenen Städten auftauchten.

Die netten Storys laufen seit Dezember auf der Net-A-Porter Website im „Nachrichtensender“. Wirklich Spaß hat das aber nicht gemacht, zu glatt und aufgesetzt wirkte das Ganze. Da hilft auch keine Augmented Reality App. Dementsprechend sehen auch die Zugriffe aus: Magere 2233 Views nach etwas mehr als einem ganzen Tag (Stand: 26.1., 18:40 Uhr), obwohl das Video gut gelungen und wirklich amüsant ist.

Und die Mode? Da empfehle ich doch lieber einen Blick auf die – ebenfalls am 25. Jänner gezeigte – Chanel Haute Couture Show Spring Summer 2012 zu werfen. Karl at his best.

Lagerfeld Cover für Wallpaper Magazin

Love, UK, Ausgabe 2 2009, Cover mit AlexLove, UK, Ausgabe 2 2009, Cover mit Coco

Der Magazin-Multi-Cover-Marketing-Gag greift geschäftstüchtig in stetig steigender Konzentration um sich. Nachdem ich letztens schon beim Erwerb des wunderbaren, quasi ID-Spin-Offs Love Magazine – Ausgabe 2 gibt’s jetzt endlich auch im verträumten Österreich zu kaufen, nachdem wir ja den Start verpennt haben – ziemlich zwischen Coco und Alex hin- und hergerissen war – dreimal dürft ihr raten, wer dann den Zuschlag erhalten hat – und mir die deutsche Jubiläumsvogue dann gleich mit drei Versionen die Entscheidung schwer zu machen versuchte, wurde nun auch noch das mehr auf Interieur spezialisierte Wallpaper in zwei verschiedene Titelblätter eingekleidet.

Wallpaper Cover von Karl Lagerfeld Wallpaper Cover von Philippe Starck

Karl Lagerfeld – eben noch neben Peter Lindbergh und Bruce Weber für die 30 Jahre feiernde Vogue im Einsatz –  gestaltete dafür einen originellen Striptease mit Model Baptiste Giabiconi, und Philippe Starck bemühte sich um ebenso Grundsätzliches, nämlich Fragen der Evolution. Beides lädt zum Rumspielen ein wie man sieht. Wenn das keine Sammlerstücke werden…

Bilder: Love, Wallpaper

The Simpsons go to Paris with Linda Evangelista

Wow, die Marketing-Aktivitäten zum Simpsons Film haben’s in sich. Erst die virale „Vandalized with Donut“-Kampagne und jetzt das: Der Simpsons Illustrator Julius Preite hat für die Augustausgabe von Harpers Bazaar eine Modestrecke gezeichnet, in der die Simpsons neben Linda Evangelista als Models auftreten. Sie zeigen reale Kreationen u.a. von Chanel, Viktor & Rolf, Luis Vuitton, und Marge trägt für Versace sogar ihr Haar offen!

Simpons & Karl Lagerfeld Chanel Kleid für Marge

Mehr bei Notcot, Ohnotheydid’nt oder Londonfashiongirl. Check it out!