„Celebrating fashion and technology“: Lagerfeld & Massenet bei Le Web

Während der vergangenen drei Tage fand in Paris die Le Web statt,  eine der größten Internet-Konferenzen mit einer beeindruckenden internationalen Speakers-Liste und Themen, die sich um Technologien, Trends, Innovationen, Social Media oder Start-Ups drehen. Auf den ersten Blick nicht unbedingt eine Zielgruppe für eine neue Modelinie.


Wenn dahinter jedoch die Namen Lagerfeld und Net-A-Porter stehen, sieht die Sache schon eher nach genialer Kommunikations-Strategie aus. Und so verkündeten Net-A-Porter-Gründerin Natalie Massenet und Meister-Createur Karl Lagerfeld persönlich gleich am Beginn des ersten Tages den offiziellen Start des neuen Fashionbrands Karl.

Der Launch der 100 Teile starken Kollektion wird am 25. Jänner 2012 zunächst ausschließlich online exklusiv auf Net-A-Porter stattfinden. Und nach dem Motto „there is no reason that cheap things are poorly designed,“ sollen die Preise zwischen 60 und 350 Euro liegen.

Eine globale Marke für einen globalen Massenmarkt vom Start weg, das ist schon eine gewaltige Herausforderung. Und die will man ohne den Umweg über die traditionellen Kommunikations-Wege (Show, Presse, Messen) angehen und Konsumentinnen direkt ansprechen. Die Lieferung soll innerhalb 24 Stunden erfolgen. Weltweit. „Things are most interesting that haven’t been done before… the way (this business runs) is totally the way of the 21st century, “ so Lagerfeld.

Nach Kick-off und erstem großen Buzz bei Le Web werden in den kommenden Wochen nach und nach die verschiedenen Launch-Aktivitäten ausgerollt, und da darf man sich mindestens State-of-the-Art Digital Advertising und Social Media Kampagnen erwarten. Karl’s Kult lautet schließlich das Ziel, Augmented Reality und eigene Apps inklusive. Derweilen kann man sich bei Net-A-Porter oder auf karllagerfeld.com für Updates registrieren (karl.com scheint momentan noch in Entwicklung zu sein).

Looks werden bis zum Jänner wohl eher in kleinen, gezielten Häppchen verteilt werden. Neben einem Teaser-Video kursiert jetzt immerhin ein erstes Outfit-Foto. Versatzstücke aus dem persönlichen Repertoire von Karl Lagerfeld wie hohe Krägen oder die fingerlosen Lederhandschuhe sind da zu sehen in Nichtfarben wie Schwarz, Weiß oder Silber.

Und noch einer „very stimulating challenge“ stellt sich das Modegenie:  Der Online-Launch von Karl findet nämlich am selben Tag statt wie die Chanel Haute Couture Show „which is the most expensive in the world“.
„The two ends of what fashion and cloths (are) all about“ – der Luxus einer vergangenen Epoche und ein innovatives Vermarktungsmodell werden zeitgleich in die Welt gesetzt.

Zitate: Livestream Le Web

Maison Martin Margiela: Das Oeuvre ist komplett

Seit Margiela auch offiziell nicht mehr Margiela ist, haben die Diskussionen um den Anteil des Gründers an den ohnehin schon länger vom Diesel-Konzern produzierten Kollektionen ein Ende, die Modewelt stellt sich langsam aber sicher auf die Tatsache ein, dass das Werk beendet ist. Und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Quasi die Vollendung – und wenn’s gut geht meist auch Cash-Cow jedes Modeunternehmens – wurde Mitte Jänner in Paris präsentiert und letzte Woche exklusiv bei Colette pre-gelauncht: Das Parfum.

Den, wie man in der Fachsprache sagt, grünen Duft – die Idee dazu stammte wohl noch vom Meister persönlich – kreierte Nase Daniela Andrier, die auch für Pradas L’Eau Ambrée verantwortlich zeichnet. Als Name wählte man origineller Weise „(untitled)“.

Welche Linien Diesel langfristig weiterführen wird, ist noch nicht ganz klar. Der Vergangenheit gehört aber jedenfalls die authentische Artisanal Collection an, einer Art Haute Couture Version von Martin Margiela. Auch in dieser Hinsicht ist also das Oeuvre ist komplett. Vorbereitungen für eine erste große Versteigerung von 1000 (!) Sammlerstücken laufen schon.

Und auch so manche Boutique wird sich demnächst vom Label Margiela verabschieden und ihr Sortiment auf etwas anderes umstellen. Vielleicht auf einen anderen Belgier…

  • Ausführliche Parfum-Review sowie Infos zur Duftkomposition bei The Scented Salamander
  • Empfehlenswerter Artikel u.a. zum Thema Margiela-Versteigerung in der NY Times

Bruno Pieters schließt

Was macht Bruno Pieters? Nachdem er bereits vergangenen Herbst die Kreativdirektion bei Boss Orange zurückgelegt hat, schließt er nun auch sein eigenes, seit neun Jahren bestehendes Label.

Kollektionsteile aus dem Archiv werden beim Antwerpener Konzeptstore RA13 – auch online! – verkauft. Mit dem Erlös soll laut Vogue UK eine indische Wohltätigkeitsorganisation für Kinder unterstützt werden.

Tom Ford macht wieder Damenmode

Bild: Screenshot Tom Ford Website

Der Mann hat eine so starke Erfolgsstory, dass einem fast schwindelig wird. Und jetzt sucht Tom Ford angeblich nach Investoren für eine Damenmodenlinie.

Mich wundert nur, dass anscheinend die Sperrfrist, seinen Namen für die Vermarktung von Damenmode verwenden zu dürfen, schon abgelaufen ist.

Pelzmodenschau Liska

Liska Modenschau Liska Modenschau Liska Modenschau

Das exklusive Pelzmodenhaus Liska führte heute in der Aula der Akademie der bildenden Künste Wien seinen Kundinnen und Kunden das aktuelle Pelzangebot vor. Am Laufsteg sah man edle – zugegeben erstklassig verarbeitete, aber eben tote Tiere sowohl aus der eigenen Kürschnerei als auch aus internationalen Kollektionen.

Die Eigenkreationen stammen erstmals vom 24-jährigen Oberösterreicher Thomas Kirchgrabner. Die Liste der einzelnen Modelle läßt das Publikum allerdings im Dunklen darüber, was da von wem entworfen wurde. Da heisst es nur: „Breitschwanzpersianerkleid“, „tiefgeschorener Nerzswinger mit Fuchskragen“ oder auch ganz schlicht „Zobeljäckchen“.

Liska Modenschau: Modell-Liste Liska Schluß-Defilee

In der Frontrow treffen alle möglichen Varianten an operierten Nasen und Brüsten, mehr oder weniger gelungene Gesichtskorrekturen und Facelifts in einer Häufung aufeinander, die sonst eher selten zu beobachten ist. Und irgendwie passt das ja auch recht gut zusammen mit der Kürschnerei finde ich: Da besteht eine gewisse Verwandtschaft im Zusammenhang von Leiden und der Definition von Schönheit.

Hier ein Kurzvideo vom Finale der Liska-Show:


Und – quasi zum Ausgleich – hier der Anti-Pelz-Klassiker von 1989:


Bei Humana habe ich übrigens neulich eine blau gefärbte, echte Fuchspelzjacke gesehen. Ich frage mich gerade, wie ok das ist…