Bruno Pieters verlässt Hugo Boss

Hugo Damenkollektion Herbst/Winter 2009, Screenshot Website Hugo Boss

Brauchbare Business Mode für Frauen, die sich nicht mit dem madamig tussigen Kunstseidenrüschenblusenlook à la Zara und Mango abspeisen lassen wollen. Dachte ich grade noch. Und schon ist’s wieder vorbei damit.

Bruno Pieters verlässt nämlich laut Stephan Hilpold nach knapp zwei Jahren Hugo Boss, wo er für die Linie Hugo verantwortlich zeichnete.

Verantwortlich dafür dürfte der mäßige Erfolg von Pieters Damenkollektionen gewesen sein. Zu unweiblich war das Verdikt, zu fern vom durchschnittlichen Geschmack der Hugo-Kundin.

so Hilpold. Gut möglich. Vielleicht hätte man aber mit einer entsprechenden Kommunikationsstrategie damit auch neue Zielgruppen ansprechen können. Immerhin ist es auffällig, dass sich online zwar massenhaft Bilder und Berichte über die Männerkollektionen finden, aber nur sehr wenig über die Damenlinie. Schade.

Aber ein, zwei Anwärterinnen für die Nachfolge wüsste ich schon, Hugo Boss könnte ja mal rübergucken zu uns…

Mann-oh-Mann

Alexander hat mich mit dem Kommentar zu meinen „Hosen mit Geschichte“ dazu gebracht, hier wieder mal meine Verwunderung auszudrücken: Männer und Mode, das ist etwas, was oft nicht gut zusammenfindet. Ich verstehe also die Männer nicht.

In den ersten sechs Monaten Liebestaumel ist die Kleiderfrage noch nicht wirklich relevant geworden. Trafen mein (Lauf)Freund und ich doch nur im Trainingsgewand, Hauskleid oder Pyjama aufeinander. Heute allerdings, spüre ich Erleichterung darüber, dass er auch angezogen sehr gut aussehen kann. Und immer noch, halte ich ihn im Anzug nicht gut aus. Was ich noch weniger aushalte ist, dass der Mann mit zwei Anzügen und zwei Paar Schuhen im Berufsleben sein Auslangen findet.

Ich weiß, das ist ein alter Hut! Auch mein Ex hat erst Neues akzeptiert, wenn das Bewährte bereits definitiv in Auflösung begriffen war. Ich erinnere mich gut daran, wie ich oft ratlos und mit durchlöcherter Unterhose bewaffnet bei H & M herum irrte und Bundweiten verglich! Dagegen hat der Sportsfreund mehrere Dutzend Unterhosen und mindestens dreißig Shirts vorzuweisen. Von Hemden, Socken, Krawatten und Schuhwerk will ich gar nicht reden. Alles exklusive Marken, angefangen mit Hugo Boss bis D & G etc. Nur heutzutage, wo er an mich gekommen ist, übt er sich in Konsumverweigerung. Nicht einmal für den Job will er investieren…

Und weil das Gegenüber und ich uneinig sind, wer von uns schlank(er) sei, habe ich ihn gestern gezwungen, sich in meine engste Röhrenjeans zu zwängen. Leider ist es ihm, trotzdem er zwanzig (!) Kilo mehr auf die Waage bringt, gelungen. Und ich will euch sagen – er hat wirklich sexy ausgesehen! Wir Frauen haben’s doch auch sehr gern, wenn ein Mann herzeigt, was er hat! Überhaupt, warum sollen immer nur wir weibliche Wesen als Sexsymbol herhalten und uns demgemäß stylen? Mein alter Freund, seines Zeichens Ungar und Philosoph, hat mal gesagt: Eine Frau in Stöckelschuhen, ist für einen Mann ein Sonnenstrahl im Nebel. Also, wo sind unsere Sonnenstrahlen, wenn es schon um fünfzehn Uhr dunkel wird? Männer traut euch! Mut zur Mode!

Mein wunderbarer Waschsalon

Also, jetzt kennen wir einander seit fast zwei Monaten. Und am Samstag brachte mir dieses unglaubliche Exemplar seine Wäsche! (Ja, ja, er hat keinen Kühlschrank – hat er doch, aber der ist dauernd ausgesteckt – und keine Waschmaschine.) Die vorerst noch schüchterne Anfrage, ob er bei mir ein paar Unterhosen waschen darf, habe ich selbstverständlich und blauäugiger weise mit Ja gerne! beantwortet. Er kam mit einem Rucksack voll, besser gesagt, der gesamten Wäsche seit Jahresbeginn! Ich wusste gar nicht, dass es Männer gibt, die so viele Unterhosen und Socken besitzen. (Immerhin weiss ich jetzt, dass er Boss, D&G und nicht zuletzt Bruno Banani als Unterhosenfabrizierer schätzt!)

So wurden es zwei Maschinen und die letztere durfte ich schon allein erledigen… Dieser Mann hat mir allerdings die zusätzliche Hausarbeit mit Charme verkauft: Es sei ja auch ein Vertrauensbeweis, mir die Wäsche zu überlassen. Da musste ich das zweite Mal schlucken! Sicher, ich bin schon sehr interessiert an seiner Unterwäsche, aber sie zu waschen, war ziemlich das Letzte, was ich mir erträumt hatte. Also, was ist eigentlich los mit mir?

Aufgewachsen mit und erzogen von quasi zwei Müttern ohne jegliche väterliche Autoritätsperson denke ich doch, dass ich einige Markpfeiler des Feminismus mit der Muttermilch mitbekommen habe. Trotzdem tappe ich immer wieder in diese chauvinistischen Fallen. Ich bekoche den Mann meiner Träume, wasche seine Wäsche und versuche auch in anderen Belangen gefällig zu sein… Da drängt sich die leidige Frage auf: Ist mir das Hirn in die Hose gerutscht? In der letzten, längeren Beziehung ist es bis zur Geburt unseres Sohnes gelungen, dem Partner zumindest annähernd die Hälfte der Hausarbeit zuzuschieben. Einkaufen, Wäsche und Kochen blieb sowieso sehr schnell an mir hängen. Doch als dann die Karenzzeit begann, war es klar: Die Mutter bleibt zuhause, verzichtet auf die Karriere und widmet sich gefälligst der Hausarbeit.

Naja, ich will nicht zu laut klagen, der Anzugträger bringt viel Wunderbares in mein Leben. Und selbst dieses eminente Verliebtheitsgefühl schafft es nicht, sämtliche Warnsignale ausser Kraft setzen: Der Traum von Gleichberechtigung ist für mich noch lange nicht ausgeträumt! Vielleicht darf er ja demnächst meine Wäsche besorgen…