Remake/Remodel: Maison Martin Margiela Artisanal Collection

Während der Pariser Haute Couture Schauen präsentierte das Haus Martin Margiela seine unglaubliche „Artisanal Collection“. Vinylplatten werden zu riesigen schuppenartigen Pailletten umfunktioniert, Tragegriffe von Plastiksackerln mutieren zu interessanten Ausschnittvarianten, und aus Luftballons läßt sich offensichtlich auch anderes, als Hündchen formen. Rote Seidenhemden werden zu einem Top verstrickt, dafür schmiegen sich Woll-Stränge scheinbar lose an den Körper.

Maison Martin Margiela: Artisanal Collection, Vinylkleid Maison Martin Margiela: Artisanal Collection, Luftballonoberteil

Fotos via Filep Motwary

Wieviele Fragestellungen können wohl anhand der kunstvoll gearbeiteten Stücke besprochen werden? Von der widersprüchlichen, filigranen Nachhaltigkeit über die meisterliche Ironie gegenüber der traditionellen Haute Couture bis zum Fragmentarischen in der Kunst – da ließe sich lange schwafeln. Remake/Remodel, der alte Roxy Music Song, fällt mir dazu ein. Ob sich wohl ein Bruchstück der Single am Paillettenkleid findet?

Mehr Bilder und Beschreibungen der einzelnen Modelle bei:

Opernball „live“

Lange nicht gesehen: Franz Blumauer Desi und Franz Blumauer besprechen DAS Kleid

Franz Blumauer entwirft Das Kleid

Vorher:
Das Kleid von Desiree „Desi“ Treichl-Stürgkh kommt – wie sich unschwer recherchieren läßt – von Mode- und Kostümdesigner Franz Blumauer. Der Grund laut Blogkollegin Knecht: „Er exponiert sich nicht medial.“ Eine Frau, die auf jedem einzelnen Cover der von ihr herausgegebenen Wohnzeitschrift abgelichtet ist, braucht vermutlich einen gewissen Ausgleich. Blumauers Defilees in seinem wunderschönen Salon in der Wiener Innenstadt sind Legende, und er ist vielleicht der einzige in Wien, für den die Bezeichnung Couturier wirklich zutrifft.

21:09, ORF 2, Die Vorbereitungen:
Während mir Moderatorin Barbara Rett in ihrem etwas provinziellen „türkisen Meerjungfraukleid“ noch immer leid tut, wie sie da blass und frierend vor einer halben Stunde neben dem neuen roten Teppich vor der Staatsoper im Freien stand, schenkt der öffentlich-rechtliche Sender dem Opernball und uns ZuseherInnen einen faden Unternehmens-0815-Imagefilm. Ein langweiligeres „Making-of“ wird man nicht leicht finden. Bei den 32.000 Rosen, die nona – Euro 08 schau oba – nach verschiedenen Rottönen ausgesucht sind, mache ich ein kurzes Nickerchen.

Barbara Rett in Aktion Barbara Rett sichtlich erholt und frisch gepudert nach dem Kälteschock draußen

Toi toi toi, Desi! Desi’s Start: Sichtlich nervös

22:03, ORF 2, Die Eröffnung:
Frau Rett hat sich erholt, Frau Treichl wirkt fast rührend aufgeregt. Das herrlich chaotische Gedränge auf der Hauptstiege nicht mehr zu zeigen, war jedenfalls nicht die richtige Entscheidung finde ich. Zu glatt, zu kühl, zu inszeniert wirkt jetzt alles.

Fürnkranz, Tang de Hoo und die Wiener Couture

Bunte Barbie-Show von Tang de Hoo bei Fürnkranz

Bei Fürnkranz träumt man davon, Wiens große Couture der 50er und 60er wieder aufleben lassen. Thang de Hoo, ehemals bei Liska und seit letztem Herbst bei Fürnkranz Kreativdirektor, will offensichtlich mit Modellen im Barbie-Format die Nachfolge eines Fred Adlmüller angehen. Er hat keinen schlechten Ruf, was konservative Ballroben betrifft. Und offenbar keine Angst, seinen Ruf mit einer Sparsamkeit, die zu schrecklich originell-provinzieller Inszenierung führt, aufs Spiel zu setzen.

Schon sehr sparsam: “Gutscheinmuster? als Schwarz/Weiß-Kopie

Wer allerdings den Boulevard – in Gestalt von ORF und oe24.at – mit der Publikumswahl des Opernballkleides für Moderationsdebutantin Claudia Stöckl hinter sich weiß, hat fein träumen. Die paar Gratiskleider sind gut investiert.

“Welches Ballkleid gefällt Ihnen am besten?? auf orf.at

Skeptische Gemüter könnten jetzt vermuten, dass das Marketing-Budget dann halt nur noch für’s Barbie-Schaufenster reichte. Und ein bisschen boshaftere könnten meinen, daß ein Seidenfutter noch lange keine Haute Couture macht.