Departure Fashion Night 2010 mit Anna Aichinger, AND_i, Doychinoff, mija t. rosa, Mühlbauer

Fünf von der Wiener Förderfirma departure unterstützte DesignerInnen hatten gestern Gelegenheit, ihre Arbeiten in eigenen Shows zu zeigen. Darunter die – fast möchte man schon sagen – Alltime-Stars wie die Verfechterin elegant-sexy-starker Frauenmode Anna Aichinger, der international erfolgreiche Schmuckdesigner Andreas Eberharter oder der innovative Hut-Umkrempler Klaus Mühlbauer.

Neu beim 10festival bzw. natürlich beim festival for fashion & photography waren heuer Julia Cepp aka Mija T. Rosa und Maria Doytchinova aka Doychinoff.

Von Mija T. Rosa war in den letzten Monaten nicht wenig zu hören und zu sehen, ihre  Aktivitäten von Ringstraßengalerien-Award bis Modepalast dokumentiert Julia Cepp seit einger Zeit auch auf ihrem Blog. Gestern zeigte sie ihre angenehme, tragbare und auf Nachhaltigkeit bedachte Kollektion, darunter auch ihr Signature Kleid „ripped stripes“ mit bearbeiteten, recycelten Stoffstreifen.


Marlies und Klaus Mühlbauer statteten ihre Mannequins nicht nur mit allerlei Herbsthüten und Wintermützen, herrlich kuscheligen, riesigen Pelzmützen, sondern auch mit richtig vielen Teilen aus ihrem feinen Wiener Modegeschäft aus. Die akustische Atmo dazu lieferten übrigens Madchen Amick live.


Ein bisschen 80er-Jahre-Russen-Look, da hatten wir ja auch schon mal gerne Anspielungen an historische militärische Insignien und bedruckte Silberleggings, schickte Maria Doytchinova nebst streng architektonisch konstruierten Kleidern unter ihrem Label Doychinoff auf den Laufsteg.

Eine komplette Resort-Kollektion in Rosa, Blau und Blümchen, komplettiert mit Schwarz- und Nudevarianten aus edlen, duftigen Stoffen gab es dagegen bei Anna Aichinger. Die kann ich mir auch sehr gut für amerikanische KundInnen vorstellen und wünsche gleich mal viel Erfolg für Vibrant Austria in New York.


In Mull gewickelte Ballett-Elevinnen à la Daft Punk (das Styling betreffend, nicht die Choreographie!) begeisterten schließlich die einen und verstörten manche andere. Es ist nicht einfach eine Schmuck Kollektion in großem Rahmen zu zeigen, und eine Videowall mit Nahaufnahmen hätte hier bestimmt gute Dienste getan. Lovelovelove nennt Andreas Eberharter aka AND_i seine aktuelle Kollektion bestehend aus schimmernden Masken, Ringen, Reifen, Gürteln und Harnischen, die sicher wieder Fans unter hochgradigen Celebrities finden werden.

Soweit der Erlebnisbericht. Fazit: Gute Shows mit guten Kollektionen, die alle recht klar ihre individuelle Handschrift – der Begriff ist ja letzthin speziell wichtig geworden –  zeigen. Und departure hat sich wohl zur stärksten Förderinstitution im Modebereich entwickelt.

Label Websites:

Fotos, Videos: Tschilp.com

Und hier noch ein bisschen Linklove, denn es gibt natürlich auch schon unglaublich viele Bilder und Videos im Netz, z.B. bei:

Was war 2009? Elisabeth Noever-Ginthör über das Wiener Modegeschehen

Elisabeth Noever-Ginthör hat viel mit österreichischer Mode zu tun. Sie arbeitet bei departure, einem Unternehmen des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds, das sich der Förderung der Creative Industries widmet. Hier ihre Sicht auf das Modejahr 2009:

Was waren für dich die zwei oder drei spannendsten Entwicklungen in Sachen Mode in Österreich?

So viel Interesse wie 2009 an österreichischem Modedesign gab’s wohl schon lange nicht mehr. Dazu tragen viele engagierte Leute und – zum Teil neu gegründete – bzw. bestehende Initiativen und Institutionen bei, wie beispielsweise Unit F, Austrian Fashion Net, der Modepalast, 7tm und auch die 2009 erstmals stattgefundene MQ Vienna Fashion Week.

Mein persönliches Highlight 2009 war – wie könnte es anders sein – die departure fashion night, die dieses Jahr einen Fokus auf „fashion pioneers“ gelegt hat: junge Labels wie Mangelware, superated, house of the very island’s club haben neben dem etabliertem Label Ute Ploier ihre Kollektionen in Wien im Semperdepot am Laufsteg präsentiert.

Gleiches kann man wohl über die erstmals stattgefundene MQ Vienna Fashion Week sagen: auch hier gab’s regen Andrang sich die Kollektionen von Gina Drewes, Elfenkleid, Michel Mayer neben den Kollektionen von Marcel Ostertag und Tom Rebl anzusehen.

Klein aber fein auch die Ausstellung im Quartier 21 zum Thema Modeblog unter dem Titel The Vienna fashion observatory – faszinierend und viel zu wenig diskutiert, auch im Hinblick darauf, wie sehr Mode eine Stadt, ein Stadtbild prägt.

Worauf hättest du lieber verzichtet?

Betrüblich fand ich die de facto Auflösung der Maison Martin Margiela. Margiela war schließlich über Jahre hinweg die Spitze der Avantgarde selbst. Man darf gespannt sein, was da folgen wird.

Was Wien betrifft, würde ich mir wünschen, dass die vielen Akteure hier enger zusammenarbeiten, weniger Unkenrufe und mehr Kooperation und Kommunikation zwischen den einzelnen Playern. Für ständige Querelen ist diese Stadt (und auch die vorhandenen Budgets) eindeutig zu klein.

Dein persönliches Lieblingsstück 2009?

… ist mein Strickmantel von Peachoo +Krejberg, der mich durch die kalten Wintertage gebracht hat.

Was wird 2010 wichtig werden, dein Tipp?

„Mode und Handwerk“ könnte sicherlich zukünftig eine wichtig Rolle spielen (in der Kooperationsbörse 2009, organisiert von Austrian Fashion Net, wurde das ja bereits aufgegriffen).

Danke fürs Interview!

Bilder: departure fashion night 2009, Mode von House of the… und Ute Ploier, Fotos: Klaus Vyhnalek

Diplomshow des Bachelorstudiums Mode

Look/Book Party Pratersauna, Visuals Look/Book Party Pratersauna, Visuals

Uff, das war eine lange Nacht! Die Themen Party und Fashion beherrschten den Freitag Abend gleich doppelt: Die Wiener Förderfirma departure präsentierte in der Pratersauna ihre Jahresaktivitäten in Form des neuen Look/Book und im WUK fand im Rahmen der 100 Jahre The Gap Festivitäten eine Modenschau statt.

Lotte Post: Schuhkollektion „Voluptoir“ Lotte Post: Schuhkollektion „Voluptoir“

“codex baut“ (Julia Fidesser und Victoria Hauser)“codex baut“ (Julia Fidesser und Victoria Hauser)

Aly MorgenrotAly Morgenrot

Acht Studentinnen der Bachelorausbildung für Mode der Kunstuniversität Linz an der Modeschule Wien – was für ein Name! – schickten ihre Diplomkollektionen, bestehend aus Schuhen, Schmuck, Hüten, Strickwaren und Kleidern über den Laufsteg. Machte alles einen sehr sauberen und durchdachten Eindruck, für meine Begriffe teilweise vielleicht schon ein bisschen zu kommerziell.


Erika Corona: „El Ultimo Refugio“


Jennifer Rippel: „Die Anwesenheit der Abwesenheit oder Die Abwesenheit der Anwesenheit“


Katharina Zöchling: „in motion“

Zu sehen waren die folgenden Arbeiten (mehr Infos hier):

  • „codex baut“ (Julia Fidesser und Victoria Hauser): „Kollektion 10 0 0 1001“
  • Erika Corona: „El Ultimo Refugio“
  • Stefanie Morawetz: „Albträume“
  • Aly Morgenrot: „Schattengeometrie“
  • Lotte Post: „Voluptoir“
  • Jennifer Rippel: „Die Anwesenheit der Abwesenheit oder Die Abwesenheit der Anwesenheit“
  • Katharina Zöchling: „in motion“

Fotos, Videos: Tschilp.com

„departure“ Fashion Night

Superated, Mangelware, House of the… und Ute Ploier zeigten heute im Rahmen der departure Fashion Night (und in dieser Reihenfolge) im Wiener Semper Depot ihre aktuellen Herbst-/Winterkollektionen. Und stehen damit stellvertretend für eine recht ansehnliche Reihe geförderter Modelabels.

Superated, departure Fashion Night, 5.6.09 Superated, departure Fashion Night, 5.6.09


Mangelware, departure Fashion Night, 5.6.09 Mangelware, departure Fashion Night, 5.6.09


House of the.. , departure Fashion Night, 5.6.09 House of the... , departure Fashion Night, 5.6.09


Ute Ploier, departure Fashion Night, 5.6.09 Ute Ploier, departure Fashion Night, 5.6.09


Die Auswahl der jährlich anlässlich des festival für fashion and photography veranstalteten Schau ergab heuer erfrischender Weise viel Männermode – meiner Meinung nach in den letzten Jahren international sowieso der spannendere Bereich.

Sehr klassische, fein taillierte Schneidersakkos bei superated und Pullover mit riesigen schmuckartigen Kragen bei Ute Ploier waren nebst tänzerischer Showeinlage bei House of the… meine Highlights.

Ein Modesymposion. Rückblickend betrachtet.

Fragen, die vielleicht 2009 beantwortet werden können...

Die Nachbarschaft übt draußen Böllerschießen, in meinem Feed-Reader tummeln sich seit Tagen alle möglichen und unmöglichen Best-of-Listen, und der Jahresrückblick von Austrian Fashion Net erinnert mich gerade an ein Modesymposion, das im November in Wien stattfand.

Ich war da, fand aber keine Zeit, und eigentlich auch keine Worte, um darüber etwas zu berichten. Unter dem Titel „FASHION – And How To Sell It“ hatten die veranstaltenden Förderinstitutionen departure und Unit F eine vielversprechende, ambitionierte Zielsetzung angekündigt:

Um funktionierende Konzepte zur Verbesserung der Handels- und Vertriebssituation in Österreich entwickeln zu können, sollen anhand internationaler Best Practice Beispiele (…) die unterschiedlichen Vertriebs- und Verkaufswege von zeitgenössischem Modedesign analysiert und in Folge Erkenntnisse im Bezug auf ein entsprechendes Modell für den österreichischen Markt gewonnen werden.

Geboten wurde eine mittel interessante Zusammenstellung von Vortragenden aus der Retail- und Agenturpraxis (Sales, Presse, Styling, Messe- und Showproduktion oder auch alles in einem) die vor allem ihre eigenen Unternehmenserfolge ins Licht stellten.

Die Perspektive des Einkaufs fehlte völlig. Hier wären z.B. VertreterInnen eines der großen Department Stores mit Avantgarde-Sortiment wie etwa Barneys New York oder Selfridges London, renommierter Konzeptstores wie Colette, Maria Luisa, Browns – vom asiatischen und arabischen Markt ganz zu schweigen – sehr aufschlussreich gewesen.

Daten über Marktpotentiale, Einblicke in innovative Geschäftsmodelle, Methoden zur Erfolgsmessung oder Umsatzzahlen wurden nicht besprochen.

Und hätten da nicht Moderatorin Doris Rothauer und der Schmuckdesigner Florian Ladstätter dankenswerter und hartnäckiger Weise immer wieder nachgefragt, wäre wohl überhaupt keine einzige Zahl genannt worden.

Jetzt wissen wir immerhin, dass Pressegrundbetreuung abhängig vom abgedeckten Markt schnell mal mehrere 1000 Euro im Monat kostet und globale Unternehmen wie LVMH oder die Gucci-Group eindeutig im Vorteil sind. Nona.

Worin nun die Vorteile, also das  Funktionieren der gezeigten Modelle im Hinblick auf eine fruchtbringende Weiterentwicklung des österreichischen Modeschaffens  zu sehen wären, blieb leider zu vage.

Promotion Proposal London/Vienna Promotion Proposal London/Vienna Promotion Proposal London/Vienna

Einzig der Brite Paul Hetherington setzte sich in seinem Vortrag direkt mit der österreichischen Modeszene auseinander. Anstatt über das Online-Mode-Netzwerk Showstudio, das er seit der Gründung als Creative Director maßgeblich mitgestaltet, zu sprechen, schenkte er den rund 200 anwesenden ModedesignerInnen, -interessierten und Förderinstitutionen gleich ein ganz konkretes Promotion-Konzept:

Das als 3-Jahresprojekt vorgeschlagene Zusammenspiel gespiegelter Showrooms mit Event-Schiene in London (Zielgruppe: Medien) und Wien (Zielgruppe: Endkunden) wirkte schlüssig und könnte enormes Potential entwickeln. Eine schöne Aufgabe für den Jahresbeginn 2009 wäre, das Konzept an kompetenter Stelle einmal in mehreren Varianten durchzurechnen – und nicht im Sande verlaufen zu lassen.

Etwas Hintergrundinformation über Showstudio hätte freilich auch nicht geschadet. Denn über die teilweise erschütternde Unbedarftheit im Bereich Internet bis hin zum fast völligen Fehlen strategischer Onlinekonzepte musste ich mich angesichts eines doch recht nach Avantgarde duftenden, extra eingeflogenen Podiums in Zeiten von Net-A-Porter, Etsy oder Catwalkgenius – um nur 3 Beispiele herauszupicken – schon sehr wundern.

Unter Medienarbeit verstanden sowohl Rike Döpp (Sales-Agentur V, Berlin) als auch Thibault Pradet (Cristofoli Press, Paris) selbstverständlich Print, gemessen wird immer noch an der Anzahl von Clippings.

Den Vogel schoß aber Vidya Narine (Le New Black, Paris) ab, die auf die Frage, was an Research für ihren Online-Order-Showroom betrieben wurde, antwortete: „I had an illumination.“ Mehr fiel ihr dazu nicht ein. Und so in etwa sah die gezeigte Shopoberfläche auch aus.


Am 12.11. fand im Wiener MAK ein Mode-Symposion mit dem Titel „FASHION – And How To Sell It“ statt. Zu Gast waren:

Lennart Jondral, berlinerklamotten, Berlin (D)
Kalle Tollmar, +46, Stockholm (S)
Rike Doepp, Sales-Agentur V, Berlin (D)
Thibault Pradet, Cristofoli Press, Paris (F)
Paul Hetherington, SHOWstudio, London (GB)
Vidya Narine, LE NEW BLACK, Paris (F) Moderation: Doris Rothauer (A)
Veranstaltet von departure, unit-f, in Kooperation mit Austrian Fashion Net.