Religion of Denim

Berlin ist nicht weit. Für mich ist es gerade besonders nah, und so habe ich gleich zwei Wochen in der Stadt verbracht, von der es heisst, sie sei arm aber sexy. Nur knapp zwei Tage Fashionweek fielen da rein, und ich schaffte bei weitem nicht, was ich mir für die kurze Zeit recht ambitioniert vorgenommen hatte. Zurück in Wien arbeite ich mich jetzt langsam durch meine Urlaubserinnerungen und Highlights kristallisieren sich heraus.

Eines davon war die Show Religion of Denim im 3000 m2 großen Temple of Denim, dem Herzstück der heurigen Bread and Butter Berlin (BBB), die sich über die gesamten Hangars plus etliche Freiflächen des ehemaligen Flughafens Tempelhof erstreckte.

Nicht nur eine Modenschau, ein globaler Kult wurde hier zelebriert und zwar auf einer 102 Meter langen, groben Tafel aus massiven Holzbrettern, wo eben noch die Rotweingläser gestanden hatten.

Der renommierte Stylist Maarten Spruyt hatte dafür offenbar die Herausforderung zu bewältigen, alle möglichen Denimteile der ausstellenden Brands unter einen Hut zu bringen und emotional aufzuladen. Was im gemeinsamen Projekt mit dem langjährigen, niederländischen BBB-Agenturpartner Wink hinreissend gelang.

Für sich doch recht unspektakuläre Jeanshosen, -blusen, -hemden, -jacken, und -kleider verbrämte Spruyt sprichwörtlich mit einem tieferen Sinn. Ein virtuoser Remix mit Versatzstücken unterschiedlichster Religionen erzeugte so die Illusion einer zusammenhängenden „Kollektion“. Oder eben Religion, die Religion, die da Denim heißt.


Jede Imagekampagne will Kult produzieren, und mit wie vielen Menschen aus der Werbebranche ich schon Religion als Urform von Branding diskutiert habe, weiß ich gar nicht mehr, gelungene Umsetzungsbeispiele, die das Thema so direkt und ohne peinlich zu werden aufgreifen, sind jedenfalls vor allem im Event-Bereich wirklich selten. War fein dabei zu sein.

Fr. Jona&son in Wien

Ab Donnerstag, den 24.6. bespielt Fr. Jona&son zusammen mit ALILA für eine Woche das Schaufenster im Betastore der famosen Gebrüder Stitch. Meine liebe oberösterreichische Blog-Kollegin mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit wird mit ihren Einzelstücken aus Recycling-Seide-Print und Bio-Denim vertreten sein.

ALILA verarbeitet in ihrer aktuellen Kollektion Vintage Seide zu Tunikakleidern, Gürteln und Taschen, Fotos gibt’s auf ihrem Blog.

Das sogenannte Programmfenster stellen die Gebrüder Stitch jede Woche einem befreundeten und geistig verwandten Label, Künstler oder Laden zur Verfügung um sich zu präsentieren. Ab 1. Juli folgt dann übrigens Cloed Baumgartner mit ihrem Label Milch.

Programmfenster von ALILA & Fr. Jona&son
Gebrüder Stitch Betastore im Ausstellungsraum
Gumpendorfer Strasse 23, 1060 Wien
24. Juni bis 1. Juli
Eröffnung: Donnerstag, 24. Juni ab 19 Uhr

Die Gebrüder Stitch gibt’s im Betastore noch bis Ende Juli, mehr Infos hier.

Jeans, Jeans, Jeans

Inked, Bauernmarkt 15, 1010 Wien Inked

Während in den USA die Preise für Premium Jeans – bisher um die umgerechnet rund 200 Euro – mal zackig um 100 Dollar auf 135 Euro runtergesetzt werden, hinken wir hier anscheinend wiedermal nach.

Wiener Newcomer Boutiquen wie Dressroom oder Inked (übrigens an der früheren Song Location am Bauernmarkt) setzen nach wie vor auf den um 2005 entstandenen Hype um das hochpreisige Denim made in USA.

Dressroom, Petersplatz 11, 1010 Wien

Von einer Marktkorrektur ist hier noch nichts zu spüren. Vielleicht liegt es daran, dass wir in Wien keine großen Luxuskaufhäuser wie Galeries Lafayette, Barneys oder Harvey Nichols haben und uns deswegen leicht der nostalgischen Illusion hingeben können, dass in kleinen Boutiquen noch sogenannte „Einzelstücke“ zu finden sind?

Fotos: Tschilp.com, Dressroom

Acne & Lanvin Onlineshop

Acne launcht noch schnell vor Weihnachten den virtuellen „Campaignshop“ für die Acne & Lanvin Kollektion, deren Ankunft in den real life Stores gleichzeitig verkündet wird.  Ein ziemlich husch, pfusch – wie man auf gut österreichisch sagt – gemachter Emailnewsletter dieses Inhalts landete heute in meiner Inbox (siehe Screenshot).

Wer jetzt aber meint, er oder sie kann sich oder lieben anderen da noch zu Weihnachten eine Freude machen, wird gleich mal enttäuscht. Die meisten Modelle kann man lediglich vorbestellen, die Lieferung wird mit Jänner recht vage angegeben. Verschickt wird immerhin international.

Die Produktfotos lassen sich zwar gut vergrößern, Rückenansichten bleiben allerdings ein Geheimnis (beim klassischen Acne Onlineshop hat man das immerhin schon geschafft). Farben weichen in den verschiedenen Darstellungen innerhalb einer Seite (!) stark voneinander ab. Rückgabe innerhalb 14 Tagen via UPS ist ok, allerdings auf eigene Kosten, was ich nicht ok finde, und bei richtig gut gemachten Onlineshops wie etwa Net-A-Porter selbstverständlich gratis ist.

Die Kollektion selbst halte ich für überschätzt, überteuert – edler japanischer Denim hin oder her – aber wohl und vor allem tragbar und vermarktbar. Mit Versatzstücken wie kleinen Hemdkragen bei den Herren oder betonter Taille in Kombination mit Halbkreisrock bei den Damen wirft Alber Elbaz mit seiner 80er-Jahr-Brille einen Blick auf die 50er.

Kooperationen dieser Art sind als Werbekonzept – siehe H&M, Mango, Topshop, etc. gerade der absolute Renner. Und das passt doch perfekt zu einem aus einer Werbeagentur heraus entstanden Unternehmen.