Archiv des Tags ‘Alltag’

Gloria tschilpt

Schön alt sein

7. Mai 2007 14:03, by Gloria

Meine Mutter steckt in einer Krise. Und ich stehe neben meinen Schuhen. Weil es grad so aktuell ist und meine Mutter mich so plagt, sollt ihr wissen: Zur Zeit muss ich immer wieder mit ihr Arztbesuche wahrnehmen. Früher war’s so: Sie genierte sich für mich bzw. meine Kleidung. Heute ist es öfters auch umgekehrt.

Letzten Donnerstag kam sie eine geschlagene Stunde zu spät zum Privat-Arzttermin. Ich brave Tochter schichtete drei Besprechungen um, damit meine Begleitung überhaupt erst realisiert werden konnte. Als sie dann endlich aufttauchte, bereute ich zum 1000 Mal meine Digitalkamera nicht dabei zu haben. Dazu müßt ihr wissen: Mutter ist so groß wie ich (um die 172 cm) und wiegt halb so viel. (Naja, sie hat 45 kg und ich 60 kg. Grund genug, um mich immer wieder als Walküre zu titulieren …).

Zur braunen löchrigen Uralttrainigshose - ich glaube, diese stammt noch aus meiner Studentenzeit - und schwarzen Charlie Chaplin-Sämischlederschuhen mit extrem runden Kappen trug sie einen engen schwarzen Blazer. Auch der stammt von mir. Ich hab ihn, als ich auf Jobsuche war und in einer Depression steckte, mal zum halben Preis bei Schöps erworben. Und genauso sieht dieses Sakko auch aus: traurig, billig, schiach. Um dem Arzt nicht in die Augen schauen zu müssen behielt sie auch in den Praxisräumen die ultradunkle Sonnenbrille auf. (Und erinnerte mich dabei an die alternde Gottheit Greta Garbo!)

Nicht, dass ihr denkt, ich bemühte mich nicht auch um das optische Wohl meiner Mutter: Neben den obligaten Faltencremes am Muttertag schenke ich ihr zu Weihnachten altersgemäße neue Damenkleidung und zwischendurch auch gern meine ausgemusterten Gewandungen. Nur, das alles will sie nicht! Viel lieber geht sie am Flohmarkt auf Schnäppchenjagd und fröhnt dem dort billigst erstandenen Gypsy-Stil. Manchmal bin ich versucht zu glauben, daß sich gerade in unseren extremen und extrem divergierenden Kleidungsstilen unsere (Geistes-)Verwandtschaft zeigt…

Gloria tschilpt

Kreativität aus Zweiter Hand und die Aktualität des Hermann Leopoldi

10. April 2007 14:25, by Gloria

Vorige Woche spazierte ich bei herrlichem Wetter nach einem erfolgreichen Notartermin durch die Innenstadt. Und ich fand in der Landskrongasse eine Boutique, die Gebrauchtes - originellerweise auch einen Flohmarkt im Keller - offerierte: Bocca Lupo. Ich nicht faul und immer an Schnäppchen interessiert stöberte über eine Stunde lang vor allem in den Gewölben. (Im Nachhinein hörte ich von mehreren Seiten, dass dieses Geschäft in Wien altbekannt ist!)

Freundin Doris vor der Schnäppchenjagd
Und ich wurde fündig: Ein Schella Kann-Rock in schönstem Eisenbahnerblau aus Kunststoff und seitlich hochgenäht hat es mir angetan! Irgendwie erinnernd an einen verhunzten Ballonrock, war er genau das was ich suchte. Jetzt liegt das gute Stück bei meinem Schneider. Denn natürlich kann ich wegen meiner schönen Beine den Rock keinesfalls so tragen, wie ihn die Designerin kreiert hat, nämlich unter dem Knie endend. Ich trage ihn kurz unter dem Busen, quasi als Kleid. (Schon Hermann Leopoldi war sich dieses Problems wohl bewußt, als er seinen größten Hit intonierte: “Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt, hätt sie viel mehr Freud an dem schönen langen Kleid…”) Leider ist der Schneider überbeschäftigt, und ich musste mich bis nach Ostern gedulden… Aber dafür gibts dann auch ein Foto. (Foto wird nachgeliefert, versprochen!)

Ziemlich oft, versuche ich auch an designten Stücken selbst Hand anzulegen. Öfters, leider, muss ich dann die verschönten Kreationen wegschmeisssen. (Vielleicht erinnert ihr euch an das Diesel-Kleid in Aubergine, das hängt nun halt ärmellos immer noch ungetragen in meinem Kasten.) Trotzdem, kleine Verschönerungen machen großen Spass! Denkt nur an den Hundertwasser-Penis samt Kapperl bei der Fernwärmeanlage Spittellau. Auch erinnere ich mich, dass meine Mutter meine Ton-Köpfe - Ja, ich wollte mal Bildhauerin werden! - die gut eingepackt ihrer Vollendung harrten - immer nachmodellierte. Was mich an den Rand des Wahnsinns brachte! Wie ginge es da der geschätzten Schella, wenn sie mich in der Singerstraße mit dem verhunzten Rock, nein, Kleid anträfe?

Gloria tschilpt

Warnung für FärberInnen

4. April 2007 10:47, by Gloria

Gestern auf der Mariahilfer Straße bei “ZERO” (gegenüber Generali-Center) habe ich eine Halbarm-Bluse gefunden. Sehr lang geschnitten, etwas verknittert, aus reiner Baumwolle. Und weil es das Ding nicht in meiner Lieblingsfarbe (derzeit) Braun gab, hab ich zu einer weißen gegriffen. Bin ich doch bereits extrem färbeversiert, ging ich davon aus, dass Umfärben kein Problem darstellen würde. Gestern abend, versorgt mit brauner “Echtfarbe” von DM, ging ich zuversichtlich ans Werk. Doch leider, obwohl ich zwei Packungen Farbe nahm, kam kein Braun heraus. Das gute, neue Stück schaut nun recht traurig aus der Wäsche: gräulich, wie 1000 Mal gewaschen, grauslich gebraucht, verbraucht eigentlich. Ob ich es je tragen werde? (Vielleicht doch im Job, so quasi als “Sandlerlook”!) Langsam keimt der Gedanke ans Entfärben in mir!

Eine Erfolgsmeldung gibt es allerdings auch. Ich hab eine meiner kurzen Girbaud-Hosen (ursprünglich eierschalenfarbig) dazugegeben. Die Hose ist zwar aus 100 Prozent Kunstfaser, doch überraschender Weise hat sie ein wenig Farbe angenommen und ist nun lila. Die Lehre von der Geschichte: Färben bringt Überraschungen!

Gloria tschilpt

Ad Schönheit - Teil Zwo

3. April 2007 08:28, by Gloria

Liebe Leser und Innen, wie ihr schon im ersten Teil bemerken konntet: Klischeevorstellungen werden nicht bedient! So war unsere Schönheit als ausgebildete Sozialarbeiterin einige Jahre in einem Frauenhaus tätig. Da hat sie gelernt, daß mit dem “Barbie- und Prinzessinen-Scheiß” nicht viel zu holen ist. Die “Blauäugikeit, die Welt retten zu können” ging ihr relativ bald verloren und eine dicke Haut hat sie sich nicht aneignen können. Heute hilft sie - solange die Tochter im Kindergarten ist - im Geschäft der Mutter mit. Als Hobby ist Bücherlesen so oft wie möglich und Ausgehen einmal die Woche angesagt. Und dann geht es mit Freundinnen immer in das ewig gleiche Stammlokal. Erkenntnis Nummer 3: Schönheit muß nicht mit Oberflächlichkeit gepaart auftreten.

Seconda mit Besitzerin

Und wie schaut es mit dem anderen Geschlecht aus? Von Untreue, Leichtlebigkeit und sogenannten “Lebensabschnittspartnern” hält sie nicht viel. Die Ehe mit dem Kindsvater ist “irgendwie” noch vorhanden, trotz der Trennung vor über 4 Jahren und trotz Konkurrenz einer Anderen an dessen Seite. Sie kann sich in Beziehungen verlieren und ist dann sehr gebend… Auch als Mutter: die Tochter wurde gestillt bis zum stolzen Alter von Zweieinhalb Jahren. Da humple ich hinterher mit meinen läppischen eineinhalb Jahren Voll-Stillzeit. (Gezwungenermaßen, weil der Herr Sohn jegliche Nahrung außer der Muttermilch rigoros abgelehnt hat und ich ihn ja unbedingt vor dem Hungertode retten mußte! Katharina hat da ähnliche Erfahrungen.) Erkenntnis Nummer 4: Wo ist hier die Eitelkeit? Kein Gedanke an Hängebrüste oder sonstige nachteilige Veränderungen als Folge der Mutterschaft!

Als Kind ist sie sich nicht hübsch vorgekommen, dicklich mit reichlich Babyspeck und kleinen Schweinsaugen. Später dann sehr maskulin mit kaum Busen und überhaupt viel zu dünn und zu groß. Eine richtige Spätentwicklerin quasi! Erst mit reifen 16 wagte sich das erste männliche Wesen an sie heran. Sogar diese frühe Beziehung hielt fünf Jahre. Katharina achtet nicht darauf, ob sie jemanden gefällt! Wie ihr die Männer nachschauen, das zu bemerken, überlässt sie der Mutter oder Freundinnen. Aufmerksamkeit ist ihr sowieso zuwider, sie will keineswegs im Mittelpunkt stehen. Heute ist Katharina zufrieden mit ihrem Äußerem (Ach ja, die obligaten 4 Kilo könnten auch gern wieder verschwinden… Aber so geht es doch jeder Frau über Dreißig!). Stöckelschuhe sind bei stolzen 1.80 Meter kein Thema, auch wegen der Unbequemlichkeit nicht. Und überhaupt: Kleidung muss praktisch sein! Erkenntnis Nummer 5: Schönheit muss also gar nicht leiden!!!

Ein Originalzitat Katharinas will ich euch mit auf dem Weg geben: “Schön sein ist so langweilig!” Das hab ich mir hinter die Ohren geschrieben, falls sich mal wieder die große Unzufriedenheit einstellt!

Gloria tschilpt

Hat Schönheit ihren Preis? Teil Eins

29. März 2007 13:27, by Gloria

Ich bin ein wenig ratlos, weiß gar nicht wie ich anfangen soll… Alle meine Fragen haben sich beim Interview erübrigt. Sämtliche Klischees konnten der Realität nicht standhalten. Plötzlich ging es auch um mich und mein Leben. Ein gutes Gespräch unter Freundinnen vielleicht …

So fängt es an: P. will nicht einmal ihren Vornamen preisgeben. Also nehmen wir Katharina, ihren werten Taufnamen. Sie ist die Tochter der Besitzerin der Second-Hand Boutique Seconda im Sünnhof im Dritten Wiener Gemeindebezirk. Die sollte treuen Tschilp-Leserinnen und wie immer auch Lesern inzwischen (dank mir) ein Begriff sein. Ein bis zwei Mal wöchentlich treibt es mich dorthin. Katharina arbeitet hier und wir kamen ins Gespräch. 33 Jahre alt, stolze 1.80 Meter groß, mit dunkelblondem schulterlangen Haar kann sie 64 Kilogramm auf die Waage bringen. Sie ist Alleinerzieherin wie ich, auch sonst finden sich immer wieder Parallelen in unseren Lebensläufen.

Doch: Katharina ist schön. Und das ohne wenn und aber. Da findet man und auch frau keine häßlichen Züge wie dummes, schwatzhaftes Benehmen oder eitle Selbstverliebtheit, die das Gesamtbild stören könnten. Auch deswegen müßt ihr, liebe Leser und Innen, auf ein Foto verzichten. Tut mir sehr leid, ich habe darum gekämpft. Für euch natürlich und weil ich meine Erkenntnisse auch bildhaft demonstrieren wollte. Aber die Angst blöd dazustehen, war zu groß.

Selbstherapie “Casting”: Katharina hat eine herbe, starke und sinnliche Schönheit. Deshalb werdet ihr sie in der Modellagentur Andrea Weidler unter den “strong faces” suchen müssen. Dorthin hat sie sich getraut, als sie Dreißig wurde und etwas für ihr Selbstbewußtsein tun wollte. Erkenntnis Nummer 1: Wir müssen davon ausgehen, dass Schönheit nicht mit Selbstbewußtsein gleich zu setzen ist.

Für Kleider und Kosmetika gibt unsere Beauty kaum Geld aus. Das Gewand wird natürlich Second-Hand erstanden. Und als Kosmetika genügen die Balea-Gesichtscreme vom DM und die Wimperntusche von Yves Saint Laurent. (Letztere empfindet sie schuldbewußt als eigentlich viel zu teuer, als Luxus.) Schuhe und Taschen interessieren sie kaum, kann und will sie sich nicht leisten. Wichtiger ist es, Geld für Bücher zu haben und für Wohnungsaccessoires. Gefragt habe ich sie das nicht, aber ich gehe davon aus, dass Katharina nicht übermäßig lange vor dem Spiegel steht. Ergo - Schönheit nimmt nicht unbedingt viel Styling-Zeit in Anspruch! Das ist meine Erkenntnis Nummer 2. Fortsetzung folgt!