Archiv des Tags ‘Helmut Lang’

Michaela tschilpt

Elfie Semotan mal zwei

11. November 2009 10:52, by Michaela

Prospekt von Liska mit Fotos von Elfie Semotan

Gab’s heuer keine vorweihnachtliche Liska Modenschau? Oder bin ich aus dem Verteiler geflogen, weil ich mir so selten Pelz kaufe? Den aktuellen Werbeprospekt aus dem Hause Liska – schönes altmodisches Wort, nicht? – habe ich jedenfalls gleich zweimal bekommen.

Prospekt von Liska mit Fotos von Elfie Semotan DSC00002

Keine geringere als Elfie Semotan hat für die zwanzig Seiten im etwas verkleinerten A3-Format Mode, Pelz und Accessoires fotografiert, und zwar auf der Riesenbaustelle in Wien Mitte. Das gibt spannende Kontraste in den Texturen und überraschende Harmonien in den Farben. Und das Baustellenthema passt hervorragend zur aktuellen Krisenstimmung.

In Österreich verknüpft man den Namen Elfie Semotan vor allem mit ihren revolutionären Arbeiten für Palmers, Römerquelle oder ihren langjährigen Freund und Lieblingsdesigner Helmut Lang, dessen Markenimage sie kongenial mitprägte.

Detail am Rande und vielleicht schönes Zeugnis eines innigen künstlerischen Dialogs: Semotan nannte eine ihrer Ausstellungen 2006 gleichschwer. Langs erste große Kunstausstellung 2008 hieß Alles gleich schwer. (Und der Gleichschwer- oder Gleichgewichtskuchen heisst übrigens so, weil Mehl in  gleicher Menge wie Eier in Gramm verwendet wird.)

Wer Semotans Portraits von Künstlern wie Daniel Richter, Franz West oder Alex Katz sowie Detailaufnahmen von Ateliersituationen sehen will, sollte die Ausstellung in der Wiener Galerie Senn nicht verpassen.

Elfie Semotan
Galerie Gabriele Senn, Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien
Ausstellung: 12.11.-19.12.2009
Vernissage: 12.11.2009 19 Uhr

Am Donnerstag, den 12.11. eröffnen wie immer auch die anderen Galerien in der Schleifmühlgasse ihre neuen Ausstellungen!

Und der Pregenzer Fashion Store widmet sich ab 18 Uhr mit einer Fashion Night aktuellen Modetrends für Damen und Herren sowie Renate Gerlachs edlen Glasarbeiten und Remix Objekten.

Michaela tschilpt

Fred Adlmüller Ausstellung 2009

12. August 2008 22:17, by Michaela

Wenn man nach einer österreichischen Modetradition von internationalem Rang sucht, dann denkt man erst einmal an Helmut Lang. Ein bisschen vergessen ist dagegen der Couturier Fred Adlmüller. Er begann seine Karriere noch in der Zeit des Nationalsozialismus und feierte bis in die 70er-Jahre als klassischer Modeschöpfer mit nobler Klientele, die Opernball, Salzburger Festspiele und Cannes besuchte, auch international Erfolge. Als in Wien immerhin noch Reste einer – vor dem 2. Weltkrieg führenden – Filmproduktion bestanden, stattete Adlmüller etliche seichte Filmklassiker wie Frauen sind keine Engel oder Im Prater blüh’n wieder die Bäume mit Kostümen aus.

Sein Geschäft im Wiener Palais Esterhazy in der Kärntner Straße 41 mit dem eleganten, seine Zeit nicht verleugnenden Schriftzug “W. F. Adlmüller” existierte noch mehr als 10 Jahre nach seinem Tod. Der Rettungsversuch des Wäscheunternehmens Palmers, den Namen als Marke in Form von Edelunterwäsche und Parfum weiterzuführen, scheiterte allerdings. Danach bot man in der Kärtnerstraße noch eine Zeit lang exklusive Labels wie Dior an und verkaufte schließlich den wertvollen Laden. Ein ähnliches Schicksal wiederholte Palmers übrigens etwas später mit dem feinen, alteingesessenen Modehaus Braun am Graben, welches das Verjüngungsexperiment mit High-End Designerbrands wie Celine, Valentino, Dior, Narciso Rodriguez ebenfalls nicht schaffte und nun H&M beherbergt.

Adlmüller wurde 1909 in Nürnberg geboren und starb 1989 in Wien. Sein Name lebt im testamentarisch verfügten Stipendium weiter, das StudentInnen der Universität für angewandte Kunst, deren Modeklasse er in den 70ern leitete, unterstützt.  Über die diesjährigen Preisträgerinnen Astrid Deigner und Christina Steiner hat Daniel Kalt für Austrian Fashion Net berichtet.

Nächstes Jahr ist Fred Adlmüllers 100. Geburtstag und 20. Todestag – und wie man hört, plant die Universität für angewandte Kunst eine umfassende Ausstellung. Vielleicht findet sich ja auch noch ein Investor, um den Namen, vielleicht den Duft der 50er-Jahre wiederzubeleben.

Michaela tschilpt

Indie Magazin: absolut disco remixed

14. März 2008 09:25, by Michaela

Das Indie Magazin präsentierte gestern eher unauffällig 8 Discokugel-inspirierte Werke in der Volksgarten Banane und feierte ansonsten gebührend sich selbst.

Discokugelmäßig hat Helmut Lang ja im Jänner mit seiner ersten Ausstellung den Anfang gemacht. Und man könnte jetzt darüber räsonieren, ob und wie Kunst auf  Kommerz wirkt. Die Inspiration verbreitete sich jedenfalls und schon spinnen innovative Unternehmungen wie eben Indie gemeinsam mit Absolut das Thema weiter.

Das ergibt für die Konsumentin immerhin einige Vorteile gegenüber anderen Lifestyle Magazin Partys: Ausreichend Wodka, netten Sound und entspannte fashionable Menschen, garniert mit den roten Lackschuhen vom Facehunter. Ein Interview mit Fotoblog-Celeb Yvan Rodic aka Facehunter soll es demnächst hier geben, hier gibt’s eins aus dem Vorjahr.

Absolut Disco Remixed Absolut Disco Remixed

Kira Stachowitsch, Chefredakteurin Indie Facehunter’s Shoes

Absolut Disco Remixed

Michaela tschilpt

Buy Bye 2006

30. Dezember 2006 20:21, by Michaela

Im Frühling sprießt es ja bekanntlich nur so aus dem Boden: Eissalons, Geschäftseröffnungen, Schwammerl… Der Lauf der Dinge setzt sich scheinbar endlos fort, Neues entsteht aus Altem, und das geschwätzige Tschilpen der Spatzen schwingt im lauen Wiener Wind. Tschilp startet – wenn auch noch etwas zaghaft – mit einem Sonntagsspaziergang im März 2006.

Helmut Lang neu: In die Nähe des einzigen österreichischen Mode-Designers von Weltrang möchte die österreichische Modeszene immer wieder gerne rücken. Der Mann, der sein Unternehmen und seinen Namen erfolgreich verkauft hat, lebt nahe New Yorks in den wunderbaren Hamptons und hat Wien seit 1997 nicht mehr besucht. (Er hat nicht viel versäumt.) Im Mai geben die brandneuen, japanischen Besitzer die Artdirektion der neu aufzulegenden Marke bekannt.

Im Sommer wird im Wiener Prada Store deutlich, wie Konzernkonsolidierung an ihre Grenzen stossen kann. Die einstmals gepriesene Qualität italienischer Lederwaren leidet gewaltig, und die sich auflösenden Schuhe verschwinden still und leise aus Schaufenster und Verkaufsraum. Der August bringt Dianne Brill Lip Lingerie nach Wien und vor allem New Song, zweifellos die Geschäftseröffnung des Jahres (obwohl ja 2006FEB01 auch schon ziemlich gut war).

Shop-Openings prägen den Herbst in der edlen Innenstadt: Burberry, Tiffany, Escada, Diesel (positioniert sich erst seit wenigen Jahren in diesem Preissegment), Dolce & Gabbana, Agent Provocateur. Mir fehlen allerdings noch immer Manolo Blahnik Schuhe hier – Herr Wunderl, bitte um einen neuen Versuch! Im September gibt Natascha Kampusch ihr erstes Interview, ihr Styling ist bemerkenswert und prägt sich sofort ein. Sie trägt einen Seidenschal am Kopf und löst damit einen Modetrend aus. (Die Zugriffe auf der Homepage des Models Natascha, sind wohl auch ziemlich gestiegen.)

Noch schnell vor Weihnachten kommt endlich die US-Kosmetikserie Benefit nach Wien, doch das Highlight des Monats findet im Fernsehen statt: All Time Mode Star Karl Lagerfeld brilliert bei Maischberger im Interview mit seiner charmant entwaffnenden Schlagfertigkeit und gibt den Kosmopoliten schlechthin. Ob die weißen Flankerl auf seinem Dior Homme par Hedi Slimane Sakko jetzt Schuppen sind oder vom Trockenshampoo kommen, beschäftigt mich nur kurz, denn ich stelle begeistert fest, dass wir ausser einem Zwischenspiel an der Angewandten noch etwas anderes gemeinsam haben: “Die Tarnkappe, das war immer schon mein Traum.”

Wie hängen Mode und Tarnung zusammen? Welches Bild kommunizieren wir über unsere Kleidung? Ist Stil angeboren? Und wo kriege ich das her? Werden wir 2007 mehr wissen? Mal sehen, wie mein Liebhaber immer zu sagen pflegt…

Michaela tschilpt

Fantastic Men

21. November 2006 23:44, by Michaela

helmut lang fantastic man

Dem Gentleman – nein, ich rede jetzt nicht einfach von Männern -, der ansonsten ja von unserem Connaisseur Jean versorgt wird, sei hiermit überbrückenderweise die Lektüre von Fantastic Man ans Herz gelegt. The Gentlemen’s Style Journal (so der Untertitel) präsentiert – nona – Männer mit Stil, erweist ihnen seine Reverenz.

Schon am Cover kündigt sich eine fast sensationelle Hommage an “Mr. Helmut Lang” an. Von niemand geringerem als Bruce Weber fotografiert dürfte das Interview zwar nicht ganz so viel hergegeben haben wie dem Autor für 4 lange Textseiten vielleicht lieb gewesen wäre, aber alleine es zu haben, ist ja irgendwie schon sehr cool.

Inhaltlich dichter liest sich das Porträt über einen, der antrat der englischen Schneiderkunst neues Leben einzuhauchen: Joe Casely-Hayford erzählt – selbstverständlich ganz bespoke gekleidet – darüber, wie er seinen Job in der Londoner Savile Row #1 bekommen hat. Spannend gesellt sich dazu dann das Kontrastprogramm in Form einer Jürgen-Teller-Fotostrecke über Männerslips und ziemlich reduziert aufs Wesentliche ein Artikel, der sich ausschließlich dem grauen Sweatshirt – “astonishingly simple” – widmet.

Ein vergleichbares Damenmoden-Magazin mit Sinn für’s Relevante und hochkompetenter Redaktion, flotten und intelligenten Texten, erstklassigen und witzigen Fotostrecken und einer satten Portion Selbstironie gepaart mit anspruchsvoller Ernsthaftigkeit würde ich mir wünschen. Und auf die nächste Stilpostille von Jean freu ich mich auch schon.

Fantastic Man ist z.B. über Lia Wolf zu beziehen.