Großartige Show Angewandte 11

Was die Modeklasse gestern Abend in der Remise geboten hat, war erstklassig. Im zweiten Jahr unter der Leitung von Bernhard Willhelm ging es im Gegensatz zum Vorjahr nicht mehr darum, Aufbruch und Erneuerung unter Aufbietung von allerhand Spektakel zu proklamieren.

Die Show hinterließ insgesamt einen geschlosseneren und ruhigeren, konzentrierten Eindruck, was vielleicht auch daran lag, dass sie mit dem Thema Kimono schloss.

Dabei zeigte der erste Jahrgang sehr klassisch wirkende Kimono-Interpretationen, die eine akribische Auseinandersetzung mit dem Kleidungsstück auf eine so unverkrampfte Art widerspiegelten dass es eine Freude war.

Dafür präsentierten die heurigen DiplomandInnen Luciano Raimondi, George Bezhanishvili, Stefanie Grißmann, Lisa Maria Kreiter und Emre Tamer ihre Kollektionen direkt zu Beginn.

Das Programm profitierte überhaupt von einer recht zügigen Abfolge, in der sich sogar Rektor Gerald Bast „nur“ mal schnell um die diversen Preisvergaben kümmerte. Erfrischend!

Dazwischen sah man in thematische Gruppenauftritten wie Einzelpräsentationen, was man von einer universitären Ausbildung auch erwarten darf: ein sehr hohes Maß an Ideenreichtum und Nonkonformität in intelligenter Umsetzung und exzellenter Ausführung.

Etliche Namen werden uns bestimmt noch öfter beschäftigen, etwa der ohnehin schon gefeierte George Bezhanishvili, aber auch aus dem zweiten Jahrgang zum Beispiel Ken Kumagai und Kazaki Inoue oder Emil-Maria Beindl, Nedra Chachoua, Taro Ohmae und Takahiro Ueno aus dem dritten sowie Milena Heussler aus dem vierten Jahrgang, um nur wenige herauszugreifen.

Das Ganze war dann noch eingebettet in ein integriertes Showkonzept, das auch vor einem ironischen Outfit der Schankkräfte – hart arbeitende Burschen mit Sturzhelm – nicht halt macht. Gratulation!


 

Fotos, Video: Tschilp.com

Austria Fashion Awards 2011 written afterwards

Erledigt. Die Austria Fashion Awards wurden unter der Obhut von Unit F im Rahmen des 11festivals am vergangenen Mittwoch vergeben:

Die Arbeiten der Nominierten waren wie immer nur in Form von Videos zu sehen: Gut und teuer gemacht und mit hübsch dynamischen Parkour-Szenen gespickt – obwohl, ganz so cool ist das jetzt nach etlichen Werbespots mit Freerunnern auch nicht mehr wirklich.

Manchmal hatte ich dabei das starke Gefühl, dass es mehr um die Effekte, etwa rückwärts gedrehte Passagen oder die Architektur wie zum Beispiel Harry Seidlers Hochhaus an der Neuen Donau ging als um die individuellen Unterschiede in der Mode. Die war denn auch in den dazugemixten, von den DesignerInnen beigestellten Fotos oft am besten zu erkennen.

Als Showeinlage zwischendurch führten dann kleine, zarte, wie aus einem schrägen Märchen entsprungene Wesen nebst haarigen und bärtigen Rübezahl Typen die Kollektion #06 crime and punishment des japanischen Labels writtenafterwards vor.


Unter dem Styling – alles mögliche umhäkelte Zeug von Kleiderhaken bis Kreuz – verbargen sich Kostüme und Mäntel aus bearbeitetem Woll-Bouclé (?), die mich irgendwie  an Chanel-Kostüme aus den 60ern denken ließen.

Die Kinder-Models entzückten das Wiener Publikum, wenn man sich die Fotos auf der Homepage des Labels ansieht, dann kommt das Konzept – auch mit Kindern – allerdings wesentlich doppelbödiger rüber.

Achja, Supermodel Andrej Pejic war auch anwesend.

 

Mode im Garten: Bezhanishvili und Fürpass zeigen ihre aktuellen Kollektionen in Graz

Fürpass & Bezhanishvili im Grazer Kunstgarten, 11. 9. 09

Beide studieren an der Modeklasse der Universität für angewandte Kunst in Wien, und beide sind schon mit ihren Arbeiten aufgefallen. Jetzt zeigen George Bezhanishvili und Franziska Fürpass im Grazer kunstGarten ihre aktuellen Vorschläge für den kommenden Herbst.

Franziska Fürpass  (A) MO.NU.MENT Autumn/Winter 2009/10 Women
George Bezhanishvili (GEO) JHERONYMUS Autumn/Winter 2009/10 Men

kunstGarten, Payer-Weyprecht Straße 27, 8020 Graz
Freitag, 11. September 2009, 16 Uhr
Die Veranstaltung findet bei Schlechtwetter am 12. September statt (Telefon kunstGarten: +43 699 11852905)

Show Angewandte 09


Schluss Defilee Show 09 Modeklasse

Geschätzte 1400 Fans feierten  am Mittwoch in der Halle E der Wiener Stadthalle die jährliche Abschluss-Show der Modeklasse an der Universität für angewandte Kunst. Es war die letzte unter der Leitung von Veronique Branquinho, und damit fand auch gleich eine Art Amtsübergabe statt.

Unter den internationalen Jurygästen befand sich nämlich schon ihr Nachfolger – mein deutscher Liebling mit Antwerpener Vergangenheit – Bernhard Willhelm, der am gleichen Tag auch seinen Vertrag unterzeichnet hat.

Show Angewandte 09: Historisches Kostüm

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Nach bewährtem Konzept starteten die ersten Jahrgänge mit „Meisterstücken“ zum Thema Experimenteller Rock, Ärmelstudie, Experimentelles Kleid sowie historischen Fingerübungen und ersten individuellen Silhouetten.

Ich merke mir aus dieser Runde mal Aya Nonogaki und Wol Hee Lee, beide mit unverkennbarem Showtalent  – Kopftasche und Riesenschirm – zur weiteren Beobachtung vor. Aya Nonogaki erhielt denn auch den Preis des Schweizer Textilverbandes.

Taroh Ohmae: "Unlimited" Bernhard Gruber: "VHS"

Suzana Jankovic: "spa vivaria" Lisa Maria Kreiter: "my body is a weapon"

Leonie Leuenberger: "made in rain" Christina Steiner: "RORA"

Weiwei Xu: "Bodysong" George Bezhanishvili: "Jheronymus"


Weiwei Xu: „BODYSONG“


George Bezhanishvili: „Jheronymus“

Und weil wir schon dabei sind: An Taro Ohmae (2. Jahrgang) ging gestern der Swarovski Crystallized Preis, die Adlmüller Stipendiatin 2007 und heurige Diplomandin Weiwei Xu erhielt den Rondo Vöslauer Modepreis, Bernhard Gruber (3. Jahrgang) wurde mit dem aktuellen Adlmüller Stipendium ausgezeichnet, und Shootingstar George Bezhanishvili erhielt den erstmals vom Peng! Magazin vergebenen Editorial Award.

Franziska Fürpass: "mo(nu)ment" Franziska Fürpass: "mo(nu)ment"

Von den vierten und den Diplom-Jahrgängen fand ich Bezhanishvili, der sich mit seiner Kollektion Jheronymus auf ein Tryptichon des frühen niederländischen Meisters Hieronymus Bosch bezieht mit seinen satten, bunt gemusterten und recht nobel wirkenden Materialien wiedermal bemerkenswert.

Aus Franziska Fürpass‚ sehr klarer, sachlich-eleganter Kollektion mo(nu)ment hätte ich bitte gerne das violette Seidenkleid, das ich leider nicht schaffte zu fotografieren.


Christina Steiner: „RORA“


Ba Toan Nguyen: „1020“

Veronique Branquinho ist es gelungen keine Adepten auszubilden, sondern indivduelle Persönlichkeiten, die ihre Sprache entwickeln. Ich bin schon sehr gespannt, was sich mit Bernhard Willhelm verändern wird.

EDIT 12.6.: Foto des violetten Kleides (mit grauem Mantel) nebst vielen anderen professionellen Bildern soeben hier gefunden.

8 Fragen an George Bezhanishvili

Er studiert in der Modeklasse der Universität für angewandte Kunst, und mit seiner Kollektion für den kommenden Herbst/Winter hat George Bezhanishvili im 3. Jahrgang gleich mal zwei Preise abgeräumt.

Wer ist George Bezhanishvili?

21 jähriger georgischer Modestudent an der Universität für angewandte Kunst, Wien.
1,83, 60 kg, braune haare und blaue Augen.

Woher kommt George Bezhanishvili?

Tbilisi, Hauptstadt Georgiens.

Wo will George Bezhanishvili hin?

Über die Modehäuser Europas, eines Tages in mein eigenes Atelier.

Was unterscheidet George Bezhanishvili von anderen Labels?

George Bezhanishvili.

Wie finanziert sich das Label, leistest du dir z.B. auch internationale Präsentationen?

An internationalen Präsentationen ist im Moment finanziell überhaupt nicht zu denken. Meine bisherigen Arbeiten finanzierte ich mit Teilzeitjobs und ordentlich Hingabe.

Wie siehst die österreichische Modeförderung?

Es gibt viele Möglichkeiten im Österreich von allem in Hinsicht auf die Größe des Landes. Man wird als junger Kreativer gerne unterstüzt.

Was fällt dir zu Mode in Wien ein?

Wien ist eine stilvolle Stadt, in der sehr viel Wert auf Kultur gelegt wird. Vor allem ältere leute ziehen sich sehr gut an, und es ist auch eine Freude in der Stadt Geschäfte zu haben, die auf internationalem Niveau sehr spannende Labels einkaufen.

Was sollte sonst noch unbedingt über George Bezhanishvili gesagt werden?

Ich hoffe dass mein Gewand mehr über mich erzählt, als ich.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Emailinterviews mit Designerinnen und Designern in Österreich.