Modewoche: 11festival 6.-11. Juni 2011

Komprimiert auf eine Woche findet heuer das Wiener festival for fashion and photography statt.

Der österreichische Förderverein unit-f , der sich ansonsten aus öffentlichen Geldern finanziert, konnte dafür neue Kooperationen und Sponsoren gewinnen, und so entstand wieder ein wechselvolles Programm. Weitere Infos gibt es auf der Festival-Website, erstmals wird dort auch das Festivalmagazin als PDF zum Download angeboten.

Das Führungsduo Ulrike Tschabitzer und Andreas Oberkanins wagt sich diesmal sogar an ein Statement, dem man in früheren Zeiten eher skeptisch gegenüberstand:

Wien ist Modestadt!

11festival for fashion and photography
6. bis 11. Juni 2011
Wien, verschiedene Veranstaltungsorte

Preisausschreiben Fashion Award

Im Rahmen des 11festival (festival for fashion and photography, 6.-11.6.2011) werden heuer gleich zwei schöne, neue Preise vergeben.

Einmal der Produktionspreis für Mode, der sich an österreichische ModedesignerInnen richtet, die bereits längere Zeit auf dem internationalen Markt vertreten sind.

Die recht gute Dotierung von jeweils 10.000 Euro in den Kategorien Women’s Wear und Men’s Wear kommt von der Wirtschaftskammer und dient auch der Unterstützung des Standortes, muss sie doch in hiesige Fertigungsbetriebe investiert werden.

Eine stimmige Angelegenheit, die beiden Seiten – Labels wie Produktion – nützen kann.

Der zweite neue Preis möchte Nachwuchstalente vorstellen und fördern. Gesponsert von einem Auto-Konzern gibt es beim Evoque Next Gen Award 5.000 Euro zu gewinnen, und das Besondere daran ist die Publikumsbeteiligung.

Per Online-Voting wird aus acht (vom etablierten österreichischen Label Wendy & Jim ausgewählten) Nominierten der Gewinner oder die Gewinnerin ermittelt. Eine gute Idee eigentlich.

Nur scheint man die Kompetenz der User nicht so ganz ernst zu nehmen. Die Modefotos auf der Voting Website sind zu klein, eine Zoom-Funktion fehlt, und so erhält man leider nicht mehr als einen sehr oberflächlichen Eindruck von den Arbeiten der DesignerInnen. Biographische Angaben sucht man vergebens.

Das Abstimmen selbst funktioniert ausschließlich über eine Facebook-Anwendung, und wer nicht ausdrücklich die „rechtlichen Hinweise“ akzeptiert, darf auch nicht voten.

Damit gewährt man seine Zustimmung für Werbezusendungen aller Art – nicht nur Veranstaltern und Sponsoren sondern auch Dritten (Widerruf nur postalisch!). Übrigens auf einer Website, die kein Impressum aufweist:

Ich stimme ausdrücklich zu, dass meine im Zuge des Online Votings eingesetzten Daten zur Zusendung (postalisch und per E-Mail) von Angeboten und Informationen zu Produkten und Dienstleistungen von der Jaguar Land Rover Austria GmbH, dem festival for fashion & photography und der „Die Presse“ Holding GmbH & Co KG oder von ihnen beauftragten Dienstleistern verarbeitet und gespeichert werden und zu diesem Zwecke auch an Vertragspartner der Jaguar Land Rover Austria GmbH, des festival for fashion & photography und der „Die Presse“ Holding GmbH & Co KG übermittelt werden. Ich kann diese Zustimmung jederzeit ohne Angabe von Gründen schriftlich an Land Rover Infocenter, Postfach 45, 2345 Brunn am Gebirge widerrufen.

Zitat laut Website

Auf diese Art könnten sich allerdings schnell unerwünschte Image-Kratzer einstellen und der Eindruck entstehen, hier benutze der Sponsor die Arbeit von DesignerInnen schlicht für die Generierung von Kontaktdaten.

Um dem entgegenzuwirken würde ich deshalb empfehlen, ein Plattform unabhängiges Voting zu implementieren und vor allem auch unabhängig von der Teilnahme an einem Gewinnspiel zu ermöglichen. Das wäre gegenüber den DesignerInnen fair.

Gegen eine Incentivierung – in diesem Fall ein „Fashion Weekend in Mailand“ – als motivationsfördernde Maßname ist gar nichts zu sagen, aber die Publikumswahl sollte doch getrennt laufen und bitte nicht an die Weitergabe persönlicher Daten geknüpft werden.

Wie dem auch sei, den Nominierten seien hiermit alle Daumen gedrückt!

FinalistInnen Evoque Next Gen Award (Voting bis 27. Mai 2011)

Departure Fashion Night 2010 mit Anna Aichinger, AND_i, Doychinoff, mija t. rosa, Mühlbauer

Fünf von der Wiener Förderfirma departure unterstützte DesignerInnen hatten gestern Gelegenheit, ihre Arbeiten in eigenen Shows zu zeigen. Darunter die – fast möchte man schon sagen – Alltime-Stars wie die Verfechterin elegant-sexy-starker Frauenmode Anna Aichinger, der international erfolgreiche Schmuckdesigner Andreas Eberharter oder der innovative Hut-Umkrempler Klaus Mühlbauer.

Neu beim 10festival bzw. natürlich beim festival for fashion & photography waren heuer Julia Cepp aka Mija T. Rosa und Maria Doytchinova aka Doychinoff.

Von Mija T. Rosa war in den letzten Monaten nicht wenig zu hören und zu sehen, ihre  Aktivitäten von Ringstraßengalerien-Award bis Modepalast dokumentiert Julia Cepp seit einger Zeit auch auf ihrem Blog. Gestern zeigte sie ihre angenehme, tragbare und auf Nachhaltigkeit bedachte Kollektion, darunter auch ihr Signature Kleid „ripped stripes“ mit bearbeiteten, recycelten Stoffstreifen.


Marlies und Klaus Mühlbauer statteten ihre Mannequins nicht nur mit allerlei Herbsthüten und Wintermützen, herrlich kuscheligen, riesigen Pelzmützen, sondern auch mit richtig vielen Teilen aus ihrem feinen Wiener Modegeschäft aus. Die akustische Atmo dazu lieferten übrigens Madchen Amick live.


Ein bisschen 80er-Jahre-Russen-Look, da hatten wir ja auch schon mal gerne Anspielungen an historische militärische Insignien und bedruckte Silberleggings, schickte Maria Doytchinova nebst streng architektonisch konstruierten Kleidern unter ihrem Label Doychinoff auf den Laufsteg.

Eine komplette Resort-Kollektion in Rosa, Blau und Blümchen, komplettiert mit Schwarz- und Nudevarianten aus edlen, duftigen Stoffen gab es dagegen bei Anna Aichinger. Die kann ich mir auch sehr gut für amerikanische KundInnen vorstellen und wünsche gleich mal viel Erfolg für Vibrant Austria in New York.


In Mull gewickelte Ballett-Elevinnen à la Daft Punk (das Styling betreffend, nicht die Choreographie!) begeisterten schließlich die einen und verstörten manche andere. Es ist nicht einfach eine Schmuck Kollektion in großem Rahmen zu zeigen, und eine Videowall mit Nahaufnahmen hätte hier bestimmt gute Dienste getan. Lovelovelove nennt Andreas Eberharter aka AND_i seine aktuelle Kollektion bestehend aus schimmernden Masken, Ringen, Reifen, Gürteln und Harnischen, die sicher wieder Fans unter hochgradigen Celebrities finden werden.

Soweit der Erlebnisbericht. Fazit: Gute Shows mit guten Kollektionen, die alle recht klar ihre individuelle Handschrift – der Begriff ist ja letzthin speziell wichtig geworden –  zeigen. Und departure hat sich wohl zur stärksten Förderinstitution im Modebereich entwickelt.

Label Websites:

Fotos, Videos: Tschilp.com

Und hier noch ein bisschen Linklove, denn es gibt natürlich auch schon unglaublich viele Bilder und Videos im Netz, z.B. bei:

10festival Guerilla Store

Anschließend an die heutige Eröffnungs-Pressekonferenz lud Unit F zum Pre-Opening in den  10festival Guerilla Store. Heuer wurde er von Andreas Murkudis (richtig, der Bruder von Designer Kostas Murkudis) kuratiert. Hier ein paar Bilder.

10festival Guerilla Store
Shop für österreichische Mode und Design
Liska, Hoher Markt 8, 1010 Wien
Öffnungszeiten: 8. – 17. Juni 2010, MO-FR 9 – 18 Uhr
Eröffnung: Montag, 7. Juni 2010, 19 Uhr

Accessoires, Schmuck und Mode von:

Designobjekte von:

Unter dem leicht missverständlichen Titel „Vintage Super Sale“ gibt es auch noch ein paar in den letzten Jahren liegen gebliebene, edle Stücke aus dem Liska Sortiment.

10 festival for fashion and photography

Das jährlich vom Verein Unit F organisierte festival for fashion and photography hat heuer die Ziffer 10 vorangestellt, findet zum 5. Mal in dieser Form statt  – es muss ja nicht immer alles logisch sein – und zwar von 7.-17. Juni 2010 an verschiedenen Locations in Wien.

Von anderen Unternehmungen in Sachen Modewoche meint man sich offenbar klar distanzieren zu müssen. So heißt es auf der Veranstaltungs-Website, das Festival sei

ein Format, das sich nicht an internationalen Fashion Weeks orientiert, sondern völlig eigenständig auf die Stadtstruktur und deren Kreative reagiert. So versuchen wir sukzessive, Wien als eigenständige Modestadt zu positionieren, nicht in Konkurrenz zu den Businesszentren wie Paris, Mailand oder London […]

Zynische Menschen könnten das jetzt als den Versuch interpretieren, eine Not als Tugend zu verkaufen.

Umso wichtiger scheint es – wenn es denn schon kein Business gibt (!) – halbwegs hochwertige Preise zu etablieren. Dem soll durch die als Austria Fashion Awards (AFA) zusammengefassten, aus öffentlichen Geldern finanzierten Modepreise Rechnung getragen werden. So weit so gut.

Ein bisschen zu denken gibt allerdings die Beteiligung. 2009 reichten beispielsweise ganze acht BewerberInnen für den im Rahmen der AFA verliehenen Modepreis des BMUKK ein, dagegen aber 70 für den Förderpreis für künstlerische Fotografie oder 211 für bildende Kunst (nachzulesen hier).

Die Dotierung ist übrigens mit 13.200 bis 18.000 Euro (zweckgebunden für ein Arbeitsstipendium) sogar höher als bei den anderen Sparten, das Verfahren an Unit F ausgelagert.

Hier noch ein anderer Vergleich: Über 200 Einreichungen langten laut Veranstalter beim diesjährigen Ringstrassen Galerien Designer Award ein  – bei einem Preisgeld von „nur“ 3.000 Euro.

Das lass ich jetzt mal so stehen.

Achja, die Arbeiten der diesjährigen PreisträgerInnen werden wir wohl auch heuer wieder nicht am Laufsteg zu sehen bekommen, denn anlässlich des 10. Geburtstages von Unit F zeigen Ulrike Tschabitzer-Handler und Andreas Oberkanins lieber Shows herausragender früherer AFA-PreisträgerInnen (nur mit Einladung).

Trotz mitunter seltsamen Beigeschmacks bietet das Festival natürlich wieder etliche spannende Veranstaltungen, von denen ich mich fast mehr auf die kleineren wie Christina Bergers Ausstellung oder die Präsentation der in Hyères gezeigten Kollektion von Kathrin Lugbauer und Nora Berger oder auch die Diskussionsrunde The shift from still image to moving image mit Imran Ahmed (wer auch immer da jetzt noch an internationaler Besetzung kommen mag) freue.

10 festival for fashion and photography
7. bs 17. Juni 2010, Wien
Programm