In eigener Sache: Tschilp Gastbeitrag auf Austrian Fashion Net

Beinahe hätte ich vor lauter Freude noch vergessen, darauf hinzuweisen: Die österreichische Modeplattform Austrian Fashion Net hat mich zu einem Gastbeitrag eingeladen, der nun online ist. Darin erlaube ich mir ein paar kritische Blicke auf einige verkaufsorientierte Initiativen des 8festival for fashion and photography.

Shotview Fotografien im Wittgensteinhaus: Mode ist tot

Wieso die Ausstellung nicht unter „Exhibition“ auf der Website des 8festival for fashion and photography gelistet ist, weiß vermutlich niemand. Darum hat es mich auch nicht gewundert, die Einzige weit und breit zu sein. Ein Zettel neben dem fortifikativen Gittertor des Wittgensteinhauses wäre auch keine schlechte Idee gewesen. Sowas in der Art wie „Zur Ausstellung bitte läuten“, denn nicht alle klingeln selbstverständlich am stillen Sonntag  beim Bulgarischen Kulturinstitut.

Tor zum bulgarischen Kulturinstitut Ausstellung: Mode ist tot

Ausstellung: Mode ist tot

Das Innere machte nach 6 Tagen Laufzeit schon den Eindruck einer vor langer Zeit zu Ende gegangenen Finisage. Ein Hauch von abgestandenem Zigarettenrauch hing noch in der Luft. Stöße von 8festival-Flyern und Plastiksackerln mit dem großen Achter lagen da herum, aber die Beschriftungen zu den einzelnen Fotoserien hatten sich teilweise schon von der Wand abgelöst und waren notdürftig am Boden gegen die Wand gelehnt. Umso besser, dass Christine alles so gut dokumentiert hat.

Magazine Lounge Magazine Lounge

Magazine Lounge Magazine Lounge

Ein Raum war als „Magazin-Lounge“ bezeichnet. Darin hingen fesch drapiert, aber kaum zum Blättern oder Lesen geeignet, einige Ausgaben schöner, undergroundiger Lyfestyle-Zeitschriften ab. Hier müssen wohl die Lectures stattgefunden haben. Stühle und/oder Loungesofas gibt es nicht. Wäre das grandiose Wittgensteinhaus selbst nicht immer wieder so beeindruckend, könnte sich so richtig Trostlosigkeit einstellen. So tot kann Mode sein.

Die Ausstellung „Mode ist tot. Von Virusverbreitern und Gratwanderern“ lief während des 8festival for fashion and photography und zeigte erstmals in einer Gruppenausstellung Arbeiten von Luis Sanchis, Joachim Baldauf, Christina Kruse, Jork Weismann, Wiebke Bosse, Stefan Armbruster, Yasmine Eslami, June Nakamoto und Henrique Gendre aus der Agentur Shotview.

Joachim Baldauf hat auch die Kampagnenbilder für das Festival fotografiert.

Show Angewandte 2008


Eindeutiger Höhepunkt der unter dem Dach 8festival for fashion and photography zusammgefassten Aktivitäten war gestern die Präsentation der Modeklasse in der MAK-Ausstellungshalle. Die StudentInnen zeigten nicht nur, was sie drauf haben, sondern, wie eine professionelle Fashionshow in Bezug auf Setting und Dramaturgie zu sein hat, auch wenn die Models ab und an etwas ins Schwitzen gerieten (nein, ich meine jetzt nicht das Glanzmakeup bei Sarah Hyee).

Ärmelstudie Ärmelstudie Ärmelstudie

1. Jahrgang: Ärmelstudien

Wie in den letzten Jahren moderierte Rektor Gerald Bast und löste zu Beginn mit den Worten „expect the unexpected“ gleich einmal den Feueralarm aus. Das unangenehme „Dü-dü-dü“ ging aber rasch im Sound zu den Lehrstücken des ersten jahrgangs unter. Seit Veronique Branquinho die Klasse übernommen hat, gehören Ärmelstudie, experimenteller Rock und experimentelles Kleid – diesmal zum Thema „Save the Planet“ – zum Repertoire.

Der zweite Jahrgang zeigte zunächst aufwendig gearbeitete Werke zur Aufgabenstellung „traditionelles europäisches Kostüm“ und hernach je 4 Silhouetten, also Minikollektionen, beim dritten Jahrgang bereits aufgestockt auf 6 Modelle.

Luciano Raimondi \ TaTamara Julia Biricz \'sleepwalkers\' Takahiro Inomoto \

v.l.n.r.: Luciano Raimondi „a word less“, Tamara Julia Biricz „sleepwalkers“, Takahiro Inomoto „Peaceful Voyage“

Da hing teilweise wirklich etwas sehr viel dran: von unglaublich mühevollen und detailreichen Facetten bis zu Schlafsäcken und Decken (Tamara Julia Biricz). Merken werde ich mir Takahiro Inomoto, der unter dem Titel „Peaceful Voyage“ wunderbar leichte, schwebende Figuren auf den Catwalk entsandte und pastellfarbene Transparenz interessant mit Babywolle kombinierte.

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George Bezhanishvili: „Long Haired Child…“

George Bezhanishvili erhielt für das zur Rolling-Stones-Version von „Paint it black“ Vorgetragene den Preis des Schweizer Textilverbandes. Seine feinen und unverkrampften, etwas Hippie-artigen Entwürfe nannte er „Long Haired Child“. Der Preis besteht aus Stoffen im Wert von 1000 Euro.

Astrid Deigner \ Christina Steiner \ Franziska Fürpass \

v.l.n.r.: Astrid Deigner „no more pigeon-hole“, Christina Steiner „HE(A)RTZ“, Franziska Fürpass „Things Are Queer Part II“

Reduzierter und schon mit viel eigener Handschrift setzten Astrid Deigner, Christina Steiner und Franziska Fürpass vom vierten Jahrgang ihre jeweils 8 Silhouetten in Szene, bevor zum Abschluss die 10 DiplomandInnen dran waren (mit je 10-12 Outfits).

Tanja Bradaric \ Tanja Bradaric \ Tanja Bradaric \

Tanja Bradaric „EQUILIBRIUM“

Aus ihrer Reihe kommt auch die Gewinnerin des Indie Magazine Awards, Tanja Bradaric, mit sehr zarten, floral beduckten – ab und an ein bisschen an die letzte Prada-Elfenkollektion erinnernde – aufwendig gearbeitete Modellen. Der Preis besteht in einem Lookbook für internationale Pressearbeit und einem Editorial in der Herbstausgabe von Indie.

Alexandra Zedwitz \ Alexandra Zedwitz \ Alexandra Zedwitz \

Alexandra Zedwitz „S/S 2009“

In der heutigen Ausgabe der Standardbeilage Rondo ist schon die nächste Preisträgerin mit ihren Arbeiten zu begutachten: Alexandra Zedtwitz. Ebenso klar und raffiniert einfach wie der Titel „S/S 2009“ sehen ihre geometrischen und konstruierten Kleider aus, nicht zu vergessen die Pyramidentaschen!

Elisabeth Mayr \ Elisabeth Mayr \ Elisabeth Mayr \

Elisabeth Mayr \ Elisabeth Mayr \ Elisabeth Mayr \

Elisabeth Mayr „OVER THE RAINBOW“

Mein persönliches Highlight war aber Elisabeth Mayr mit „Over the Rainbow“: klare Farben, intelligente Verspielheit, die ein kleinwenig in Richtung Bernhard Wilhelm weist, schöne Verarbeitung, da möchte ich gerne reinschlüpfen…

Offen ist derzeit noch, wer den Song-Preis (dotiert mit 1000 Euro und einem Schaufenster) bekommt, die Bekanntgabe wurde für heute angekündigt.

Departure Fashion Night 2008

Ob das Semper-Depot der geeignete Raum für Fashionshows ist, darüber kann man streiten. Die Sicht auf den Laufsteg war jedenfalls außer vom VIP-Bereich aus generell schlecht. Mittwoch Abend ehrte die Wiener Förderfirma Departure im Rahmen des 8festival einige seiner unterstützten Modelabels. Zweifellos haben sich allesamt die Wirtschaftsförderung verdient.

Radic/Morger: High Noon Radic/Morger: High Noon

Radic Morger zeigten in der ersten Etage eine Miniversion ihres schon durch Youtube gegeisterten Motorrad-Auftritts während der Pariser Fashionweek High Noon. Auf die erste Kollektion darf man gespannt sein.

Wilfried Mayer Wilfried Mayer Wilfried Mayer

Wilfried Mayer folgte mit Herrenmode, die noch eine Spur zu wenig differenziert mit den traditionellen Versatzstücken von Hemdkragen, Sakko und Hose spielt, und irgendwie an Frauen am besten aussieht.

Anna Aichinger Anna Aichinger Anna Aichinger

Anna Aichinger Anna Aichinger Anna Aichinger

Anna Aichinger stellte vor, was sie unter Alphafrauen versteht, für mich eher herkömmliche, mittelsexy Mädchen in schmalen, kurzen Silhouetten, zwischendurch coole Jerseymodelle.

Nina Peter Video Nina Peter Video

Nina Peter – ja, verwandt mit der Legende Handschuhpeter – präsentierte ihre Handschuhe aussschließlich in Videos – tja, eine Handschuhmodenschau stelle ich mir auch schwierig vor.

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Den Abschluss bildeten __fabrics interseason mit einem superrunden Auftritt: 9 oder 10 MusikerInnen in roten Strumpfhosen betraten zunächst die Szene, um mal mit kräftiger, minimalistischer Gitarren-lastiger Untermalung den Boden zu bereiten. Erst dann folgte der Auftritt der Models, die den typischen Lagen-Look vorführten. Das sah echt gut aus so.


8festival Shop-Präsentationen: Thomas Kirchgrabner

Bevor es heute zur Departure Fashion Show geht, hier noch Bilder und Video der letzten Station vom Samstag: Das Pelzhaus Liska präsentierte in den Räumlichkeiten am Graben die zweite Kollektion (Herbst/Winter 2008) von Chefdesigner Thomas Kirchgrabner.

Thomas Kirchgrabner

Thomas Kirchgrabner für LiskaThomas Kirchgrabner für LiskaThomas Kirchgrabner für LiskaThomas Kirchgrabner für Liska

Thomas Kirchgrabner für LiskaThomas Kirchgrabner für LiskaThomas Kirchgrabner für LiskaThomas Kirchgrabner für Liska

Thomas Kirchgrabner für LiskaThomas Kirchgrabner für LiskaThomas Kirchgrabner für LiskaThomas Kirchgrabner für Liska