Was war 2009? Elvyra Geyer über das Modejahr 2009

Events wie die neue Vienna Fashion Week gehen – gemeinsam mit ihren Partnerinnen Maria Oberfrank und  Zigi Mueller – auf  ihr Konto. Elvyra Geyer ist seit 15 Jahren im Modegeschäft und blickt mit uns zurück ins soeben vergangene Jahr.

Was waren für dich die zwei oder drei spannendsten Entwicklungen in Sachen Mode international? Und in Österreich?

Sowohl international als auch in Österreich konnte man feststellen, dass viele Mode-Designer mit ihrem eigenen Label auf den Markt gekommen sind und auf Anhieb auf großes Interesse seitens der Fahionistas gestoßen sind.

Die großen Labels (oder Fashionbrands) haben sich in 2009 eher schwer getan:  zum einen durch erhöhten Kostendruck und geringere Absätze; zum anderen, weil teilweise die Kollektionen vom Publikum nicht angenommen worden sind!

Vom Aspekt der Kreativität her war spannend zu beobachten, dass viele der Newcomer sehr interessante, neue Ansätze in ihren Kollektionen verfolgt haben.

Herausragende Designer des Jahres 2009 waren u.a.: Anelia Peschev (A) und Dimitri (IT). Beide folgen in ihren Kollektionen einer fließenden, eher klassischen Linie und haben (der Szene) dabei ganz neue Impulse gegeben.

Worauf hättest du lieber verzichtet?

Schulterpölster! Ich versuche sie einfach zu ignorieren.

Dein persönliches Lieblingsstück 2009?

Das ist bei mir immer saisonabhängig: im Sommer war dies ein schlichtes schwarzes Kleid ohne Träger (man könnte auch sagen: ein Rock, den ich aber als Kleid trage) von Michel Mayer. Zur Zeit im Winter ist es ein schwarzes langärmliges Kleid mit Applikationen von Pitour.

Was wird 2010 wichtig werden, dein Tipp?

In jedem Fall schwarz (und nicht nur deshalb, weil ich das immer trage) und weiss! Mein Hoffnungsträger: pink (weil ich das immer gerne trage :-).

Wichtig werden auch fließende Layerlooks aus Mischungen in den Ton-Abstufungen: weiß-creme-nude oder grau-schwarz-silber. Schließlich nicht zu vergessen: Prints! Allover und in allen möglichen Variationen.

Schön wäre es, wenn in Österreich etwas mehr Mut zur Mode gezeigt würde. Denn: tolle österreichische Designer gibt es viele!

Dem kann ich mich nur anschließen. Herzlichen Dank für das Interview!


Eines der aktuellen Projekte von Elvyra Geyer ist das showroom | project, wo eben passend zur Ballsaison Abendkleider von Pitour (Maria Oberfrank) präsentiert werden.

Winter Sale @ Park

Es gibt auch noch Winterschlussverkauf zu „normalen“ Zeiten, sprich nach den Weihnachtsfeiertagen. Ab Montag, den 28. Jänner zieht es Fans von Ann Demeulemeester, Raf Simons, Jil Sander, Martin Margiela, Natalia Brilli, Bless, Edwina Hörl, House of the very islands…, Haltbar, Stephan Schneider, Acne, Surface2Air etc. in die Mondscheingasse im siebten Bezirk zu Park.

Was war 2009? Anne Blica Feldkamp über das Modejahr 2009

Weiter geht’s in Sachen Jahresrückblick. Diesmal teilt Anne Feldkamp mit uns ihre Gedanken zum Modejahr 2009. Anne ist Kunsthistorikerin, schreibt für Austrian Fashio Net und bloggt unter blicablica.blogspot.com.

Das Modejahr 2009?

International fällt mir da vor allem Designerkooperationswahnsinn ein, der uns allen jetzt vermeintliche Designerteile in den Kleiderschrank zaubert. Allen voran die in diesem Zusammenhang symptomatischen H&M-Kooperationen:

Während in den Jahren zuvor beim Schweden durchschnittlich eine Zusammenarbeit realisiert wurde, ging man 2009 in die vollen: im Frühjahr Matthew Williamson, zum Jahresende hin Jimmy Choo und Rykiel. Da stellt sich dann schon fast die Frage: Wohin mit dem ganzen Designerscheiß?

An der medialen Multiplizierung und damit der Wahrnahme eben dieser Kooperationen nicht ganz unschuldig: die Modeblogs, die 2009 inflationär aus dem Boden geschossen sind. Deren MacherInnen rücken zunehmend ins Rampenlicht – begleitet von den damit verbundenen Diskussionen um Positionierung und Rolle von Fashionblogs.

Wien ist jetzt neben einem Modefestival und einem Modepalast um eine Fashionweek reicher, kommt aufgrund relativer Überschaubarkeit aus meiner Außenperspektive dennoch einem Minenfeld nahe, wo hinter den Kulissen gerne mal die Messer gewetzt werden.

Worauf hättest Du gerne verzichtet?

Auf die Wahrnahme von Modeblogs vor allem als billige Werbefläche und BloggerInnen als deren willfährige HandlangerInnen.

Dein persönliches Lieblingsstück 2009?

Modische Designerlieblingsstücke gibt`s, die lassen sich allerdings leider nicht so wirklich mit meinem Budget vereinbaren. Deshalb setze ich alternativ immer wieder gerne auf Wiens Pfarrflohmärkte.

Was wird 2010 wichtig werden, dein Tipp?

Allen Unkenrufen zum Trotz die Modeblogs natürlich! Denn die bieten trotz durchaus auch berechtigter Kritik immerhin eine Stimmenvielfalt, die es sich nach wie vor zu verfolgen lohnt.

Danke fürs Interview!

Anne Feldkamp, skizziert von Anne Feldkamp

Was war 2009? Stephan Hilpold zum Jahreswechsel

Ging doch wiedermal schnell mit Weihnachten. Schon naht das Neue Jahr. Aus diesem Grund hab ich einige kompetente Menschen aus der Wiener Modewelt eingeladen, ein bisschen Resümee zu ziehen. Stephan Hilpold (Der Standard) macht den Anfang.

Wenn du das Jahr 2009 Revue passieren lässt: Was waren für dich die zwei oder drei spannendsten Entwicklungen in Sachen Mode international? Und in Österreich?

International: Das Engagement von Jil Sander beim japanischen Kleiderriesen Uniqlo. Stellt die Hierarchie des Modesystems auf den Kopf und könnte eine ähnliche Entwicklung einläuten wie die „Erfindung“ des Pret-a-porters in den 60ern durch YSL.

Und: Das Erstarken der Modeblogs, die zu einer ernstzunehmenden Kraft im Business geworden sind. Das ist vor allem auch in Österreich zu sehen. Ernst zunehmende Modepublizistik ist hier dünn gesät, die Blogs und Internetforen sind eine echte Bereicherung

Worauf hättest du lieber verzichtet?

Auf diverse Schaumschlägereien in der Wiener Modeszene. Nur die eigenen Gärtlein zu kultivieren bringt nix, die Zeit ist reif für größere Entwürfe. Und auf La Hong als Hofer– und Lindsay Lohan als Ungaro-Designer.

Dein persönliches Lieblingsstück 2009?

Mein Topman-Navy-Blazer, den ich blöderweise im Hotel in New York vergessen habe und der seit September im amerikanischen Zoll hängt. Habe ihn im Internet nachgeordert, aber die Ärmel waren zu kurz. Uff. Und meine neuen Parola-Lämpchen von Piero Castiglioni und Gae Aulenti aus dem Jahr 1980.

Was wird 2010 wichtig werden, dein Tipp?

Social-Responsability-Fragen; der E-Commerce, die Blogs, Life-Streaming von Modeschauen, Green Fashion, die Modestadt Berlin und mit ein bisschen Glück vielleicht auch die Vienna Fashion Week. Mal sehen.

Herzlichen Dank!


Stephan Hilpold fotografiert von Irina Gavrich