Michaela tschilpt

Mode und Verzweiflung

19. August 2008 18:06, by Michaela

Was die beiden Kuratorinnen Brigitte Felderer und Eva Blimlinger unter einer “ironischen, historischen, gegenwärtigen und kritischen” Beschäftigung mit den Zusammenhängen von Kleidung und Politik verstehen, ist mir auch nach dem Besuch der Ausstellung “Mode und Verzweiflung” nicht ganz klar. Der intellektuelle, konzeptive und künstlerische Aufwand, der vermutlich hinter jeder präsentierten Installation steht, offenbart sich in der Umsetzung nicht unbedingt.

Stephanie Senge hat zum Beispiel ein recht dekoratives Riesen-Ikebana mit Versatzstücken wie Lackpumps und Nadelstreifhosen aus dem Sonderangebot gebaut. “Ike-Mariahilferstraße” soll Dress Codes als Prozesse einer Konsumwelt sichtbar machen: “Die Bedeutung von Kleidung wird nicht von einer politischen Klasse getroffen, sondern von der Allgemeinheit, mit ihren alltäglichen Entscheidungsprozessen.” Das war aber auch so klar, denn anders könnten Wahlberechtigte wohl kaum die Codes verstehen oder Mitglieder der Allgemeinheit sich mit in der Politik Tätigen identifizieren.

Anette Schwaber ließ für ihre Dia-Show “Wir verheimlichen nichts” Zeitungen drucken mit doppelseitig aufgerasterten und vergrößerten Pressebildern von Politikern und Politikerinnen - gezeigt wird nur ein Ausschnitt, der Oberkörper ohne Kopf. Zeitungslesende werden so zur lebendigen Kollage, die scheinbar gewohnte Formen politischer Berichterstattung hinterfragt.

Ähnlich geht das - anscheinend unvermeidliche - Kuratorinnen-Exponat “Paßt! Eine kurze Modegeschichte der II. Republik” an das Thema heran: Auch dieses Video zeigt in einer Abfolge von Bildern die historische Personen der politischen Öffentlichkeit quasi anonymisiert, mit ausgegrautem Gesicht. Man meint trotzdem alle zu kennen…

Weiters vertreten:

  • Koki Tanaka mit Cleaning up the city hall by using politican’s clothes - aha, Herr Zinggl trägt also Burberry!
  • Manuel Graf, Tegotexo, work in progress - folkloristische Auseinandersetzung mit der Naht an sich.
  • Bogomir Doringer, Fashion and dispair/Bogomir II Doringer, work in progress - ein paar alte Fotos in Vitrinen rechts hinten im Eck zum Thema Privatheit und Öffentlichkeit.
  • Philip Mann, L’Anglais décrit le chateau fermé - Gespräch mit Michel Würthle im schäbigen Loos-Salon über schwarzen Tweed.

Insgesamt wirkt alles sehr low budget und zufällig zusammengestellt. Die Zusammenhänge zwischen Kleidung und politischer Bühne könnten gerade durch den Blick von Außen - die Künstlerinnen und Künstler nehmen am Artists-in-Residence Programm des quartier21 teil - spannende Aspekte sichtbar machen. Das ist jetzt - auch wenn das natürlich in der Planung noch nicht absehbar war - im Vorfeld zu den Nationalratswahlen besonders schade.

Von Brigitte Felderer, die mit der Aufarbeitung zu dem 1938 aus Österreich vertriebenen Modevisionär Rudi Gernreich Furore gemacht hat und der Historikerin und ehemaligem Mitglied der Historikerkommission Eva Blimlinger hätte ich mir mehr Prägnanz erwartet.

Die Ausstellung Mode und Verzweiflung ist noch bis 2. November im Freiraum/quartier21 im Wiener Museumsquartier zu sehen, täglich 10 – 20 Uhr, Eintritt frei.

Ausführliche Werk-Biographien der Künstlerinnen und Künstler sind hier zu finden.

Michaela tschilpt

American Apparel ist da

18. August 2008 00:44, by Michaela

Während ich mit Ausmalen und einer Reise zu Ikea beschäftigt war, hat am Samstag der erste American Apparel Laden in der Mariahilferstraße 22-24 in Wien aufgemacht. Der Fotograf Daniel K. Gebhart war vor Ort!

Michaela tschilpt

Street-Models gesucht

14. August 2008 09:05, by Michaela

Geschlecht: Weiblich
Größe: 160cm+
Kleidung: Club, trendy, trashy, stylish aus dem Bereich Indie/Electro

Wer so wie der Typ im Bild aussieht - nur eben weiblich - und am 18. August (falls es keine neuerliche Verschiebung gibt) Zeit und Lust für ein Casting hat, sollte sich bei Stefan von Stylish Kids in Riot (SKiR) melden. Denn er plant Größeres. Aus dem Street- und Nightlife-Blog soll ein internationales Onlinemagazin werden, für dessen Launch es Image-Fotos braucht.

Das Setting wird aus insgesamt 50 Amateur Models bestehen die  in auffälliger stylish trashiger Kleidung, eine gut frequentierte Fußgängerzone stürmen und eine Art Riot verursachen. Jeweils 15 Models plus ein Model welches Designer Mode präsentiert, befinden sich auf einem Foto.
Das Momentum der erstaunten und schockierten Passanten wird ebenso am Bild festgehalten.

Das Shooting wird am 21. oder 22. oder 23. August in der Wiener Innenstadt stattfinden. Oder so.

Foto: SKiR, by Anja Gether, Model: edgarretro
Zitat: Stefan Urschler, SKiR

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Fred Adlmüller Ausstellung 2009

12. August 2008 22:17, by Michaela

Wenn man nach einer österreichischen Modetradition von internationalem Rang sucht, dann denkt man erst einmal an Helmut Lang. Ein bisschen vergessen ist dagegen der Couturier Fred Adlmüller. Er begann seine Karriere noch in der Zeit des Nationalsozialismus und feierte bis in die 70er-Jahre als klassischer Modeschöpfer mit nobler Klientele, die Opernball, Salzburger Festspiele und Cannes besuchte, auch international Erfolge. Als in Wien immerhin noch Reste einer - vor dem 2. Weltkrieg führenden - Filmproduktion bestanden, stattete Adlmüller etliche seichte Filmklassiker wie Frauen sind keine Engel oder Im Prater blüh’n wieder die Bäume mit Kostümen aus.

Sein Geschäft im Wiener Palais Esterhazy in der Kärntner Straße 41 mit dem eleganten, seine Zeit nicht verleugnenden Schriftzug “W. F. Adlmüller” existierte noch mehr als 10 Jahre nach seinem Tod. Der Rettungsversuch des Wäscheunternehmens Palmers, den Namen als Marke in Form von Edelunterwäsche und Parfum weiterzuführen, scheiterte allerdings. Danach bot man in der Kärtnerstraße noch eine Zeit lang exklusive Labels wie Dior an und verkaufte schließlich den wertvollen Laden. Ein ähnliches Schicksal wiederholte Palmers übrigens etwas später mit dem feinen, alteingesessenen Modehaus Braun am Graben, welches das Verjüngungsexperiment mit High-End Designerbrands wie Celine, Valentino, Dior, Narciso Rodriguez ebenfalls nicht schaffte und nun H&M beherbergt.

Adlmüller wurde 1909 in Nürnberg geboren und starb 1989 in Wien. Sein Name lebt im testamentarisch verfügten Stipendium weiter, das StudentInnen der Universität für angewandte Kunst, deren Modeklasse er in den 70ern leitete, unterstützt.  Über die diesjährigen Preisträgerinnen Astrid Deigner und Christina Steiner hat Daniel Kalt für Austrian Fashion Net berichtet.

Nächstes Jahr ist Fred Adlmüllers 100. Geburtstag und 20. Todestag - und wie man hört, plant die Universität für angewandte Kunst eine umfassende Ausstellung. Vielleicht findet sich ja auch noch ein Investor, um den Namen, vielleicht den Duft der 50er-Jahre wiederzubeleben.

Michaela tschilpt

Peking 2008, Olympia Fashion: Kanada

11. August 2008 00:20, by Michaela

Ebenfalls von einem Großunternehmen eingekleidet zogen die kanadischen Sportlerinnen und Sportler zur Eröffnung ins Olympiastadion ein. Der kanadische Textilhandelsriese Hudson Bay Company (HBC) hat dafür einen Vertrag bis 2012 und unterstützt das olympische Team mit großzügigen Spenden auch finanziell. Weiters sollen bis 2012 über verschiedene Funding-Aktivitäten ingesamt zusätzliche 20 Millionen Dollar gesammelt werden, 6 Millionen sind angeblich schon geschafft.

Die olympische Kollektion hat HBC-Designer Tu Ly entwickelt. Die insgesamt 25 Teile, die jedes Team-Mitglied erhielt,  wurden mittels neuester Textildruck-Technologie mit Varianten des kanadischen Ahornblatts sowie Symbolen aus China, etwa für die 5 Elemente oder der Glückszahl 8 bedruckt. Sah interessant aus, finde ich. Nicht ganz so interessant sieht leider die käufliche Version im Onlineshop von HBC aus.