LIEBLINGSBRAND: Ein Onlineshop als lokale Design Greißlerei

Das LIEBLINGSBRAND Gründungsteam: Marlies Winkelmeier, Cloed Baumgartner, Bernd Artmüller

Noch bis 10. April kann man per Crowdfunding einen neuen Onlineshop für Mode und Design aus Österreich fördern. Mit einer Summe von 11.111 Euro soll die Beta Version von LIEBLINGSBRAND realisiert werden. Gründerin Cloed Baumgartner erzählt wie das gehen kann.

Erstmal Gratulation zum gelungenen Start der Crowdfunding-Kampagne. Ihr steht nach zwei Drittel der Laufzeit bei drei Viertel eures Funding Ziels. Wie fühlt sich das an?

Danke! Ich denke, dass wir eine übliche Kurve hinlegen, also exakt nach Statistik unterwegs sind.

Hast du oder jemand im Team schon anderweitig Erfahrung mit Crowdfunding gemacht? Wieso habt ihr euch für die Crowdfunding Plattform we make it entschieden?

Ich habe für das neu eröffnete magdas HOTEL kürzlich zwei Kampagnen umgesetzt und damit 57.000 Euro für dieses Social Business aufgestellt. Mit LIEBLINGSBRAND hab‘ ich den Österreich-Start der Schweizer Plattform we make it genutzt und auf die mediale Aufmerksamkeit gehofft.

Welche KäuferInnen möchtet ihr ansprechen?

LIEBLINGSBRAND holt alle KundInnen ab, die schon fest und fleissig bei lokalen Designerinnen während einschlägigen Events wie Messen oder Pop-Ups einkaufen.
In Zukunft spart man sich das Warten und die Anreise und das Abklappern der kleinen Läden, weil man sich vorher schon informieren und bequem vom Sofa aus einkaufen kann. Im besten Fall holt man sich die Ware ja dann trotzdem persönlich in den Boutiquen ab.

Und welche DesignerInnen?

LIEBLINGSBRAND will eine Plattform für professionell arbeitende, inhabergeführte Design-Labels sein, die entweder noch keinen eigenen Onlineshop haben oder LIEBLINGSBRAND als weiteren Vertriebskanal nutzen möchten. Gemeinsam haben wir mehr Kraft und bieten mehr Auswahl, was wiederum anziehend für KundInnen ist. LIEBLINGSBRAND wird kein Ösi-Dawanda, so viel ist sicher.

Kannst du etwas zum geplanten Unternehmenskonzept sagen?

Ich werde für LIEBLINGSBRAND eine eigene Firma gründen. LIEBLINGSBRAND darf sich nicht mit meinen anderweitigen Unternehmungen vermischen und muss auch die Möglichkeit der Beteiligung und Expansion bieten.

Wie wird das Vertriebsmodell aussehen?

LIEBLINGSBRAND ist ein Online-Shop-in-Shop Konzept. Jede DesignerIn bekommt ein eigenes Profil, stellt seine Produkte selbst online und verkauft auch auf eigene Rechnung. Das Betreiber-Team bekommt einen Prozentsatz vom Umsatz.

Es gab ja schon ein paar Versuche österreichisches Modedesign online zu vertreiben, etwa das vor einigen Jahren gescheiterte Projekt „Soup & Fish“ der Wiener Avantgarde Boutique Song oder „StyleAut“, das sich dann zu nelou entwickelt hat. Was wollt ihr anders oder besser machen?

LIEBLINGSBRAND ist nicht nur Mode, sondern auch für Produkt- und Interiordesign gedacht und später sogar für Dienstleistungen aus der Kreativwirtschaft. Mal schau’n. Zur Zeit gibt es eine derartige gemeinschaftliche Plattform nicht, die Nachfrage innerhalb der Szene ist aber da. Deshalb versuch ich das auf die Beine zu stellen.

Du giltst nicht nur in der österreichischen Mode-Szene als Pionierin für Nachhaltigkeit und Upcycling. Welche Rolle spielen diese Themen bei LIEBLINGSBRAND?

Danke. Die Auswahl der Brands erfolgt natürlich nach Kriterien wie Qualität und Designanspruch der Produkte, fairen Produktionsbedingungen und möglichst nachhaltigen, lokalen Materialien. Es geht uns darum, dass wir für die Kundinnen eine Alternative zu großen, globalen Versandhäusern schaffen, dass man quasi in Zukunft bei voller Auswahl bei der DesignerIn ums Eck einkauft, rund um die Uhr mit kurzen Transportwegen. Das zählt für uns.

Ein möglicher Namensvorschlag war ja auch Design Greißlerei, da spielt der Aspekt des Lokalen eine grosse Rolle. Der Name LIEBLINGSBRAND wurde übrigens von einigen DesignerInnen gemeinsam ausgetüftelt über eine geschlossene Facebook-Gruppe und transportiert für mich auch eine gewisse persönliche Ebene. Wir werden auf StammkundInnen zählen, auf das Netzwerk der DesignerInnen, auf den soliden Ruf, den wir uns als Szene aufgebaut haben.

Finanziert werden soll erst einmal eine Beta Version. Wie soll’s danach weitergehen?

Die Crowdfunding-Kampagne ist ja in erster Linie eine PR-und Marketing-Aktion. Der Programmierer Bernd Artmüller und ich investieren hier Eigenmittel, Energie, Zeit und Idealismus, um LIEBLINGSBRAND zum Laufen zu bringen. Weil LIEBLINGSBRAND bis zum Start schon viele Fans und Unterstützerinnen gesammelt hat, wird der Start natürlich besser klappen als bei allen anderen. Und stilvoll Scheitern muss ja auch mal vorgelebt werden :)

Und natürlich noch die Frage, die dir bestimmt noch nie gestellt wurde: Wieso gerade 11.111 Euro?

10.000 Euro wäre langweilig und für 15.000 Euro mag ich nicht kämpfen, dazu reicht meine Energie nicht, also was dazwischen. Ich hoffe sehr, dass wir die 11.111 Euro schaffen!

Danke für’s Interview und viel Erfolg!

Hinter LIEBLINGSBRAND stehen Cloed Priscilla Baumgartner (Innovationsmanagerin, Designerin, Shopbetreiberin), Bernd Artmüller (Entwickler, Programmierer) und  Marlies Winkelmeier (Designerin und Interior-Stylistin).

Foto: LIEBLINGSBRAND

 

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Fadenlauf 2015. Fashionshow des Kollegs Herbststraße

Fadenlauf 2015

Unter dem Titel Fadenlauf findet am Freitag, den 13. März im Gasometer Wien die Abschluss-Show des Kollegs Herbsstraße statt. Die 24 Jungdesignerinnen wollen im Rahmen des Events aber nicht nur ihre Arbeit präsentieren sondern widmen

den Abend der Clean Clothes Kampagne Österreich. Indem wir den Gewinn der Veranstaltung spenden, wollen wir einen Mehrwert aus unserer „Pflichtübung“ generieren und zeigen, dass Mode nicht nur Spaß macht sondern auch Verantwortung bedeutet,

so Julia, eine der Absolventinnen, über das Projekt.

Fadenlauf
Freitag 13.3.2015, 20 Uhr
Gasometer Wien, Guglgasse 8, 1110 Wien
Tickets: VVK € 18, AK € 20, Vorverkaufskarten bis 12.3. erhältlich in allen Bank Austria Filialen
Moderation: Dani Linzer, Sound: Kommune 2

Mehr Infos:

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Wer will Paul Poiret?

Paul Poiret

Paul Poiret ist zu haben. Wie Vanessa Friedmann (New York Times/On the Runway) kürzlich berichtete, wird die Marke im November versteigert. Potente Unternehmen, die den schillernden Namen aus der Zeit der Pariser Belle Epoque für sich nutzen wollen, können sich über die Website paulpoiret.com nach Unterzeichnung eines Non Disclosure Agreements bewerben, um im November an einer Online Versteigerung teilzunehmen. Es geht um nichts Geringeres als die internationalen Markenrechte inklusive Domainnamen und nicht näher definierten archivalischen Materialien.

In einer Branche, die vom Image lebt, sollte das ein verlockendes Angebot sein. In einer Kurzpräsentation verweist die ausschreibende Firma Luvanis, „the Luxembourg-based developer and reviver of iconic heritage brands“ darauf, wofür  Poiret stehen könnte. Und da finden sich spannende Kombinationen. Folgende Attribute lassen sich unter anderen ableiten – wenn es gelingt sie zum authentischen und gleichzeitig frischen Akkord zu vereinen, könnten der Name und die Kassen wieder weltweit klingen:

  • Innovation – Poiret wird die Befreiung der Frauen vom Korsett zugeschrieben. Dass die Korsage allerdings, wenn auch wesentlich lockerer, weiterhin unter den fließenden, schmalen Roben getagen wurde, steht auf einem anderen Blatt. Und die langen und zu den Füßen hin sehr engen Röcke, auch „Humpelröcke“ genannt, schränkten die Bewegungsfreiheit erheblich ein – Trippeln statt Gehen war hier das Motto.
  • Tradition – Poiret ist ein echter Oldtimer. Als einer der einflußreichsten französischen Couturiers der ersten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts beziehen sich Modeschaffende bis heute auf seine Entwürfe: Der Turban als Must-Have, kräftige Farben, ein dramatischer Mix aus verschiedenen orientalische Linien und Versatzstücken bis hin zu damals absolut unüblichen Pluderhosen bilden eine starken Kontast zur zeitgenössischen Haute Couture etwa des Hauses Worth (für das er auch selbst gearbeitet hatte), die sich durch eine vergleichsweise dezente Farbigkeit und stilistische Verbundenheit zum 18. Jahrhundert auszeichnete.
  • Kunst – Poiret arbeitete eng mit der künstlerischen Avantgarde seiner Zeit zusammen und ließ sich von Tanz, Theater und bildender Kunst inspirieren.
  • Kommunikation –  Poiret gilt als Werbegenie und war schon zu seiner Zeit ein globaler Brand. Er reiste mit neun oder zwölf (je nach Quelle) Models pressewirksam durch die Welt, produzierte Booklets mit seinen Kollektionen, die er per Direktmailing an die relevanten Herrschaftshäuser der damaligen Welt verschickte, entwickelte das erste Designer-Parfum und verausgabte sich schlussendlich finanziell, indem er sagenhafte Events – etwa die Tausendundzweite Nacht – für seine KundInnen und Fans veranstaltete.
    Elsa Schiaparelli – übrigens auch ein Brand der gerade mühsam zu neuem Leben erweckt wird – bezahlte angeblich sein Begräbnis.

Ich bin gespannt, wie sich der Name verkaufen wird, wer investiert und was dabei herauskommt. Und wer als  Creative Director die stressige Aufgabe übernehmen wird, das Erbe in kreativer, interessanter und gut vermarktbarer Weise in einen aktuellen Kontext zu setzen.

Bild: Die Mannequins kommen aus einem Modehaus. 1913,
Aquarell von F. Fabiano.
Aus: Latour, Anny: Magier der Mode, 1956

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