Archive der Kategorie ‘Alltag’

Gloria tschilpt

cool down and down under

26. März 2008 11:42, by Gloria

Vorige Woche war Party angesagt, Motto: cool down. Eigentlich wollten wir ins Jenseits tanzen gehen und freitags auch mal dancing stars sein! Doch die Einladung kam dazwischen. Und weil sie von einem netten Freund kam, änderten wir unser Pläne kurzfristig. Die beiden Freundinnen hab ich einfach mitgenommen. Irgendwie habe ich es schon vorher gespürt, ich hatte ein Bedürfnis, mich dem Alkoholgenuss hinzugeben. Leider kenne ich kein Maß, bereits vor Mitternacht wurden sämtliche Hemmungen über Bord geworfen.

Ich weiss nicht mehr wie und warum, aber ich lernte ihn kennen - Mann und Musiker, sogar größer als ich, gutaussehend und eigentlich nicht mein Typ. Die Freundinnen befragten ihn sogleich ob seines coolen Kleidungsstils: blaues Trainingsjackerl, ausgestellte Jeans. Seine Antwort, dass er sich so gar nichts aus Kleidung mache, die ihm sowieso völlig egal sei, war für die beiden unglaublich. Und mir war sie - wie auch alles andere zu diesem Zeitpunkt - ziemlich wurscht.

Ich durfte diese Stücke später genauerer Betrachtung unterziehen. Und - Überraschung - unter den Jeans trug er eine lange Unaussprechliche in weiss, zwei glatt, zwei verkehrt… Das war Beweis genug, der Mann spricht keineswegs mit gespaltener Zunge! Und ich lernte, wenn es passt, sind solche Details vollkommen unwichtig: An den Unterhosen soll es niemals scheitern!

Gloria tschilpt

MännerMode - MännerBeine

28. Februar 2008 15:11, by Gloria

Vorige Woche U-Bahn fahren: Station Westbahnhof U3. Vor mir die graue Masse, die in den Zug drängt. Einer fällt besonders auf. Seine miselsüchtige Miene drückt genau das aus, was ich mir auch oft denke: Warum bin ich hier? Und warum müsst ihr alle hier sein!?

Ich setze mich ihm schräg gegenüber. Etwas aufgelockert konservativ und teuer gekleidet, den Timer in der Hand samt Papieren, Plänen wirkt er wie ein erfolgreicher, gutsituierter Architekt. Ganz sicher Architekt! Unter der sündteueren, schäbigen grünen Allwetterjacke trägt er ein dezent kariertes Wollsakko mit Hemd, ohne Krawatte. Mein Blick schweift nach unten und ich bin bass erstaunt! Echt scharfe Schuhe trägt dieser Mittfünfziger. Die braunen Boots mit runden Kappen erinnern mich stark an Rosa Mosa. Der Mann gefällt mir immer besser!

Kniefoto 1Kniefoto 2Knifoto 3

Unauffällig krame ich nach der Kamera und versuche sie, die Schuhe selbstverständlich, abzulichten. Da fragt er: “Finden Sie dort unten was Schönes?” Ich flüchte mich in eine Fragestellung, die mir schon lange am Herzen liegt: “Nein, aber vielleicht können Sie mir erklären, warum Männer immer beim Sitzen die Beine spreizen? Und so viel mehr Platz brauchen als wir Frauen? Und überhaupt?”

Das kann er nicht: Meint es läge an der Evolution usw. Meinen Verdacht zu äußern habe ich mir verkniffen. Nämlich dass Männer - von Potenzängsten geplagt - derart versuchen, für eine gute Belüftung zu sorgen. Der rechte Sitznachbar hört eifrig zu und lächelt und macht weiterhin die Beine breit. Daß er dabei immer wieder mal mein linkes Knie berührt stört nicht weiter. Zugegebenermaßen zwar etwas eingeengt schätze ich doch die nette Konversation mit dem Architekten. Und der hat inzwischen auch ein Lächeln aufgesetzt.

Trotzdem, immer noch will ich es wissen: Warum müssen Männer beim Sitzen die Beine spreizen? Postskriptum: Leider war ich zu feige, ihn nach der Intention seiner Schuhwahl zu befragen. Noch so ein intimes Thema wäre zuviel des Guten gewesen!

Gloria tschilpt

Image und Stil #2

13. Februar 2008 18:49, by Gloria

Wer’s wissen will: Ich bin ein Herbsttyp mit den Farben Grün, Braun, Aubergine, Bronze. Auch meine Augenfarbe wird untersucht, die Teintfarbe, die Adern und die Haarfarbe. Ich brauche warme Farben und soll alles Grelle meiden. Das stimmt ganz mit meiner eigenen Erfahrung überein!


Silvie bei der ArbeitSylvie und GloriaSiylvie

Dann folgt die Stylingberatung. Mein Körper wird genau vermessen. Es geht um meine Proportionen und die für mich passende Jackenlänge, Hosenlänge, aber auch um Details wie Nähte, Taschen, Schulterpolster, Krägen sowie um Rockform und -länge. Zu den Haaren meint Sylvie, es sei kein Zufall, wie sie sind: Locking oder glatt, braun, blond oder rot. Was man hat, das passt meist auch am besten. So gilt es, die vorhandenen Schönheit zu entdecken und betonen und die weniger guten Seiten zu kaschieren.

Für Sylvie bin ich keine klassische “Anzugsfrau” - gottseidank! So habe ich noch nie Kostüm oder Anzug tragen wollen. Ich soll mich vielmehr “ruhig, romantisch und zurückhaltend” kleiden. Auch die femininen Wickelkeider passen anscheinend gut zu meinem sehr weiblichen Typ. Sowas besitze ich nicht! Ich dagegen sehe mich vielmehr sportlich, androgyn und herb. Aber vielleicht bin ich ja mit meiner Selbsteinschätzung noch in den 80er Jahren stehengeblieben als ich noch gute 10 Kilo weniger auf die Waage brachte …

Da ich lange Beine und schmale Hüften habe, ist es okay, Kleider und Röcke über Hosen zu tragen. Für den Kundenkontakt findet Sylvie das allerdings zu verspielt. Außerdem empfiehlt sie mir, die Haare besser zu bändigen, um einen geschäftsmäßigeren Gesamteindruck zu erzielen. Hüfthosen und auch die aktuelle 7/8 Hosenlänge sind gut möglich. Meine Röcke dürfen zwischen recht kurz oder knapp knielang variieren. (Das stimmt! Tatsächlich trage ich entweder Minis oder eben kniebedeckende Kleider! Lange Kleider machen aus mir eine Bohnenstange und Olive-Oyl-Verschnitt.)

Auf Anfrage gibt Sylvie auch Schminkberatung, mistet Kleiderkästen aus und geht mit einkaufen! Das hätt’ ich ja sehr gern gemacht, aber Chef Franz wollte die Kosten der Einkaufstour nicht übernehmen! (Postskriptum: Credits to Martina - die liebe Kollegin, die immer wieder in die Fotografenrolle schlüpft!)

Gloria tschilpt

Leggings subversiv

20. Dezember 2007 11:58, by Gloria

Gestern hab ich mich getraut. Und hab mir Leggings von Girbaud gekauft. In braun-lila und eher weit geschnitten. Obwohl ich ja zu Größe 36!! gegriffen hab. Größe 40, die ich bei Strumpfhosen absolut bevorzuge hätte, um die Wadeln geschlottert. Aber die lieben Girbauds haben sich ja hoffentlich was dabei gedacht!

Abends hab ich sie schnell gewaschen - weil Neues wasche ich immer - und heut früh gleich angezogen. Hab mich extra fein gemacht fürs Büro! Mein graues Woll-Hängekleidchen von Ozbek, sicher schon einige Jährchen alt und second hand gekauft, dazu ein braunes Top und ein Westerl in grau Schattierungen von only aus Baumwolle und super angenehm zu tragen. Etwas verunsichert bin ich heut morgen ins Büro gestolpert. Angstbesetzte mögliche Denk-Szenarien der KollegInnen ratterten durch meinen Kopf: “Da hat sie sich mal ein Kleid angezogen und schaut aus wie eine Unterstandslose!” Die neuen Leggings bildeten nämlich trotz “Kindergröße 36″ um Knie und Waden nicht wenig Falten und vermitteln so folgenden Eindruck: Kleid und darunter die Hose wie nach dem Zweiten Weltkrieg die Trümmerfrauen gerne kombinierten und heute die Sandlerinnen!

Trotzdem, nach einem langen Arbeitstag hab ich mich bereits an den ungewohnt weiten Eindruck der Beinbekleidung gewöhnt und es gefällt mir sogar. Sind sie nicht auch ein wenig subversiv!? Und das kann ja grundsätzlich nicht von Schaden sein!

leggings 1leggings 2leggings 3leggings 4

Michaela tschilpt

Indie Magazin: fesch und ein bisserl schlampig

5. Dezember 2007 18:12, by Michaela

Schon als es sich noch Indie-Go nennen durfte (da gab es, wenn ich mich recht erinnere, rechtliche Namensstreitigkeiten), mochte ich Indie. Das vierteljährliche Lifestyle-Journal, das jetzt schon in 17. Nummer erschienen ist, gehört zweifellos zu den ambitioniertesten Fashion- Music- Culture- Printprodukten des Landes.

Und nicht nur das. Die internationale, englischsprachige Ausgabe wird laut Indie-Myspace in ziemlich allen wichtigen Anzeigenmärkten (England, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, der Türkei, den USA, Canada, Australien, Taiwan, Hong Kong and Japan) vertrieben.

Indie Cover, aktuelles Winterheft Indie, aktuelles Winterheft Indie, aktuelles Winterheft

Die Bild-Strecken sind ok bis sehr gut fotografiert, das Layout ist klar und großzügig ausgelegt, und der Druck auf glänzendem Offset-Papier vergleichsweise hoher Grammatur duftet schön fett. Irgendwie denkt man beinahe an das britische I-D, das wohl auch ein bisschen Pate gestanden haben dürfte.

Trotzdem ließ mir bei der Lektüre des aktuellen Heftes Manches keine Ruhe. Das Portrait über Jean Touitou, Gründerfigur des Modeunternehmens A.P.C. zum Beispiel: Dass die Autorin die Entwicklung des “Atelier de Production et de Création” seit 1987 von einem Studio mit stark reduzierten Entwürfen und politisch links orientiertem Umfeld zu einer Firma mit 40 Millionen Euro Jahresumsatz etwas platt als Konvertierung vom Kommunismus zum Kapitalismus interpretiert, ist schon seltsam genug. Dann noch die Frage, ob es “… am Ende nicht konsequent (wäre), sich der Mode komplett zu verweigern… ” - was soll man sich dazu bitte vorstellen? Revoluzzer haben gefälligst arm zu bleiben oder wie?

APC Story APC Story, rechte Spalte oben, man beachte den rechten Rand APC Story, rechte Spalte unten, Schluß des Artikels. Oder doch nicht?

Aber egal, denn die letzten Weisheiten werden uns ohnehin vorenthalten. Oder habe nur ich in meiner Ausgabe den Klassiker des Layout-Missgeschicks: Foto rutscht über Textspalte? Der Schluß des Artikels wirkt damit jedenfalls auch nicht wirklich erhellend.