Ich hab noch einen Koffer in Wien – Daniel Kroh beantwortet 8 Fragen

Daniel Kroh bei W?atf

Seit ich die ReClothings das erste Mal gesehen habe, möchte ich Herwig damit einkleiden. In Lissabon gibt’s die aber noch nicht. Dafür schon an mehreren Adressen in Wien.

So auch bei W?atf, wo ich noch im alten Jahr mit Designer Daniel Kroh und seinem Berliner Charme viel Spaß hatte. Die berühmten 8 Fragen hat Daniel natürlich per Email beantwortet und ist damit der erste Berliner Designer in der Runde.

Wer ist Daniel Kroh?

Herrenschneider und Modemacher, Herrrenschneiderlehre am Thalia-Theater in Hamburg, erster Platz beim Landeswettbewerb, Modedesignstudium an der FHTW-Gestaltung in Berlin, seit 2006 selbständig.

Woher kommt Daniel Kroh?

Mütterlicherseits liegen die Wurzeln in Ungarn, väterlicherseits in Böhmen. Kennen gelernt haben sich die beiden übrigens in Wien, auf einem Konzert meines Großvaters. Etwas später zog es sie ins mittelhessische Butzbach, wo ich in der Kleinbachstrasse 3 gezeugt worden und aufgewachsen bin.
Abitur in Giessen.

Wo will Daniel Kroh hin?

Immer wieder weg vom Mittelmaß, manchmal gegen den Strom.
Wichtig ist, den Überblick vom Ufer aus nicht zu verlieren, um dann selbst entscheiden zu können, wann man eintaucht, wo man auftaucht und wohin die  Reise gehen soll.

Was unterscheidet Daniel Kroh von anderen Labels?

Auf der einen Seite bin ich Dienstleister und Handwerker, der jeden Kunden mit seinen textilen Wünschen als eigenständiges Projekt betrachtet, sei es z.B. der Wunsch eines klassischen Maßanzuges, eines Frackes oder Smokings.

Aber auch textile Aufgaben im Bereich Corporate Fashion, oder Ausflüge in die Film- und Theaterwelt, bereiten mir große Freude.

Auf der anderen Seite erstelle ich meine eigenen Kollektionen, meine ReClothings, die aus alter Arbeitsbekleidung bestehen. Hier rette ich Material vor der Vernichtung.

Nach der Reinigung der Stoffe wähle ich die Filetstücke aus, um die Gebrauchsspuren in einen komplett neuen Kontext zu stellen und so dem Ganzen eine Eleganz zu geben.

Die handwerkliche Verarbeitung spielt hierbei eine wichtige Rolle  Man darf sich das wie ein großes Puzzle vorstellen: Es kann zum Beispiel passieren, dass eine neue Jacke aus 10 alten Latzhosen entsteht. Jedes ReClothing ist ein Unikat und  für mich auch eine Art tragbare, textile Collage.

Letztendlich entscheidet der Kunde und Betrachter über das Alleinstellungsmerkmal.

Wie finanziert sich das Label, leistest Du Dir z.B. auch internationale Präsentationen?

Das liebe Geld, ein Thema für sich, über das man nicht gerne spricht. Gelogen wäre, zu behaupten, alles aus eigener Kraft bewältigt zu haben. Sicherlich gab es Engpässe und ich habe familiäre Unterstützung erfahren, wofür ich sehr dankbar bin, dass mir gewisse Schritte ermöglicht wurden.

Derzeit bin ich durch meine Herangehensweise, sehr gut aufgestellt, wachse langsam und recht gesund.

Außerhalb Deutschlands habe ich bis dato in Österreich und Tokio meine ReClothings präsentiert.

Kommt Zeit, kommt Kroh!


Was hältst du von Modeförderung aus öffentlichen Geldern? Wie sieht diese in Deutschland aus?

Design ist Kulturgut. Förderungen im Bereich Soziales, Wissenschaft und Kultur in einem Staat sind unabdingbar. Nur bedarf es meist eines ganzen Stabes, sehr viel Energie und des richtigen Konzepts um diese Förderungen in Liquiditäten umzuwandeln, um Projekte umzusetzen.

Hier heißt es, das richtige Team zu finden und an einem Strang zu ziehen, leicht gesagt, oft schwer getan.

Die Kreativwirtschaft erreicht einen Anteil von über 20% am Bruttoinlandsprodukt der Berliner Wirtschaft. Da ist es natürlich schwierig den Kuchen aufzuteilen.

Über die Kriterien und die damit verbundenen Subventionen lässt sich allerdings streiten.


Was fällt dir  zu “Mode in Wien” ein?

In Wien gibt es eine sehr gute, aber auch überschaubare Modeszene. Was ich allerdings als Vorteil empfinde. Wien ist für mich ein Modezentrum, mit ganz speziellem Charme und Tradition verbunden,  genau darin sehe ich einen weiteren Vorteil.  Das lokale Potential sollte absolut in den Vordergrund gerückt werden.

Bei meinen letzten Rückflügen von Wien nach Berlin sind mir oft Menschen aufgefallen, die bepackt mit Designerware in den Flieger stiegen. Auf den Taschen prangten natürlich die großen italienischen und französischen Designerbrands. Solche Bilder kannte ich eher aus Mailand. Schön wäre es Wiener Labels, oder Shops an dieser Stelle zu treffen.

Was sollte unbedingt noch über Daniel Kroh gesagt werden?

2008 Eröffnung des eigenen Geschäftes in Berlin-Charlottenburg, Sybelstrasse 43.

Ich hab noch einen Koffer in Wien. Deswegen muss ich bald mal wieder hin. Gemeint ist selbstverständlich das Gepäcksstück.

Danke für das Interview.

Daniel Kroh ReClothings sind in Wien erhältlich bei:
Glanz&Gloria, W?atf und Lila Pix

Daniel Kroh bei W?atf, Foto: Tschilp.com

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2 Responses to Ich hab noch einen Koffer in Wien – Daniel Kroh beantwortet 8 Fragen

  1. Annika sagt:

    Danke für das interessante Interview. Ich finde vor allem die Idee klasse, aus gebrauchter Arbeitskleidung neue Stücke zu entwerfen, die dann eben etwas ganz eigenes ausdrücken können. Für sowas war ich schon immer zu haben, aber man findet das Ganze leider nur sehr selten…

  2. mirjana sagt:

    dann kann ich dir milch.mur.at/ aus wien empfehlen.

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