Der Glamour der Provinz

Auch das ist Wiener Mode: Die Landesinnung Wien der Bekleidungsgewerbe veranstaltete eine glamouröse Modenschau. Die angeblich besten Wiener Maß-Ateliers (und Mitglieder der Wirtschaftskammer) zeigten am 25. Oktober im Arcotel Kaiserwasser aufwändig gearbeitete Cocktail-, Abend- und Brautkleider, und das männliche Publikum grölte voller Freude über hübsche Mädchen und sexy Looks. Die Weinverkostung mag wohl das ihrige dazu beigetragen haben.

Eröffnet war der  Couture-Zirkus durch einen „Creative Act“ dreier Ensemble-Mitglieder des Wiener Staatsopernballetts worden – Namen nannte man wohlweislich nicht. Choreographie war ohnehin nicht viel nötig,  denn kurze Tutus, viel Bein mit Spitzenschuhen und ein paar Pirouetten reichten völlig zur Einstimmung auf das, was folgen sollte:

  • die 17 renommiertesten Wiener Modemacher mit ihren Modellen am Styles-Catwalk
  • die Präsentation durch ORF-Moderatorin „Lottofee“ Karin Klippl
  • 15 Models der Topagentur Stella und Tempo
  • ein Styling vom Starvisagisten Sergej Benedetter
  • ein Show-Act des eleganten Louie Austen (www.louie-austen.com)
  • ein Aftershow-Programm von Szenebeau Cyril Radhler

Zitat laut Einladung

Mode zeigte sich hier wieder einmal besonders deutlich als provinzielles Macho-Gewerbe, bei dem es ausschließlich darum geht ein gefälliges, möglichst erotisches Frauenbild ohne Ecken und Kanten nach überkommenen Mustern zu festigen.

Wie gerne hätte ich doch die hohe Kunst eines handgenähten Revers am Beispiel eines gekonnt geschnittenen Business-Kostüms oder einen meisterlich konstruierten Hosenanzug für die erfolgreiche berufstätige Frau gesehen!


Teilnehmende Firmen:

Fotos, Video: Tschilp.com

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    PS. Leider wurde ich daran gehindert, jedes Modell zu fotografieren. Ein sich als Jurist ausgebender junger Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte, machte mehrmals durch heftiges Tippen an meine Schulter auf sich und die Urheberrechte aufmerksam. Die anwesenden Herren mit Spiegelreflex-Kamera, Stativ und Teleobjektiv ließen ihn allerdings kalt.
    Er trug übrigens kein Maßsakko.

    11 Gedanken zu „Der Glamour der Provinz“

    1. Gibt’s sowas wie eine Business Modenschau überhaupt ?
      Wie ist eigentlich die Aufteilung des Publikums gewesen (in Männer/Frauen) ?

    2. Ich nehme an Louie war das beste, oder? Ich hasse es dass diese Menschen wirklich glauben die Repräsentanz für österreichisches Modedesign zu sein. Für selbstgefällige Hofratsgattinnen, die gerne ein bisserl am Sektglaserl nippen und dabei glauben Haute Couture zu sehen und auf der Pariser Fashionweek zu sein.

    3. @ Eol Ruin: wenn du an Boss Women denkst zb, ja, dann gibt es auch business fashion shows. auch der italienische Herrenklassiker Brioni produziert top Business Mode für Frauen. Ein guter Blazer ist viel schwieriger als ein mittelmäßiges Cocktailkleid, deswegen wäre das alleine schon als Meisterstück zu zeigen, wenn ich hohe Schneiderkunst vermarkten will.

      Publikum war gut durchmischt. Durchaus auch Frauen, die sich selber etwas leisten können (die kaufen aber eher Boss oder Strenesse ;-)

    4. >>Ich bin bei meinen Prioritäten mehr bei
      >>praktisch dann modisch zu Hause …

      „WP Ajax Edit“ ist ein nettes Plugin damit man(n) seine Fehler gleich korrigieren kann.

    5. danke für berichterstattung- es hätte wahrscheinlich nicht treffender kommentiert werden können…und der youtube-ausschnitt: perfekt!

    6. Da wollte wohl irgendein Schreibtischtäter sein Förderbudget verjubeln. :-P

      Danke für die amüsanten Berichte im allgemeinen.

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